Schwere Vorwürfe Ernst August von Hannover verklagt seinen Ex-Anwalt

Der Ruf des Prinzen steht auf dem Spiel: Wegen eines falschen Geständnisses im Prozess um eine Prügelattacke auf einen Hotelier in Kenia hat Prinz Ernst August von Hannover seinen ehemaligen Anwalt verklagt. Er verlangt eine öffentliche Richtigstellung und horrendes Schmerzensgeld.


Hannover - Der einstige Prinzen-Anwalt muss sich am Donnerstag vor dem Landgericht Hannover verantworten, weil Prinz Ernst August von Hannover ihm vorwirft, vor vier Jahren in der Hauptverhandlung ohne Absprache mit ihm falsche Aussagen zum Geschehen gemacht zu haben. Ernst August wurde damals wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 445.000 Euro verurteilt.

Der Prinz verlangt nun eine öffentliche Richtigstellung und Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 250.000 Euro nebst Zinsen wegen Rufschädigung. Der Fall hatte ihm in der Boulevard-Presse den Beinamen "Prügel-Prinz" eingebracht.

Das Landgericht Hannover war bei seiner Urteilsverkündung im November 2004 zum Ergebnis gekommen, dass der Prinz mindestens fünf Mal mit einem Schlagring oder einem ähnlichen Gegenstand auf den Hotelier eingeschlagen und ihm dabei potentiell lebensbedrohliche Verletzungen zugefügt habe.

Sein Anwalt hatte zuvor im Namen seines Mandanten eine Erklärung abgegeben und gesagt, dieser sei zum Tatzeitpunkt "beträchtlich alkoholisiert" gewesen. Er gehöre leider zu den Menschen, "die unter Alkoholeinfluss aufbrausen und ihre Steuerungsfähigkeit einbüßen".

Ernst Augusts neuer Anwalt Hans Wolfgang Euler sagte, der damalige Anwalt habe eine Erklärung abgegeben, die falsch gewesen sei und von der Ernst August nichts gewusst habe. Die Klage richtet sich gegen die Aussagen, der Prinz sei "mit mehreren Personen" auf den Hotelier zugestürmt, er sei dabei erheblich alkoholisiert gewesen, und es sei weder auszuschließen, dass er den Hotelier verletzt habe, noch dass ihm zuvor "einer seiner Begleiter einen Gegenstand in die Hand gedrückt hatte".

Tatsache sei, dass der Prinz dem Hotelier zwei Ohrfeigen gegeben und dabei alleine gehandelt habe, wofür es Zeugen gebe, sagte Euler. Der Prinz fordert eine öffentliche Richtigstellung, dass die Aussagen in der Hauptverhandlung nicht von ihm autorisiert worden seien.

Euler sagte, er gehe davon aus, dass es eine "untypische Absprache" zwischen dem Verteidiger und der Staatsanwaltschaft gegeben habe. Diese sei aber hinter dem Rücken seines Mandanten getroffen worden, der nichts davon gewusst habe. Nachdem er zum Jahreswechsel 2004/2005 das Mandat übernommen habe, habe er den früheren Anwalt aufgefordert, zu erklären, wie es zu der Aussage vor Gericht gekommen sei, sagte Euler.

Da diese Klärung bisher nicht erfolgt sei, habe man im vergangenen November Klage eingereicht, um eine Richtigstellung zu erreichen. Das Gericht hat das persönliche Erscheinen des Prinzen zum Gerichtstermin nicht angeordnet.

jjc/AP



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