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Leihmutterschaft: BGH erkennt schwules Paar als rechtliche Eltern an

Zwei deutsche Männer haben in den USA ein Baby von einer Leihmutter austragen lassen. Bisher galten sie in Deutschland nicht als Eltern des Kindes. Doch nun hat der Bundesgerichtshof eine weitreichende Entscheidung gefällt.

BGH in Karlsruhe: Rechte homosexueller Eltern gestärkt Zur Großansicht
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BGH in Karlsruhe: Rechte homosexueller Eltern gestärkt

Karlsruhe - Gerichtserfolg für ein schwules Paar, das sein Kind durch eine Leihmutter in den USA austragen ließ: Die Männer können sich jetzt in Deutschland als Eltern des Kindes anerkennen lassen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Der Beschluss ist weitreichend, denn Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten.

Das Kind war im September 2010 mit dem Samen von einem der Männer und einer anonym gespendeten Eizelle gezeugt worden. Der Embryo wurde der Leihmutter eingepflanzt, die in Kalifornien lebt. Das Gericht in Kalifornien entschied, dass die Frau keine "Elternstellung" hat und daher die Lebenspartner als Eltern gelten.

Auch in Deutschland wollten sich die Männer in das Geburtenregister eintragen lassen - sie leben seit dreieinhalb Jahren mit ihrem Kind in Berlin. Die deutschen Gerichte hatten das jedoch mit Verweis auf die hiesige Rechtslage abgelehnt.

Der BGH entschied nun anders. "Die Entscheidung des kalifornischen Gerichts, die die Elternstellung den Lebenspartnern zuweist, ist in Deutschland anzuerkennen", erklärten die Karlsruher Richter. Dies sei wichtig für das Wohl des Kindes.

aar/dpa/AFP

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Künstliche Befruchtung
In-vitro-Fertilisation
Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF), lateinisch für "Befruchtung im Glas", vereinigen sich weibliche Eizellen mit männlichen Spermien im Reagenzglas. Je nachdem, welche Methode angewandt wird, kommt es in 50 bis 70 Prozent der Versuche zur Befruchtung. Zwei bis fünf Tage später werden üblicherweise zwei Embryonen in die Gebärmutter eingepflanzt. Etwa 14 Tage danach verrät ein Schwangerschaftstest, ob die Prozedur erfolgreich war. Unter dem Strich führt die künstliche Befruchtung in 20 bis 40 Prozent der Fälle zu einer Geburt. Mehr auf der Themenseite...
Die Methoden
Die künstliche Befruchtung kann auf unterschiedliche Arten vorgenommen werden:

Klassische In-vitro-Fertilisation (IVF): Zunächst werden durch eine Hormonbehandlung Eizellen im Körper der Frau zum Reifen gebracht und später entnommen. Sie kommen zusammen mit den männlichen Spermien in ein Reagenzglas, wo im Idealfall eine spontane Befruchtung stattfindet.

Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI): Sind die Spermien in ihrer Beweglichkeit gestört oder nur in geringer Zahl in der Samenflüssigkeit enthalten, kommt die ICSI-Methode zum Einsatz: Ein einzelnes Spermium wird unter dem Mikroskop direkt in die Eizelle injiziert.

Sonderformen der Injektion werden angewandt, wenn es weitere Probleme mit der Spermiengewinnung gibt. Bei einer wird das zu injizierende Spermium zusätzlich anhand seiner äußeren Merkmale ausgesucht. Sind die Samenwege des Mannes verstopft, können Mediziner die Spermien auch direkt aus Hoden oder Nebenhoden gewinnen.
Rechtliche Lage
In Deutschland ist die künstliche Befruchtung rechtlich gestattet, wenn es bei einem Paar ein Jahr lang trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs nicht zu einer Zeugung gekommen ist. Die In-vitro-Fertilisation macht es auch möglich, befruchtete Eizellen zu spenden oder ein Kind durch eine Leihmutter austragen zu lassen. Beides ist in Deutschland jedoch durch das Embryonenschutzgesetz verboten, während die Samenspende erlaubt ist.
Geschichte
1968 gelang es dem englischen Forscher Robert Geoffrey Edwards zum ersten Mal, im Labor eine menschliche Eizelle zu befruchten. Zehn Jahre später, am 25. Juli 1978, wurde Louise Brown im Oldham General Hospital in Manchester geboren. Sie war das erste Kind, das aus einer künstlichen Befruchtung hervorging. Inzwischen ist das Verfahren medizinischer Standard: 2004 kamen weltweit geschätzte 1,5 Millionen Kinder dank künstlicher Befruchtung zur Welt. Eine "monumentale" Veränderung, fand das schwedische Karolinska-Institut, das Edwards 2010 mit dem Medizin-Nobelpreis auszeichnete.


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