Militanter Umweltaktivist Watson: Sea-Shepherd-Chef kommt gegen Kaution frei

Paul Watson kommt frei, darf Deutschland aber nicht verlassen. Über die Auslieferung des Chefs der Umweltschutzgruppe Sea Shepherd ist noch nicht entschieden. Er soll 2002 in guatemaltekischen Gewässern Seeleute angegriffen haben.

Sea-Shepherd-Gründer Paul Watson: Tauziehen um die Auslieferung nach Costa Rica Zur Großansicht
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Sea-Shepherd-Gründer Paul Watson: Tauziehen um die Auslieferung nach Costa Rica

Frankfurt/Main - Der in Frankfurt inhaftierte Tierschützer Paul Watson kommt gegen Zahlung von 250.000 Euro frei. Nach Leistung der Sicherheit, die Watson selbst angeboten habe, werde er auf freien Fuß gesetzt, teilte das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt mit. Er dürfe Deutschland jedoch bis zum Abschluss des Auslieferungsverfahrens nicht verlassen.

Watsons Anwalt, Oliver Wallasch, sagte, vermutlich werde es nicht gelingen, das Geld über das Wochenende an die Gerichtskasse zu zahlen, so dass sein Mandant weiter in Haft sitze.

Der als militanter Walfanggegner und Haischützer bekannte Watson war am vergangenen Sonntag am Frankfurter Flughafen aufgrund eines Haftbefehls aus Costa Rica festgenommen worden. Dem Chef der internationalen Tierschutzgruppe Sea Shepherd (Deutsch: Meeres-Hirte) wird Eingriff in den Schiffsverkehr vorgeworfen. Hintergrund ist ein Vorfall aus dem Jahr 2002 in guatemaltekischen Gewässern. Dabei soll Watson, der die kanadische und die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, die Crew eines Schiffes aus Costa Rica bedroht und mit einer Wasserkanone angegriffen haben.

Das OLG hatte am Freitagnachmittag die vorläufige Auslieferungshaft angeordnet, den Haftbefehl aber unter Auflagen außer Vollzug gesetzt. Den Haftbefehl begründete das Gericht damit, dass die Auslieferung Watsons nicht von vornherein unzulässig sei, vor allem weil die vorgeworfenen Taten auch nach deutschem Recht strafbar und noch nicht verjährt seien. Das letzte Wort über eine Auslieferung hat das Bundesjustizministerium.

Unterstützung bekommen die Tierschützer von den Grünen im Bundestag. "Es ist zu befürchten, dass Paul Watson in Costa Rica kein faires Verfahren erwartet", sagte Volker Beck, Sprecher für Menschenrechtspolitik und Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, laut Mitteilung am Mittwoch. Es sei zumindest nicht unwahrscheinlich, dass die strafrechtliche Verfolgung Watsons in Costa Rica nach so langer Zeit auch politisch motiviert sei. In diesem Fall sei eine Abschiebung unzulässig.

Nach der OLG-Entscheidung hat Costa Rica drei Monate Zeit, ein förmliches Auslieferungsersuchen mit den vollständigen Unterlagen zu stellen, die den Tatvorwurf belegen. Dann entscheidet das OLG über die förmliche Auslieferungshaft und in einem weiteren Beschluss über die Zulässigkeit der Auslieferung.

jbr/dpa

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Wasserkanone
petermüllerx 18.05.2012
Es ist üblich, dass Tierschützer wie Greenpeace von japanischen Walfängern aus jeweils mit Wasserkanonen angegriffen und bedroht werden. Wer stellt diese nun vor (deutsche) Gerichte?
2. Walschnitzel
ANDIEFUZZICH 18.05.2012
Zitat von petermüllerxEs ist üblich, dass Tierschützer wie Greenpeace von japanischen Walfängern aus jeweils mit Wasserkanonen angegriffen und bedroht werden. Wer stellt diese nun vor (deutsche) Gerichte?
Die Wale und Haifische natürlich... Das Vorgehen der deutschen Behörden ist schon recht bizarr, wenn ,man bedenkt, dass allein im TV hunderte Filme zu diesem unschönen Thema gelaufen sind, die den kleinen Leutchen die Wichtigkeit des Ökosystems Meer vor Augen führen. Gibt es aber einen Haftbefehl aus einer Bananenrepublik, da ist alles ganz anders. Vielleicht will man auch nur ein bisschen Amtshilfe nach Japan leisten.: Japan: Walfang-Schiffe starten Richtung Nordwest-Pazifik - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/japan-walfang-schiffe-starten-richtung-nordwest-pazifik-a-833772.html) Da wünsch ich den Richtern mal viel Spass bei der Haifischflossensuppe.
3. Versuchte Tötung
spon-facebook-1795052382 18.05.2012
Paul Watson wurde von einem Costa Ricanischem Gericht vorgeladen, weil er das viel kleinere Fischerei Boot nicht nur mit Wasserkanonen angegriffen hat, sondern es mehrfach gerammt hat. Dies ist selbst in dem von ihm veröffentlichten Video sehr gut zu erkennen. Bei diesen Attacken haben sich mehrere Fischer verletzt. Außerdem wurde das kleine Fischerschiff nachdem es manövrierunfähig war, mit Wasser vollgepumpt, sodass die Fischer fürchteten, auf hoher See zu ertrinken. Da Herr Watson die Flucht einer Anhörung vorzog, wird er seit 10 Jahren per internationalem Haftbefehl gesucht.
4. militant?
eifelginster 18.05.2012
wer Wehrlose gegen Mörder unterstützt, ist nicht militant, sondern handelt mutig und pflichtbewusst. Buttersäure gegen Harpunen. Militant? Militant sind die japanischen, notwegischen und all die anderenTierquäler, die man nur verabscheuen kann, wenn man von seinen Eltern Anstand gelernt hat. gegen Harpunen.
5. Der zweck heiligt die Mittel nicht ...
bitboy0 19.05.2012
... leider !!!! Selbst wenn es unzweifelhaft eine sehr üble Sache ist (Walfang, Haifischflossen"sammeln") darf eben niemand - laut Gesetz - selber dagegen vorgehen. Ich persönlich sympatisiere ausdrücklich mit SeaShepherd!!!! Ich hoffe das Paul schnell wieder Reisefreiheit bekommt! Die deutsche Justiz MUSS leider so handeln, sonst würde sie die Regeln nicht achten die eben für alle gelten! Das nützt den Tieren leider nicht.... gruß
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