Sean Penn trifft "El Chapo" "Würden Sie die Welt verändern, wenn Sie es könnten?"

Während seiner Flucht hat Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán Hollywoodstar Sean Penn ein Interview gegeben. Penn berichtet über das abenteuerliche Treffen irgendwo in Mexiko.


"Ich erinnere mich an diese Nacht, an diese Ruhe vor dem Sturm und die unwirkliche Erfahrung, mit einem Mann zu sprechen, der zu gelassen wirkte, obwohl sein Leben so surreal erscheint." Im "Rolling Stone" schildert US-Schauspieler Sean Penn seine Begegnung mit dem gerade wieder festgenommenen mexikanischen Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán.

Penn hatte Guzmán im Oktober in Mexiko getroffen, zusammen mit der mexikanischen Schauspielerin Kate del Castillo - nach Wochen der Planung und einer langen Reise irgendwo ins mexikanische Hinterland.

Sieben Stunden lang saßen sie zusammen und unterhielten sich. Nach Angaben von Penn ist es das einzige Interview, das "El Chapo" jemals - außerhalb eines Verhörzimmers - gegeben hat. Sie verabredeten sich für einen längeren, zwei Tage dauernden Interviewtermin. Doch zu diesem Treffen kam es nie.

Der Drogenboss beantwortete aber eine Reihe von Penns Fragen in einem Video, einen Teil der Fragen und Antworten hat der "Rolling Stone" nun veröffentlicht.

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"El Chapo" trifft Sean Penn: Der Drogenboss und die Schauspieler

Ob er sich für einen gewalttätigen Menschen halte, etwa: "Nein, Sir", die knappe Antwort. Alles, was er tue, sagt Guzmán auf eine weitere Frage, sei, sich selbst zu verteidigen. Aber er fange keinen Ärger an.

"El Chapo" war am 11. Juli 2015 durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel aus dem Gefängnis El Altiplano entkommen. Am Freitag wurde er schließlich gefasst, knapp ein halbes Jahr nach seinem Ausbruch.

Charismatisch und selbstsicher

Penn schildert Guzmán als gelassen und ausgesprochen charismatisch. In den Stunden, die sie miteinander gesprochen haben, habe er die meiste Zeit gelächelt. "Hinter diesem Lächeln findet sich eine Gewissheit, die eine Frage aufwirft: Was führt dazu, dass ein Mann keine Zweifel mehr zeigt? Macht? Bewundernswerte Klarheit? Oder Seelenlosigkeit?", schreibt Penn.

Beim Treffen mit Guzmán durfte Penn keine elektronischen Geräte bei sich haben, auch auf Stift und Papier hatte er verzichtet. Er schreibt, er habe daher nur Fragen gestellt, deren Antworten sich ins Gedächtnis einprägten, etwa ob Guzmán den Drogenboss Pablo Escobar persönlich gekannt habe.

Später beantwortet "El Chapo" im Video auch die Frage, ob er jemals selbst Drogen konsumiert habe. "Nein. Vor vielen Jahren, ja, da habe ich sie ausprobiert. Aber ein Abhängiger? Nein."

Es sei wahr, dass Drogen zerstörten, sagt der Mann, der ebenso verkündet, er liefere mehr Heroin, Methamphetamin, Kokain und Marihuana als irgend jemand sonst in der Welt und habe eine Flotte aus U-Booten, Flugzeugen, Lastwagen und Schiffen. "Unglücklicherweise gab und gibt es dort, wo ich herkomme, keine andere Möglichkeit, zu überleben", erklärt er.

Ob er denn die Welt verändern würde, wenn er es könnte, fragt Penn. Er sei glücklich mit dem Stand der Dinge, antwortet "El Chapo".

Er wünschte sich indes, die Zeit, die ihm Gott gegeben habe, mit seiner Familie zu verbringen, so Guzmán. Das Treffen mit Sean Penn könnte dazu beigetragen haben, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung geht. Möglicherweise hat es dabei geholfen, den flüchtigen Drogenboss zu fassen.

Im Video: Drogenboss "El Chapo" gefasst

wbr



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wi_hartmann@t-online.de 10.01.2016
1. Gespräch mit Massenmörder
Wenn dieses "Gespräch" mit dem Massenmörder tat sächlich stattfand, sollte geprüft werden, ob eine strafbare Handlung vorliegt. Nur wegen der PR sich mit einem Massenmörder zum Plausch zu treffen, ist nicht nur schäbig und zeugt von einer völligen Verwahrlosung der Moral.
dunnhaupt 10.01.2016
2. Penn hat Chapo verraten
Indem sie Penn verfolgte, entdeckte die mexikanische Polizei die Ranch, wo Chapo sich versteckte.
medienmogulxxx 10.01.2016
3. Film
Da könnte man ja glatt auf die Idee kommen, dass es bald einen Film geben wird, in dem Penn die Rolle von El Chapo spielt.
roflxd 10.01.2016
4.
Penn war schon immer ein selbstverliebter Gockel. Um auf die Titelseite zu kommen, setzt er sich sogar mit einem Massenmörder und Leichenschänder an einen Tisch.
noregrets 10.01.2016
5. Was soll das?
Wie so einige andere US-Bürger setzt sich Mr. Penn über das internationale Recht und trifft einen mit internationalen Haftbefehl gesuchten Straftäter und interviewt ihn? Und alle finden das toll ?! Ich würde Mr. Penn gleich mal verknacken, das kennt er ja.
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