Serienmörder in L.A. Die 180 Frauen des Lonnie F.

Erst nach einem Vierteljahrhundert schnappte die Polizei von Los Angeles einen mutmaßlichen Serienmörder - und greift bei den Ermittlungen zu einem ungewöhnlichen Mittel. Sie veröffentlicht Porträtfotos aus dem Besitz des Verdächtigen und fragt sich: Wer kennt diese Frauen?

LAPD

"Helfen Sie dem LAPD, den mehr als hundert Gesichtern auf den Fotos des 'Grim Sleeper' Namen zuzuordnen" - von diesem Aufruf erhofft sich die Polizei der US-Metropole Los Angeles neue Erkenntnisse bei Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Serienmörder Lonnie F..

Insgesamt rund 180 Frauenfotos, die sie in F.s Haus gefunden hat, veröffentlichte die Behörde am Donnerstag. Anhand der Bilder solle geklärt werden, ob einige der fotografierten Frauen möglicherweise Opfer des Mannes geworden seien, erklärte Los Angeles' Polizeichef Charlie Beck.

"Wir wissen nicht, ob die Frauen Opfer sind", sagte Beck. Man wisse aber, dass der "Terror", den der Täter in der Stadt verbreitet habe, weitere Ermittlungen nötig mache. Bereits einen Tag nach der Veröffentlichung sollen sich bereits Dutzende Menschen bei der Polizei gemeldet haben. Ein Polizeisprecher konnte aber zunächst nicht sagen, ob aufgrund der Anrufe einige der Frauen identifiziert worden seien.

Lonnie F., 57, wird verdächtigt, ein seit 25 Jahren gesuchter Serienmörder zu sein, der zehn Frauen getötet haben soll, in erster Linie farbige Prostituierte. Auch ein Mann soll ihm zum Opfer gefallen sein. Die Polizei verhaftete F. im Juli vor seinem Haus in einem der ärmsten Bezirke der Millionenstadt. Einem Ermittler zufolge führten DNA-Spuren die Polizei zu dem Mechaniker und früheren Müllmann.

"Wir glauben nicht, dass wir schon alle Opfer kennen"

Von 1985 bis 1988 hat der Täter den Ermittlern zufolge acht Menschen ermordet, zwischen 2002 und 2007 drei weitere. Der Täter vergewaltigte einige seiner Opfer, bevor er sie mit einer Pistole erschoss. Die Leichen wurden an abgelegenen Plätzen und in Mülltonnen in F.s Wohnbezirk South Los Angeles sowie in der angrenzenden Gemeinde Inglewood gefunden.

Eine Frau überlebte, nachdem er sie in seinen Wagen gezerrt, ihr in die Brust geschossen, sie vergewaltigt und dann aus dem Auto geworfen hatte. Weil er in seiner Mordserie eine 14-jährige Pause einlegte, nannten ihn amerikanischen Medien den "grauenvollen Schläfer". Die Polizei von Los Angeles machte sich den Namen zu eigen und veröffentlichte die Bilder unter der genannten Überschrift.

Der Chef der Polizei von Los Angeles, Charlie Beck, sagte, die Ermittlungen gegen den Mann hätten nie auch nur "eine Minute lang" geruht. Die Nachbarn des Verdächtigen zeigten sich fassungslos. Sie beschrieben F. als "sehr nett" und "wunderbar". Die jetzt veröffentlichten Fotos zeigen fast alle lächelnde Frauen und haben einen erotischen Charakter, erklärte die Polizei.

Sie wurden unter anderem mit einer Polaroid-Kamera und einer Videokamera aufgenommen. Einige der Fotos stammen von noch nicht entwickelten Filmen. Polizeichef Beck zeigte sich besorgt, dass auf den Fotos weitere Mordopfer abgelichtet sein könnten: "Wir glauben nicht, dass wir das Glück haben - oder gut genug sind - schon alle seine Opfer zu kennen."

cht/AFP



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