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Verdacht in Mainz: Kita nach Berichten über sexuelle Gewalt unter Kindern geschlossen

Über längere Zeit sollen Kinder einer katholischen Kita in Mainz ihre Altersgenossen missbraucht haben. Der Generalvikar spricht von "Perversitäten sexueller Gewalt". Hinweise gab es schon vor Monaten - offenbar ging ihnen keiner nach.

In einer kleinen Mainzer Kita soll es über längere Zeit zu sexuellen Übergriffen unter Kindern gekommen sein, die bei Weitem über alterstypisches Verhalten hinausgehen.

Nun hat das Bistum Mainz die Einrichtung geschlossen. "Wir sind nicht nur angesichts des Ausmaßes und der Vielzahl der Fälle, sondern auch im Hinblick auf jeden Einzelfall tief betroffen", schrieb der Mainzer Generalvikar, Dietmar Giebelmann, den Eltern, die ihre Kinder in der Kindertagesstätte betreuen ließen. Was passiert ist, nennt er "Perversitäten sexueller Gewalt". Er beschreibt Handlungen, die mancher sich nur im Fall harter Pornografie vorstellen kann, sowie üble Gewaltandrohungen.

Laut Michael Huss, Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uni-Klinik Mainz, gingen die Vorfälle weit über das hinaus, was man gemeinhin als Doktorspiele kenne. "Dieses Verhalten ist nicht normal. Auch wenn ich meine Berufsjahre Revue passieren lasse, fällt das eindeutig aus dem Rahmen." Für den Mediziner stellt sich die Frage, ob Kinder bereits Missbrauchserfahrungen gemacht hätten oder ob sie Pornofilme sahen.

Erste Hinweise an die Erzieherinnen und Erzieher gab es nach Worten des Generalvikars bereits vor etwa fünf Monaten - ohne Konsequenzen. Erst am Montag der vergangenen Woche habe aber die Pfarrei, die der Träger der Kita ist, von den sexuellen Übergriffen erfahren. Der Brief einer Mutter sei beim Pfarrer gelandet.

Noch am Abend machte die Pfarrei die Kita vorübergehend dicht. Zwei Tage später trat die Kita-Leitung zurück. Erst am Mittwoch wurden die Vorfälle öffentlich. Auch Kardinal Karl Lehmann sei tief bestürzt, heißt es in dem Brief. In der Kita wurden nach Angaben der Pfarrei zuletzt rund 55 Kinder betreut. Das Bistum will den Eltern helfen, Plätze in anderen katholischen Einrichtungen zu finden.

Die Staatsanwaltschaft Mainz ermittelt wegen möglicher Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflichten. Laut Oberstaatsanwalt Gerd Deutschler könnten je nach dem Verlauf der Ermittlungen weitere Tatbestände wie fahrlässige Körperverletzung in den Fokus rücken. Die Kinder sind wegen ihres Alters davon nicht betroffen. Die Behörde geht von schwierigen Ermittlungen aus, weil sie sich möglicherweise auf eine große Zahl sehr junger Zeugen stützen muss. Die Kita-Leitung hatte sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert.

mia/dpa

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