Sexueller Missbrauch Jury befindet Ex-Footballtrainer für schuldig

Nach Überzeugung einer Jury im US-Bundesstaat Pennsylvania hat Jerry Sandusky über 15 Jahre hinweg zehn Jungen sexuell missbraucht. Dem ehemaligen Footballtrainer an der Penn State University droht nun eine lange Haftstrafe.

Gerichtsgebäude des Bezirks Centre County: Jubel nach Urteil
REUTERS

Gerichtsgebäude des Bezirks Centre County: Jubel nach Urteil


Bellefonte - Wegen Dutzender Fälle sexuellen Missbrauchs ist ein Assistent des einstigen American-Football-Trainers Joe Paterno schuldig gesprochen worden. Die Geschworenen in einem Gericht in Pennsylvania sahen es als erwiesen an, dass der 68-jährige Jerry Sandusky sich über 15 Jahre an zehn Jungen vergangen hatte. Die Juroren befanden Sandusky in 45 von 48 Anklagepunkten für schuldig, ihm droht lebenslange Haft. Das Strafmaß soll in etwa drei Monaten verkündet werden.

Vor dem Gerichtsgebäude des Bezirks Centre County in Pennsylvania brach Jubel aus, als die Entscheidung der Jury bekannt wurde. Eines der Missbrauchsopfer brach in Tränen aus. Der Verurteilte nahm die Entscheidung dagegen äußerlich emotionslos zur Kenntnis.

Am Donnerstag hatte der Fall eine zusätzliche Wendung genommen. Sanduskys Adoptivsohn teilte der Staatsanwaltschaft über einen Anwalt mit, auch er sei sexuell von dem Ex-Trainer missbraucht worden. Der Verurteilte hatte "The Second Mile" gegründet, eine Stiftung für Kinder aus schwierigen Verhältnissen.

Sandusky steht im Zentrum des Missbrauchsskandals, der die Pennsylvania State University, eine der prestigeträchtigsten staatlichen Universitäten der USA, erschüttert hatte. Der 68-Jährige war seit 1969 Trainer an der Penn State, von 1977 bis 1999 verantwortlich für die Defensive von Paternos Team.

Paterno war im Januar im Alter von 85 Jahren an Lungenkrebs gestorben. Ihm war vorgeworfen worden, er habe nicht genug getan, die Vorfälle zu stoppen. Der Skandal hatte Paternos Ruf ruiniert, er wurde in seinem 46. Jahr als Cheftrainer entlassen. Auch Uni-Präsident Graham Spanier musste gehen.

Der Skandal hatte auch deshalb für so großes Aufsehen gesorgt, weil Penn State ein Saubermann-Image mit dem Motto "Erfolg mit Ehre" pflegte. Mehr als 100.000 Zuschauer verfolgen die Football-Heimspiele des Teams, das durch TV-Rechte und Merchandising der Universität jährlich Millionen Dollar einbringt.

ulz/dapd/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.