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05. Februar 2013, 14:36 Uhr

Tod nach Brust-OP

Bewährungsstrafe für Ärztin von "Sexy Cora"

Die wegen des Todes von "Sexy Cora" angeklagte Narkoseärztin muss nicht ins Gefängnis. Das Hamburger Landgericht hat die 56-jährige Medizinerin zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Die Erotikdarstellerin war nach ihrer fünften Brust-OP gestorben.

Hamburg - Im Prozess um den Tod der Erotikdarstellerin "Sexy Cora" nach einer Brustoperation hat das Hamburger Landgericht seine Entscheidung verkündet: Die wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Narkoseärztin wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt.

Damit folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. "Die Angeklagte war in hohem Maße fahrlässig", hatte der Staatsanwalt seine Forderung am Morgen begründet. Er warf der 56-jährigen Medizinerin vor, bei der Operation das Beatmungsgerät falsch bedient und nicht regelmäßig kontrolliert zu haben. Der Nebenklagevertreter forderte in seinem Plädoyer ein lebenslanges Berufsverbot für die Narkoseärztin.

Bei dem Eingriff vor zwei Jahren hatte Carolin Wosnitza, die als "Sexy Cora" bekannt war und zum fünften Mal ihre Brüste vergrößern lassen wollte, einen Herzstillstand erlitten. Die ehemalige "Big-Brother"-Kandidatin war nach mehreren Tagen im Koma am 20. Januar 2011 an einer Hirnlähmung gestorben.

Beim Auftakt des Prozesses hatte die Ärztin die Schuld am Tod der 23-Jährigen auf sich genommen. Sie habe den Herzstillstand zu spät festgestellt, weil das akustische Signal des medizinischen Geräts abgeschaltet gewesen sei. Wer das Signal ausgeschaltet habe, wisse sie nicht. Sie wolle nicht mehr als Narkoseärztin arbeiten und habe einen Rentenantrag gestellt.

Die Nebenklage warf der 56-Jährigen vor, ein Verrutschen der Atemmaske zu spät bemerkt zu haben. "Die Angeklagte hat den Alarmton des Beatmungsgerätes ausgestellt, um vom Piepton nicht gestört zu werden", sagte der Anwalt, der den Ehemann der Verstorbenen vertritt. Er sprach von "Horrorzuständen" in der Klinik, die aus Profitgier nötiges Personal einspare. Patienten würden "systematisch gefährdet".

siu/dpa

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