Tod in Hamburger Klinik Witwer von "Sexy Cora" bekommt hohen Schadensersatz

Pornostar "Sexy Cora" starb während einer Brust-OP. Ihr Witwer verklagte die Klinik. Nun bekommt er hohen Schadensersatz - für entgangene Einnahmen.

Kläger Tim Wosnitza (Archiv)
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Kläger Tim Wosnitza (Archiv)


Ihr Körper war sein Gewinn. Tim Wosnitza filmte seine Frau Carolin "Sexy Cora" Wosnitza beim Sex mit anderen Männern, die Pornos brachten viel Geld ein. Mehr als fünf Jahre nach dem Tod der Darstellerin bei einer Schönheitsoperation ist nun eine Hamburger Klinik zu einer hohen Schadensersatzzahlung verurteilt worden.

Tim Wosnitza hatte geklagt, weil ihm durch den Tod seiner Frau Einnahmen entgangen seien. Wie eine Zivilkammer am Landgericht verkündete, müssen die Klinik und die Narkoseärztin dem Witwer eine Summe zwischen 140.000 und 824.000 Euro zahlen.

In dem Betrag sind Unterhaltszahlungen, Schmerzensgeld, Behandlungs- und Beerdigungskosten enthalten. Für die Jahre von 2013 bis 2022 soll der Witwer eine monatliche Zahlung erhalten. Auf diesen Betrag werden eigene Einkünfte des Klägers angerechnet, darum schwankt die mögliche Gesamtsumme sehr stark.

Bei der Berechnung der Tim Wosnitza zustehenden monatlichen Geldrente ging die Zivilkammer davon aus, dass seine Frau noch bis Mitte 30 als Pornodarstellerin hätte arbeiten können. Wosnitza hatte geltend gemacht, sie hätte bis zum Alter von über 60 Jahren auf diese Weise Geld verdienen können.

"Neue Gesichter, neue Körper"

Die Kammer schätzte die Chance, im Pornogewerbe mit über 30 arbeiten zu können, als gering ein. "Das ist eine Branche, die vom Wandel lebt. Ich kanns verkürzen: neue Gesichter, neue Körper", sagte der Richter. Nur in seltenen Ausnahmen könnten Darstellerinnen später hinter der Kamera arbeiten.

"Sexy Cora" auf der Erotikmesse "Venus" (2009)
imago/ SMID

"Sexy Cora" auf der Erotikmesse "Venus" (2009)

Das Gericht setzte für die Jahre 2011 und 2012 eine Entschädigung von 75.400 Euro fest. Für die Zeit vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Dezember 2022 - Carolin Wosnitza wäre dann 35 Jahre alt gewesen - habe der Witwer einen Anspruch auf monatlich 5733 Euro. Darauf sei aber sein eigenes Einkommen zum Teil anzurechnen.

Carolin Wosnitza hatte sich im Januar 2011 zum fünften Mal die Brüste vergrößern lassen wollen. Während der OP erlitt die 23-Jährige durch Sauerstoffmangel schwerste Hirnschäden, an denen sie wenige Tage später starb.

Mögliches Wiedersehen vor Gericht

Das Landgericht hatte die an der Operation beteiligte Narkoseärztin 2013 wegen fahrlässiger Tötung zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die Zivilkammer kam nun in ihrer Beweiserhebung ebenfalls zu dem Ergebnis, dass der Anästhesistin gravierende Fehler unterlaufen seien.

Das nun gefällte Urteil über den Schadensersatz ist noch nicht rechtskräftig. Die Summe ist dennoch beachtlich. Warum Tim Wosnitza noch arbeiten gehen sollte, fragte der Richter selbst und antwortete: "Sollte er dies nicht tun, wird man ihm das um die Ohren hauen." Ein solches Verhalten wäre "treuwidrig".

cnn/dpa



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