Spruch über dreckigen Nil Gericht verurteilt ägyptische Sängerin zu Haftstrafe

Auf einem Konzert hat sich die ägyptische Sängerin Sherine über die Wasserqualität des Nils ausgelassen. Dafür droht ihr nun eine Gefängnisstrafe.

Sängerin Sherine (Archiv)
AFP

Sängerin Sherine (Archiv)


Wegen einer sarkastischen Äußerung über die Wasserqualität des Nils ist die bekannte ägyptische Sängerin Sherine zu sechs Monaten Haft verurteilt worden. Sie habe "falsche Nachrichten" verbreitet und die "öffentliche Ordnung gestört", erklärte ein Gericht in Kairo am Dienstag. Die 37-Jährige legte Berufung ein und bleibt vorerst frei.

Die Pop-Diva, die mit bürgerlichem Namen Sherine Abdel Wahab heißt, gehört zu den bekanntesten Sängerinnen in Ägypten. Sie arbeitet auch als Schauspielerin und war Jurorin in der arabischen Ausgabe der Castingshow "The Voice".

Bei einem Konzert in den Vereinigen Arabischen Emiraten vor einigen Monaten hatte ein Fan die Sängerin gefragt, ob sie einen Song singen würde, der sich mit "Hast du vom Nil getrunken" übersetzen lässt. Sherine verneinte. "Du würdest dir Bilharziose einfangen", scherzte sie. "Trink lieber Evian." Bilharziose ist eine tropische Infektionskrankheit, die durch Parasiten in verunreinigtem Süßwasser übertragen wird. Der Kommentar löste in Ägypten Empörung aus, die Sängerin entschuldigte sich später.

Urteile gegen Sängerinnen wegen freizügigen Musikvideos

Am Mittwoch ist die ägyptische Sängerin Laila Amir wegen eines freizügigen Musikvideos zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Amir in dem Clip unangemessene sexuelle Anspielungen mache, berichtete die staatliche Zeitung "Al-Ahram". Der Regisseur sei zu sechs Monaten Gefängnis, ein männlicher Schauspieler in dem Video zu drei Monaten verurteilt worden. Gegen die Urteile kann Berufung eingelegt werden.

Das Video "Boss Ommak" ("Schau deine Mutter an") war im Dezember veröffentlicht worden und hatte in einigen ägyptischen Medien Empörung ausgelöst. In dem Clip tanzt die Sängerin in einigen Szenen knapp bekleidet, während ihr ein Mann zuschaut. Der Titel reimt sich zudem auf eine in Ägypten bekannte Beleidigung.

In einem ähnlichen Fall wegen eines Videos mit sexuellen Anspielungen hatte ein ägyptisches Gericht die Freiheitsstrafe der Sängerin Shima im Januar auf ein Jahr verkürzt.

hut/dpa/AFP



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