Prozess um tödliche Hunde-Attacke Besitzer entschuldigen sich bei Angehörigen

Ein Hund verletzte im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg eine Frau tödlich. Nun hat der Prozess gegen die Besitzer des Tieres begonnen.

Die Besitzer des Hundes im Gerichtssaal des Amtsgerichts
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Die Besitzer des Hundes im Gerichtssaal des Amtsgerichts


Nach einer tödlichen Hunde-Attacke auf eine Seniorin im baden-württembergischen Stetten müssen sich die Besitzer nun vor Gericht verantworten. Die beiden Angeklagten entschuldigten sich am ersten Prozesstag bei den Angehörigen des Opfers. Über ihre Verteidiger ließen sie ausrichten, sie bedauerten den Vorfall zutiefst. "Meine Mandantin hätte es nie für möglich gehalten, dass der Hund derart aggressiv und gefährlich ist", sagte der Anwalt.

Der Ehemann der getöteten 72-Jährigen tritt in dem Prozess am Amtsgericht Sigmaringen als Nebenkläger auf. Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Ehepaar fahrlässige Tötung vor.

Am 30. Mai 2017 wurde die Seniorin auf einem Fußweg von dem Hund angegriffen und mehrfach in Kopf und Hals gebissen. Eine Zeugin alarmierte den Notarzt, konnte sich jedoch erst um die Verletzte kümmern, als der Hund von ihr abgelassen hatte. Das Tier wurde daraufhin von der Polizei erschossen, für das Opfer kam die Hilfe zu spät.

In Baden-Württemberg nehmen strafrechtlich relevante Vorfälle mit Hunden offenbar zu. Laut Landeskriminalamt in Stuttgart wurden 2017 1433 Menschen von Hunden verletzt. Das entspricht einem Anstieg um 20 Prozent gegenüber dem Wert von 2013. Bundesweit werden die Vorfälle mit Hunden nach Angaben einer Sprecherin des Bundeskriminalamtes allerdings nicht erfasst.

Die Landestierschutzbeauftragte Julia Stubenbord forderte strengere Vorgaben. "Wir brauchen einen verpflichtenden Sachkundenachweis für Hundehalter", sagte sie der "Heilbronner Stimme".

Ob manche Hunderassen grundsätzlich aggressiver sind als andere, ist umstritten. "Man kann jeden Hund gefährlich machen, das ist das Problem", sagt Hansjoachim Hackbarth, Leiter des Instituts für Tierschutz und Verhalten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Aggressives Verhalten habe immer etwas mit den Erfahrungen des einzelnen Hundes zu tun, nicht mit seiner Rasse. Allerdings hätten große Hunde mehr Kraft und seien daher potenziell gefährlicher als kleine Tiere.

eaz/dpa



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