Silvester am Hauptbahnhof Kölner Polizei kontrolliert Hunderte Männer

Die Kölner Polizei wollte Schlagzeilen wie vor einem Jahr am Hauptbahnhof unbedingt vermeiden. In der Silvesternacht kontrollierten die Beamten vorsorglich Hunderte Männer, die "augenscheinlich aus Afrika stammen".


Mehrere Hundert Leute sind in der Silvesternacht in Köln überprüft worden. "Am Hauptbahnhof haben wir mehrere Hundert Personen, die augenscheinlich aus Afrika stammen, festgestellt. Diese werden nun auf dem Breslauer Platz kontrolliert. Ihre Identität wird festgestellt und dabei auch der ausländerrechtliche Status überprüft", schrieb die Kölner Polizei in der Nacht in den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook.

Weitere 300 Personen sollen am Deutzer Bahnhof aus einem Zug geholt und überprüft worden sein. "Sie werden von uns befragt, und wir werden ihre Identität feststellen. Es wird keiner zu früh gehen", sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies am frühen Neujahrsmorgen. Er habe kurzfristig zwei zusätzliche Hundertschaften zur Verstärkung angefordert. Auf Twitter benutzte die Polizei das Wort "Nafris", um die kontrollierten Männer zu beschreiben. Das steht im Behördensprech für "Nordafrikaner".

Ein Jahr nach den massiven sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht hatte Köln unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen ins neue Jahr gefeiert. Zugleich stand die Stadt unter besonderem Augenmerk aus aller Welt. "Die umfangreiche Vorbereitung war richtig und notwendig", sagte Mathies.

Allein in der Kölner Innenstadt waren rund 1500 Beamte eingesetzt, die vermehrt Personalien kontrollierten. Eine erste Zwischenbilanz von Polizei und Stadt in der Nacht fiel verhalten positiv aus. Um 15 Uhr will die Polizei eine Pressekonferenz geben und Details aus der Nacht bekannt geben.

In der Silvesternacht vor einem Jahr hatte es rund um den Hauptbahnhof massenhaft sexuelle Übergriffe auf Frauen gegeben. Zeugen beschrieben die Täter als "nordafrikanisch oder arabisch aussehend". Viele der Beschuldigten waren Flüchtlinge.

Am frühen Neujahrsmorgen 2017 berichtete die Polizei von zwei gemeldeten Sexualstraftaten, bei denen Frauen angefasst und begrapscht worden seien. Ein Verdächtiger sei festgenommen worden, in dem anderen Fall seien die drei Täter noch flüchtig.

Nach den Geschehnissen vor einem Jahr hatten Stadt und Polizei bei der Sicherheit stark aufgerüstet. Die Domplatte war mit Absperrgittern gesichert, es gab Einlasskontrollen, weil dort Feuerwerk verboten war. Neu installierte hochauflösende Videokameras übertrugen Bilder vom Vorplatz des Hauptbahnhofs live ins Polizeipräsidium. Zudem gab es mehrere Straßensperren. Nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt wurden unter anderem Betonklötze aufgestellt, um zu verhindern, dass Lastwagen in Menschenmengen fahren können.

Auf der Kölner Domplatte inszenierte der Berliner Lichtkünstler Philipp Geist eine Multimediashow, die sich nach Angaben eines Stadtsprechers bis zu 50 000 Menschen ansahen. Dabei wurden Wörter auf den Boden und an Häuser projiziert, die die Kölner in den Tagen zuvor vorgeschlagen hatten - etwa "Anstand" und "Erinnerung". Der Boden unter den Füßen driftete langsam weg, so die Illusion. Aus Lautsprechern tönten sphärische Klänge.

Kardinal Rainer Maria Woelki äußerte sich zuversichtlich, dass von Köln in dieser Silvesternacht eine friedliche Botschaft ausgehen werde. Die Wörter der Lichtinstallation zeigten: "Köln ist eine Stadt, die für Mitmenschlichkeit und Geschwisterlichkeit steht."

Zuvor hatte Woelki in seiner Jahresabschlusspredigt im Dom die vergangene Silvesternacht als "Katastrophe" bezeichnet. Zeitgleich zum Silvestergottesdienst seien damals Hunderte Frauen einer Bedrohung ausgesetzt gewesen, "die so und in dem Ausmaß bislang nicht vorstellbar war".

Auch andere Städte hatten besondere Vorkehrungen für Silvester getroffen - einen Überblick finden Sie hier.

yes/dpa

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