Silvesteraufstand in Sussex Britische Häftlinge zünden Gefängnis an

In West-Sussex haben rund 40 Häftlinge in der Silvesternacht einen Aufstand angezettelt. Sie warfen Fenster ein, legten Brände. Das Gefängnis war schon früher durch laxe Sicherheitsvorkehrungen, Personalmangel und Drogenschmuggel in die Schlagzeilen geraten.

Feuer im Gefängnis Ford in West-Sussex: Rund 40 Häftlinge machten Krawall
REUTERS

Feuer im Gefängnis Ford in West-Sussex: Rund 40 Häftlinge machten Krawall


Hamburg - Am Neujahrsmorgen stieg immer noch Rauch auf: In der offenen Vollzugsanstalt Ford im britischen West-Sussex kam es in der Nacht zu einem Aufstand. Wie die "Times" berichtet, schmissen rund 40 Häftlinge gegen Mitternacht Scheiben ein, lösten Feueralarm aus und legten in mehreren Gebäuden Brände. Sie wollten sich damit offenbar einem Alkoholtest entziehen.

Wärter hätten sich aus einem Trakt der Haftanstalt zurückziehen müssen. Sondereinheiten brachten die Situation aber unter Kontrolle. Auch die Feuerwehr sei im Einsatz gewesen. Zunächst lagen keine Berichte über Verletzte vor. Am Samstagmorgen patrouillierten Einsatzkräfte mit Hunden um das Gefängnis. 140 zusätzliche Kräfte seien mittlerweile im Einsatz, sagte ein Sprecher am Samstagmittag.

Offenbar war in dem Gefängnis ein Streit um Alkoholtests eskaliert. Wie ein Sprecher der Gefängniswärter-Gewerkschaft der "Times" sagte, wollten Wärter mehrere Insassen zu Atemtests zwingen. Seit Tagen seien sie deshalb Insassen hinterhergerannt. Kurz nach Mitternacht sei es dann zu Ausschreitungen gekommen.

In den vergangenen Tagen seien mehr als 40 leere Alkoholflaschen gefunden worden. Wie der Sprecher sagte, bereite der Alkoholkonsum in dem Gefängnis den Aufsehern schon längere Zeit Sorgen. Zum Zeitpunkt des Übergriffs hätten zwei Beamte und vier Mitarbeiter Dienst gehabt. Sie waren für die Aufsicht der rund 200 Gefangenen verantwortlich.

In dem Gefängnis der "Kategorie D" sitzen nur Männer ein, die eine erstmalige Haftstrafe von zwei Jahren oder weniger verbüßen müssen und deren Haftstrafe sich dem Ende nähert. Gewalttätige Häftlinge werden nicht aufgenommen. Die Insassen dürfen tagsüber in der Umgebung einer Arbeit nachgehen, verbringen die Nächte aber hinter Gittern.

Der Sprecher der Gewerkschaft kritisierte, dass die Regierung zunehmend Häftlinge in offene Vollzugsanstalten einweise, die eigentlich in geschlossene Anstalten gehörten. Dies geschehe, weil die Regierung aus Kostengründen die Zahl der Haftanstalten reduzieren wolle. Deshalb würden offene Vollzugsanstalten mehr Personal benötigen, als ihnen zugeteilt sei.

In der Vergangenheit wurde das HMP Ford (Her Majesty's Prison Service) nach einem Bericht des "Guardian" für all zu laxe Sicherheitsvorkehrungen kritisiert. Ein veraltetes Kamera-Überwachungssystem und Personalmangel hätten Einbrüche in die Haftanstalt ermöglicht. Das hätten unabhängige Beobachter in einem Bericht 2009 festgestellt. Außerdem sei kritisiert worden, dass Drogen, Alkohol und Mobiltelefone in die Anstalt geschmuggelt worden waren.

ore

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Seite 1
dango 01.01.2011
1. Einbrecher
"Einbrüche in die Haftanstalt" - das dürfte vermutlich ein sehr exklusives Problem dieser Einrichtung sein... :-)
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