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"Sirius Star"-Freigabe: Piraten kentern mit Lösegeld - und ertrinken

Die "Sirius Star" ist frei - und fünf der Piraten, die den Supertanker zwei Monate lang gekapert hatten, sind tot. Die Männer kenterten im Sturm vor der Küste Somalias. Mit ihnen ging ihr Anteil an den gezahlten drei Millionen Dollar Lösegeld unter.

Mogadischu - Am Freitag verließen die Piraten das Schiff: "Alle unsere Leute haben die 'Sirius Star' jetzt verlassen", hat ihr Anführer Mohammed Said telefonisch einer Nachrichtenagentur berichtet. Für die Freilassung des Supertankers des saudi-arabischen Ölriesen Aramco wurden Berichten zufolge drei Millionen Dollar (2,2 Millionen Euro) Lösegeld gezahlt, das unter Dutzenden Seeräubern aufgeteilt wurde.

Doch fünf der somalischen Kriminellen konnten sich ihrer Beute nicht lange erfreuen - sie ertranken nach der Freigabe des Tankers im Indischen Ozean. Ein Boot mit insgesamt acht Piraten sei im Sturm gekentert, berichtete der Seeräuber Daud Nure. Drei von ihnen hätten das Ufer nach mehreren Stunden schwimmend erreicht. Nure gehört selbst nicht zu den Piraten, die die "Sirius Star" vor knapp zwei Monaten entführten, kennt aber die Beteiligten. Auch ein Bewohner der Küstenstadt Haradere bestätigte, dass das Boot mit den acht Piraten gesunken sei. Ihr Anteil an der Beute sei mit untergegangen.

Der Öltanker war am 15. November mit zwei Millionen Barrel Rohöl an Bord überfallen worden. Die Entführung des 330 Meter langen Schiffs hatte besonderes Aufsehen erregt, weil es nach Angaben der US-Marine das größte jemals gekaperte Schiff war. Am Samstag bestätigte der Eigner der "Sirius Star" die Freilassung: "Wir sind sehr erleichtert, dass alle Besatzungsmitglieder wohlbehalten sind", erklärte der Chef von Vela International Marine Ltd., Saleh Kaaki, auf der Homepage des Unternehmens mit Sitz in Dubai.

Während der knapp zweimonatigen Geiselnahme sei das "einzige Ziel" des Unternehmens gewesen, die Freilassung der Crew zu erreichen, fügte Kaaki hinzu. Zur Zahlung eines Lösegeldes wollte sich das Unternehmen nicht äußern. "Diese Art von Informationen kann ich nicht kommentieren", sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Zur Besatzung zählen Seeleute aus Großbritannien, Kroatien, Saudi-Arabien, den Philippinen und Polen.

Auch die "Delight" ist wieder frei

Am Freitag wurde ebenfalls ein vor Somalia entführter iranischer Frachter freigegeben. Die Piraten hätten die unter der Flagge von Hongkong fahrende "Delight" am Abend ziehen lassen, teilte die Reederei IRISL am Samstag nach Angaben des staatlichen iranischen Rundfunks mit. Alle 25 Besatzungsmitglieder seien freigelassen worden und wohlauf.

In dem Bericht wurde nicht mitgeteilt, ob ein Lösegeld gezahlt wurde. Das Schiff war mit 36.000 Tonnen Weizen auf dem Weg zu dem iranischen Hafen Bandar Abbas gewesen, als Piraten es am 18. November kaperten. Im Oktober hatte der Iran für ein iranisches Handelsschiff ein Lösegeld gezahlt, das Wochen zuvor vor der Küste Somalias entführt worden war.

Die Piratenüberfälle sind inzwischen das einträglichste Geschäft in Somalia, das seit Jahrzehnten keine stabile Regierung mehr hat. Im vergangenen Jahr griffen somalische Piraten mehr als hundert Schiffe an und erpressten Berichten zufolge rund 120 Millionen Dollar (88 Millionen Euro) Lösegeld.

abl/AFP/AP

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