Mordversuch für Slenderman Zwölfjährigen drohen 65 Jahre Haft

Um der Horrorlegende Slenderman zu gefallen, sollen zwei Zwölfjährige eine Freundin niedergestochen haben. Das Opfer überlebte schwer verletzt. Jetzt entschieden US-Richter, dass für die Mädchen kein Jugendstrafrecht gilt.

AP

Die beschuldigten Mädchen waren erst zwölf Jahre alt, als sie ihren Mordversuch planten. 19-mal stachen sie auf ihre Freundin ein. Doch ihr junges Alter wird sie nicht schützen, wenn sie vom Gericht in Waukesha County im US-Bundesstaat Wisconsin wegen Mordversuchs belangt werden. Sie würden dort wie Erwachsene behandelt, berichtet die "New York Times". Ihnen drohen bis zu 65 Jahre Haft.

Die Rechtsprechung in Wisconsin sieht vor, dass Kinder ab zehn Jahren in besonders schwerwiegenden Fällen als voll strafmündig anzusehen sind. Der Richter hatte seine Entscheidung nach mehr als einem Monat Bedenkzeit verkündet.

Der Mordversuch begann mit einer Übernachtungsparty: Die Mädchen hatten über Monate hinweg geplant, ihre Freundin zu ermorden und luden sie zu einer Pyjamaparty ein. Sie lockten das Opfer nach Polizeiangaben in einen Wald, brachten sie zu Boden und stachen 19-mal mit einem Küchenmesser auf sie ein. Dann ließen sie die Verletzte im Wald liegen. Das Mädchen konnte schwer verwundet zur Straße robben, dort wurde sie entdeckt und in eine Klinik gebracht.

Nur Stunden später wurden die beiden mutmaßlichen Täterinnen festgenommen. Als Tatmotiv machten die Polizisten ein Internetphänomen aus: den Slenderman. Den Ermittlern zufolge hatten die Mädchen auf der Webseite creepypasta.wikia.com von der fiktiven Horrorfigur gelesen, um die viele unterschiedliche Mythen gesponnen werden. Sie hätten mit der Tat dem Slenderman gefallen wollen, sagte eines der Mädchen bei der Polizei aus. Bei ihrer Verhaftung seien sie auf dem Weg in den Wald gewesen, wo sie in einer geheimen Hütte mit dem Slenderman hätten leben wollen.

Die Verteidigung der Mädchen argumentiert, dass sich diese vom Slenderman bedroht gefühlt und Angst um ihre Familien gehabt hätten. Die Anklage aber attestierte der Tat ein hohes Maß an Planung. Im Falle einer Verurteilung können die Mädchen aber noch Berufung einlegen, die wiederum vor einem Jugendstrafgericht verhandelt werden könnte. Laut Jugendstrafrecht blieben die Teenager dann höchstens bis zu ihrem 25. Lebensjahr im Gefängnis.



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insgesamt 187 Beiträge
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Seite 1
Immanuel_Goldstein 14.03.2015
1.
Wenn 12jährige Kinder dem "slenderman" gefallen wollen, also einer virtuellen Kinderfigur, dann dürften sie sich wohl kaum nahe am Erwachsensein befinden. Insofern ist die Entscheidung des Richters unsinnig. 12jährige sind in keiner Weise erwachsen und der Richter ist wohl amtsunfähig. Klar, hier geht es wieder um alttestamentarische Rache, aber nicht um Rechtsfindung.
quark@mailinator.com 14.03.2015
2. Hmmm
Zitat von Immanuel_GoldsteinWenn 12jährige Kinder dem "slenderman" gefallen wollen, also einer virtuellen Kinderfigur, dann dürften sie sich wohl kaum nahe am Erwachsensein befinden. Insofern ist die Entscheidung des Richters unsinnig. 12jährige sind in keiner Weise erwachsen und der Richter ist wohl amtsunfähig. Klar, hier geht es wieder um alttestamentarische Rache, aber nicht um Rechtsfindung.
Einerseits ... und andererseits. Ich finde es auch nicht richtig, daß nach deutschem Recht Kinder z.B. ihre Eltern oder Mitschüler mehr oder weniger bedenkenlos töten oder schwer verletzen könnten - in jungen Jahren ganz ohne Strafe und später mit maximal 10 Jahren und als Ersttäter ist man ggf. nach 6..7 Jahren draußen. Gar nicht zu reden von Dingen wie vielfacher vorsätzlicher schwerer Körperverletzung, Raub, etc. In mancher Hinsicht denken Kinder "alttestamentarisch" und bewerten mögliche Folgen dementsprechend. Was nicht weh tut, hat oft auch keine Autorität. Wohlgemerkt, ich bin kein Sadist und mir ist auch klar, daß Kinder in der Entwicklung sind. Aber vorsätzliche schwere Taten sollten auch heftige Strafen haben - meine persönliche Meinung.
kascnik 14.03.2015
3. Die einzig
Zitat von Immanuel_GoldsteinWenn 12jährige Kinder dem "slenderman" gefallen wollen, also einer virtuellen Kinderfigur, dann dürften sie sich wohl kaum nahe am Erwachsensein befinden. Insofern ist die Entscheidung des Richters unsinnig. 12jährige sind in keiner Weise erwachsen und der Richter ist wohl amtsunfähig. Klar, hier geht es wieder um alttestamentarische Rache, aber nicht um Rechtsfindung.
richtige "Bestrafung" wäre meines erachtens eine Vollzeittherapie bis zum 21.Lebensjahr sowie währenddessen und danach eine aktive Auseinandersetzung mit der Tat und den Folgen für die betroffene Familie. Umso älter die Kinder werden, umso mehr werden sie begreifen was sie getan haben. Diese Begrifflichkeit und die Schuld ist meines Erachtens grausamer als jede Gefängnisstrafe je sein kann, bietet aber dennoch die Möglichkeit, als Erwachsener einiges besser zu machen, seinem Leben einen Sinn zu geben und als "Ausgleich" zu versuchen, einigs gutes zu bewirken, anstatt die beiden im Gefängnis verrotten zu lassen. Aber Sie haben das Rechtssystem der USA leider sehr gut erkannt. Bin gespannt, ob das in Europa bald auch so kommt (Freihandelsabkommen).
Mach999 14.03.2015
4.
Zitat von Immanuel_GoldsteinWenn 12jährige Kinder dem "slenderman" gefallen wollen, also einer virtuellen Kinderfigur, dann dürften sie sich wohl kaum nahe am Erwachsensein befinden. Insofern ist die Entscheidung des Richters unsinnig. 12jährige sind in keiner Weise erwachsen und der Richter ist wohl amtsunfähig. Klar, hier geht es wieder um alttestamentarische Rache, aber nicht um Rechtsfindung.
Genau dasselbe dachte ich mir auch. Das ist schlicht hirnrissig. Das Motiv deutet so stark darauf hin, dass die beiden unterdurchschnittlich reif für 12-Jährige sind. Wie kommt man dann darauf, dass sie die Reife eines Erwachsenen hätten?
kascnik 14.03.2015
5. Nr.1:Die einzig
richtige "Bestrafung" wäre meines erachtens eine Vollzeittherapie bis zum 21.Lebensjahr sowie währenddessen und danach eine aktive Auseinandersetzung mit der Tat und den Folgen für die betroffene Familie. Umso älter die Kinder werden, umso mehr werden sie begreifen was sie getan haben. Dieses Begreifen und die Schuld zu erkennen ist meines Erachtens grausamer als jede Gefängnisstrafe je sein kann, bietet aber dennoch die Möglichkeit, als Erwachsener einiges besser zu machen, seinem Leben einen Sinn zu geben und als "Ausgleich" zu versuchen, einigs gutes zu bewirken, anstatt die beiden im Gefängnis verrotten zu lassen. Aber Sie haben das Rechtssystem der USA leider sehr gut erkannt. Bin gespannt, ob das in Europa bald auch so kommt (Freihandelsabkommen).
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