Nach Mordversuch wegen Slenderman Mit Herzen heilen

Um der fiktiven Gruselfigur Slenderman zu gefallen, sollen zwei Zwölfjährige eine Freundin niedergestochen haben. Das Opfer überlebte schwer verletzt. Nun bekommt es dank einer Facebook-Aktion Unterstützung aus der ganzen Welt.

AP/dpa

Hamburg/Waukesha - Lilafarbene Herzen überall: Eine Zwölfjährige sitzt inmitten von selbstgebastelten Karten, sie selbst hält eine mit den Worten "Thank you" in der Hand, ihr Gesicht möchte sie nicht zeigen. Die Herzen haben ihr Fremde geschickt, die von ihrem Fall gehört haben, über den Hashtag #HeartsForHealing rufen die Eltern des Mädchens zu der Aktion auf. Vor wenigen Wochen war ihre Tochter fast erstochen worden, die Hintergründe der Tat hatten weltweit für Aufsehen gesorgt.

Für das Opfer begann alles mit einer Übernachtungsparty. Ihre beiden Freundinnen, zwei ebenfalls zwölfjährige Schülerinnen, sollen über Monate hinweg geplant haben, das Mädchen in dieser Nacht zu ermorden. Sie lockten das Opfer nach Polizeiangaben in einen Wald, brachten sie zu Boden und stachen 19-mal mit einem Küchenmesser auf sie ein. Dann ließen sie die Verletzte im Wald liegen. Das Mädchen konnte schwer verwundet zur Straße robben, dort wurde sie entdeckt und in eine Klinik gebracht.

Nur Stunden später wurden die beiden mutmaßlichen Täterinnen festgenommen. Als Tatmotiv machten die Polizisten ein Internetphänomen aus: den Slenderman. Den Ermittlern zufolge hatten die Mädchen auf der Webseite creepypasta.wikia.com von der fiktiven Horrorfigur gelesen, um die viele unterschiedliche Mythen gesponnen werden. Sie hätten mit der Tat dem Slenderman gefallen wollen, sagte eines der Mädchen bei der Polizei aus. Sie hätten so seine Gehilfen werden und mit ihm in seiner abgelegenen Unterkunft wohnen wollen.

Jeden Tag Fortschritte

Nun will auch ein Gericht in Wisconsin die Hintergründe des Falles erfahren. Dort sollen die beiden Schülerinnen am Mittwoch angehört werden. Dem "Milwaukee Journal Sentinel" zufolge wollen die Verteidiger der beiden aber prüfen, ob die Mädchen die Aussage verweigern können, um sich nicht selbst zu belasten. Ihnen wird versuchter Mord vorgeworfen. Die Juristen wollen demnach, dass der Fall vor einem Jugendgericht verhandelt wird.

Die Staatsanwaltschaft habe ihre volle Unterstützung bei der Untersuchung der Hintergründe, schrieb nun die Familie des Opfers in einem Statement,aus dem "people.com" zitiert. "Unsere Tochter und ihre Familie konzentriert sich nun auf ihre körperliche und seelische Genesung." Das Mädchen mache jeden Tag Fortschritte, auch dank der Unterstützung, die sie dank der lilafarbenen Herzen erfahre. Viele davon hängen nun im Schlafzimmer des Mädchens.

vks

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dr.joe.66 03.07.2014
1. zwölf ?
Auweia, was ist denn da schief gelaufen? Die beiden Mädchen sind 12, und denen ist nicht klar was sie dort anrichten? Das ist krank, und zwar im Wortsinne. Die Tat ist über Monate geplant und dann ausgeführt worden, um einem virtuellen "Spinner" zu gefallen? Ich denke, da müssen die Familien der Täterinnen wohl einiges aufarbeiten. Dem Opfer wird hoffentlich alle notwendige Hilfe zukommen, die sie braucht, um zunächst körperlich und dann aber vor Allem seelisch heilen zu können. Dabei wünsche ich ihr viel Kraft! Zwölf? Ich bin immer noch fassungslos...
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