Mordversuch wegen Slenderman US-Gericht schickt 15-Jährige in geschlossene Anstalt

40 Jahre in die Psychiatrie: So lautet das Urteil für eine Jugendliche, die versucht hat, eine Mitschülerin umzubringen. Als Motiv gaben das Mädchen und ihre Komplizin Angst vor dem Slenderman an.

Eine der Angeklagten vor Gericht (Archiv)
AP

Eine der Angeklagten vor Gericht (Archiv)


Wegen eines bizarren Mordversuchs muss eine 15-Jährige in den USA für 40 Jahre in eine geschlossene psychiatrische Anstalt. Die damals zwölfjährige Morgan G. hatte 2014 zusammen mit einer Freundin 19 Mal auf eine Mitschülerin eingestochen, weil sie sich durch den Slenderman, eine düstere fiktive Internetfigur, zu der Bluttat aufgefordert fühlte.

Als Tatmotiv hatten die beiden Mädchen Wahnvorstellungen und Angst vor dem Slenderman angegeben: Er habe ihren Familien etwas antun wollen, wenn sie den Mordauftrag nicht ausgeführt hätten. Das Opfer hatte die Messerattacke in einem Waldgebiet in einem Vorort von Milwaukee verletzt überlebt.

Die beiden Mädchen gestanden die Tat und plädierten auf Unzurechnungsfähigkeit. Das Gericht stufte sie beide als schuldunfähig ein. G. wurde nun für 40 Jahre in eine psychiatrische Klinik für Erwachsene eingewiesen. Ihre Anwälte hatten dagegen eine Unterbringung in einer Einrichtung für Jugendliche gefordert.

Täterin zeigt Reue

Der Fall hatte in den USA großes Aufsehen erregt. In einem Dokumentarfilm von 2016 mit dem Titel "Vorsicht vor dem Slenderman" wurde auch das Verhör der beiden Mädchen gezeigt, in denen sie die Messerattacke einräumten.

G.s gleichaltrige Freundin war bereits im Dezember verurteilt worden, aber nur für 25 Jahre in die Psychiatrie eingewiesen worden. In einer Vereinbarung mit dem Gericht hatten ihre Anwälte eine geringere Strafe ausgehandelt.

Vor der Urteilsverkündung zeigte sich G. reuig: "Es tut mir leid. Ich wollte nie, dass so etwas passiert. Ich hoffe, dass es ihr gut geht", sagte sie unter Tränen über das Opfer der Attacke.

brt/AFP



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Seite 1
quark2@mailinator.com 02.02.2018
1.
Ich komm nicht mit. Entweder die Tat geschah wegen geistiger Störungen, was nach meinem Verständnis Schuldunfähigkeit nach sich zieht und dann müßte die Einweisung in die Psychiatrie nicht auf 40 Jahre sondern bis zur hinreichenden Heilung erfolgen ... Oder die Tat hatte letztlich keine derartige Ursache, was dann mit normaler Haft zu bestrafen wäre. Wir kann man das kombinieren ?
Gerdd 02.02.2018
2. Doch ...
... ich kann das nachvollziehen. Eine vorzeitige Entlassung nach Wegfall des Therapiegrundes wäre immer noch möglich. Aber es braucht wesentlich mehr um das zweifelsfrei zu belegen, als wenn man das schwammiger formulieren würde. Sie kennen sicher auch das Phänomen, daß Sexualtäter immer genau bis zur Entlassung geheilt sind und dann einen mysteriösen unerklärlichen Rückfall erleiden. Oder: Da gab es mal in Südafrika einen gewidsen Shabir Sheik, der für Korruption zu 15 Jahren verurteilt wurde und dann nach gut einem Jahr aus gesundheitliche Gründen freigelassen wurde. Was soll ich sagen, anstatt innerhalb eines Jahres zu sterben, wie erwartet, spielt er heute noch, 10 Jahre später, sehr viel Golf. Ich bin übrigens auch der Meinung, daß man die "Raser von Berlin" wegen totaler Unzurechnungsfähigkeit freisprechen sollte und sie dann folgerichtig für den gesamten Rest ihres Lebens in die Geschlossene einweisen sollte - keine Bewährung nach 15 Jahren.
Mach999 02.02.2018
3.
Zitat von quark2@mailinator.comIch komm nicht mit. Entweder die Tat geschah wegen geistiger Störungen, was nach meinem Verständnis Schuldunfähigkeit nach sich zieht und dann müßte die Einweisung in die Psychiatrie nicht auf 40 Jahre sondern bis zur hinreichenden Heilung erfolgen ... Oder die Tat hatte letztlich keine derartige Ursache, was dann mit normaler Haft zu bestrafen wäre. Wir kann man das kombinieren ?
Geht mir genauso. Und ich frage mich auch, was in 40 Jahren eine dann 55-Jährige noch mit der 12-Jährigen zu tun hat. Und statt in eine Jugendanstalt geht's jetzt zu den Erwachsenen. Mit welcher Begründung? Dass sie zum Zeitpunkt der Tat definitiv noch unreif war, erkennt man ja schon am Tatmotiv. Dieses Urteil ist wirklich Banane.
Mach999 02.02.2018
4.
Zitat von Gerdd... ich kann das nachvollziehen. Eine vorzeitige Entlassung nach Wegfall des Therapiegrundes wäre immer noch möglich. Aber es braucht wesentlich mehr um das zweifelsfrei zu belegen, als wenn man das schwammiger formulieren würde. Sie kennen sicher auch das Phänomen, daß Sexualtäter immer genau bis zur Entlassung geheilt sind und dann einen mysteriösen unerklärlichen Rückfall erleiden. Oder: Da gab es mal in Südafrika einen gewidsen Shabir Sheik, der für Korruption zu 15 Jahren verurteilt wurde und dann nach gut einem Jahr aus gesundheitliche Gründen freigelassen wurde. Was soll ich sagen, anstatt innerhalb eines Jahres zu sterben, wie erwartet, spielt er heute noch, 10 Jahre später, sehr viel Golf. Ich bin übrigens auch der Meinung, daß man die "Raser von Berlin" wegen totaler Unzurechnungsfähigkeit freisprechen sollte und sie dann folgerichtig für den gesamten Rest ihres Lebens in die Geschlossene einweisen sollte - keine Bewährung nach 15 Jahren.
Sie missbrauchen die Psychiatrie, um Ihre Rachegedanken zu befriedigen. Gut, dass wir in diesem Land noch Richter haben, die vernünftigere Urteile sprechen.
Nania 02.02.2018
5.
Zitat von Gerdd... ich kann das nachvollziehen. Eine vorzeitige Entlassung nach Wegfall des Therapiegrundes wäre immer noch möglich. Aber es braucht wesentlich mehr um das zweifelsfrei zu belegen, als wenn man das schwammiger formulieren würde. Sie kennen sicher auch das Phänomen, daß Sexualtäter immer genau bis zur Entlassung geheilt sind und dann einen mysteriösen unerklärlichen Rückfall erleiden. Oder: Da gab es mal in Südafrika einen gewidsen Shabir Sheik, der für Korruption zu 15 Jahren verurteilt wurde und dann nach gut einem Jahr aus gesundheitliche Gründen freigelassen wurde. Was soll ich sagen, anstatt innerhalb eines Jahres zu sterben, wie erwartet, spielt er heute noch, 10 Jahre später, sehr viel Golf. Ich bin übrigens auch der Meinung, daß man die "Raser von Berlin" wegen totaler Unzurechnungsfähigkeit freisprechen sollte und sie dann folgerichtig für den gesamten Rest ihres Lebens in die Geschlossene einweisen sollte - keine Bewährung nach 15 Jahren.
Um in Deutschland in die Psychatrie eingewiesen zu werden, bedarf es einer psychiatrischen Krankheit. Eine Psychatrie ist weder ein Gefängnis noch ist es eine Einrichtung, in der man Leute einsperren soll um sie zu bestrafen. Psychatrien sind in erster Linien Heilanstalten oder Orte, an denen sich ein psychisch (schwer) kranker Mensch aufhalten kann ohne sich oder anderen zu schaden. Im Übrigen: Lebenslänglich heißt in Deutschland nicht, dass man nach 15 Jahren wieder draußen ist. Lebenslänglich heißt lebenslänglich nur mit der Aussicht, erstmalig nach 15 Jahren einen Antrag auf Bewährung zu stellen. Diese Aussicht ist einer der wesentlichen Grundzüge deutscher - und wie ich finde - auch humaner Rechtssprechung, deutlich abgegrenzt von Rachefantasien. Hierzu ein Zitat aus der Wikipedia: "Einem Verurteilten muss die grundsätzliche und gesetzlich festgeschriebene Möglichkeit eingeräumt werden, irgendwann die Freiheit wiederzuerlangen. Allein die Möglichkeit der Begnadigung nach z. B. 30 oder 40 Jahren Haft reicht dazu nicht aus. Dies gebieten nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 21. Juni 1977 das Rechtsstaatsprinzip und die Menschenwürde (BVerfGE 45, 187, 253 ff.). Die lebenslange Freiheitsstrafe ist nach Maßgabe der Entscheidungsgründe mit dem Grundgesetz gerade noch vereinbar, jedoch nie als absolute Strafe im Sinne einer von vornherein feststehenden Strafverbüßung bis zum Tode." Strafe wird im modernen (deutschen) Strafrecht nämlich nicht als Rache betrachtet, sondern als Möglichkeit der Rehabilitation - ein ganz wichtiger Aspekt, auch wenn das in manchen Fällen schwer zu verdauen sein dürfte. Die Täterin im oberen Fall ist aber ein ganz anderes Kaliber. Wir haben es hier offensichtlich mit einem Kind zu tun, dass mindestens unter einer psychischen Erkrankung leidet, aber keineswegs mit einem Menschen, der erst mit Mitte 50 wieder in die Freiheit entlassen werden sollte. Um es mal so zu formulieren: Dann könnte man sie fast besser gleich umbringen. Denn wer von seinem fünfzehnten Lebensjahr an in der Psychatrie ist (ohne, dass überhaupt in Betracht gezogen wird, dass das Mädchen vielleicht von ihrer Krankheit geheilt werden kann oder zumindest ein Leben führt, bei dem sie keinen gefährdet), den kann man mit 50 nicht einfach in die "Freiheit" entlassen. In welches Leben denn auch?
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