"Antanz-Opfer" bei Heavy-Metal-Konzert "Ich wollte mir nicht den Abend vermiesen lassen"

Bei einem Auftritt der Metal-Band Slipknot raubten Antänzer in Leipzig Dutzende Besucher aus. Lukas Stege vermisste plötzlich sein Handy - und verfolgte die Täter auf eigene Faust. Mit Erfolg.

Ein Interview von

Band Slipknot: Diebstahl beim Heavy-Metal-Konzert
AP

Band Slipknot: Diebstahl beim Heavy-Metal-Konzert


Das Konzert der Band Slipknot am vorigen Donnerstag in Leipzig hatte für Dutzende Besucher ein unschönes Nachspiel: Eine Bande von Antänzern raubte nach Erkenntnissen der Polizei systematisch Dutzende Heavy-Metal-Fans aus. Wegen gestohlener Handys und Geldbörsen gingen bisher mehr als 20 Anzeigen ein.

Noch in der Nacht gelang der Polizei ein erster Fahndungserfolg - dank zweier Konzertbesucher, die sofort die Spur der Übeltäter aufnahmen. Einer der Verfolger war der 29-jährige Lukas Stege aus Leipzig.

SPIEGEL ONLINE: Herr Stege, was war da los?

Lukas Stege: Ich habe vorige Woche mit vier Freunden das Slipknot-Konzert in den Messehallen besucht. Irgendwann griff ich in die Hosentasche und fand mein Handy nicht mehr. Ich wollte mir aber nicht den Abend vermiesen lassen und habe erst mal weiter gefeiert. Als am Schluss das Licht anging, so gegen 23 Uhr, beugten sich plötzlich viele Menschen herunter und suchten irgendetwas. Da war mir klar: Konzertbesucher waren offenbar reihenweise bestohlen worden.

SPIEGEL ONLINE: Ein Fall für die Polizei.

Stege: Die habe ich auch gerufen. Aber ich habe eine Ortungs-App auf meinem Handy. Den Standort konnte ich via Google mit dem Gerät meines Kumpels abrufen. Es war ein kleiner Punkt, der sich immer weiter von den Messehallen entfernte. Wir sind zu zweit ins Auto gestiegen und losgefahren, immer dem Punkt hinterher. Zeitgleich haben wir etwa fünf Minuten mit der Polizei telefoniert, aber die konnte erst einmal nichts machen. Irgendwann stoppte der Punkt in der Nähe vom Hauptbahnhof, in einer Seitenstraße. Als wir dort ankamen, fiel uns ein parkender Audi auf. Wir haben uns dahinter gestellt, und ich bin ausgestiegen.

SPIEGEL ONLINE: Klingt gefährlich. Warum sind Sie nicht im Auto geblieben und haben noch einmal den Notruf gewählt?

Stege: Der erste Anruf bei der Polizei hatte ja nicht viel gebracht. Ich empfand eine ungeheure Empörung darüber, dass jemand mit meinem Handy durch die Gegend fährt. Ich bin zum Audi gelaufen, drei Männer saßen darin, und der Fahrer ließ das Fenster runter. Er tat ahnungslos, fuhr aber sofort mit quietschenden Reifen davon. Erst da haben wir erneut eine Streife verständigt, und mein Kumpel ist mit dem Ortungshandy eingestiegen. Die haben dann weiter den Punkt verfolgt - bis zu einem Bordell im Leipziger Osten.

Slipknot-Fan: Lukas Stege
privat

Slipknot-Fan: Lukas Stege

SPIEGEL ONLINE: Dort verhafteten die Beamten zwei Verdächtige, vier konnten fliehen. Tags darauf wurde in einem nahen Gebüsch ein Rucksack gefunden mit mehr als 50 Handys. Sind Sie stolz auf ihr Eingreifen?

Stege: Ohne uns wäre die Polizei wohl nicht auf die Spur der Beute gekommen. Insofern freut es mich, dass der Einsatz sich gelohnt hat. Ich würde in einer ähnlichen Situation genauso reagieren - allerdings wohl niemanden mehr zur Rede stellen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie ihr Handy schon zurück?

Stege: Ich hoffe, dass mein Handy auch wirklich im Rucksack war. In ein, zwei Wochen kann ich die Geräte bei der Polizei ansehen. Die Beamten sichern bis dahin Spuren.

SPIEGEL ONLINE: Die beiden Verdächtigen schweigen und sind inzwischen wieder frei. Es sind Flüchtlinge. Erschreckt Sie das?

Stege: Mir ist völlig egal, ob Detlef oder Ahmed mein Handy stiehlt. In beiden Fällen ist das eine große Sauerei.

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