Somalia Indische Fregatte versenkt Piratenschiff

Eskalation am Golf von Aden: Eine indische Fregatte ist vor der Küste Somalias von Seeräubern angegriffen worden. Die Marine schoss zurück und setzte das Piraten-Mutterschiff in Brand.


Neu Delhi - Seit dem 2. November patrouilliert die indische Fregatte "INS Tabar" in der Region, das Ziel: Handelschiffe vor Piratenattacken zu schützen. Jetzt wurde das Schiff selbst angegriffen. Somalische Seeräuber nahmen am Dienstagabend das Schiff unter Beschuss, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung der Regierung in Neu Delhi. "Die INS Tabar hat sich dem (Piraten-)Mutterschiff genähert und es aufgefordert, für eine Untersuchung zu stoppen", sagte ein Sprecher der indischen Marine.

Die Seeräuber hätten daraufhin gedroht, die Fregatte in die Luft zu sprengen. An Deck des Piratenschiffs hätten sich Maschinengewehre und Panzerabwehrraketen befunden, so der Sprecher. Daraufhin erwiderten die Soldaten in "einem Akt der Selbstverteidigung" das Feuer und lösten eine Explosion auf dem Piraten-Mutterschiff aus, hieß es. Es soll komplett zerstört worden sein. Später habe die Fregatte eines der Piraten-Schnellboote verfolgt, das dann verlassen aufgefunden wurde.

Am selben Tag wurde zudem ein thailändisches Fischerboot von Piraten entführt. Laut Internationaler Seefahrtsbehörde (IMB) befinden sich 16 Besatzungsmitglieder an Bord. Noel Choong vom Internationalen Überwachungszentrum für Piratenübergriffe in Kuala Lumpur sagte, das unter der Flagge von Kiribati fahrende Schiff habe einen Notruf gesendet, als es von zwei Schnellbooten verfolgt wurde. Die Funkverbindung sei dann allerdings abgebrochen. Die in Bahrain stationierte 5. Flotte der US-Marine habe ein Flugzeug in die Region entsandt, sagte eine Sprecherin.

Ebenfalls am Dienstag hatten Piraten vor Somalia den unter der Flagge von Hongkong fahrenden Frachter "Delight" aus dem Iran in ihre Gewalt gebracht. Laut Informationen der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua beförderte der Frachter mit seinen 25 Besatzungsmitgliedern 36.000 Tonnen Weizen.

Unklarheit über angebliche Entführung von griechischem Tanker

Verwirrung herrscht um das Schicksal eines griechischen Schiffes. Der griechische Rundfunk berichtete am Mittwoch, das Schiff mit 23 Mann an Bord sei das jüngste Opfer somalischer Piraten. Andrew Mwangura vom Ostafrikanischen Seefahrerhilfsprogramm erklärte ebenfalls, ihm lägen entsprechende Berichte vor. Es gebe aber keine Informationen über Namen oder Ziel.

Die griechische Küstenwache ließ dagegen verlauten, sie habe keinerlei Hinweise, dass ein griechisches Schiff gekapert worden sei. Auch das Internationale Schifffahrtsbüro (IMB) in Kuala Lumpur, das Meldungen über Seeräuberei aufnimmt, konnte den Bericht nicht bestätigen.

250 Millionen US-Dollar für die "Sirius Star"?

Große Besorgnis erregte die Entführung eines saudi-arabischen Tankers mit Rohöl im Wert von 100 Millionen Dollar an Bord am Samstag. Der Supertanker "Sirius Star" ist 330 Meter lang und so groß wie drei Fußballfelder - das größte Schiff, dass je in die Hand von Piraten geriet. An Bord befinden sich 25 Besatzungsmitglieder. Die Piraten sollen das Schiff inzwischen nach Somalia gebracht haben, wo es im Hafen von Haradheere vor Anker liegen soll. Die "Sirius Star" war im Auftrag der Reederei Vela International unterwegs, einer Tochter des saudiarabischen Konzerns Aramco.

Dem ostafrikanischen Hilfsprogramm zufolge sind bisher keine Lösegeldforderungen eingegangen. Auf einer somalischen Website soll jedoch bereits die Summe von 250 Millionen US-Dollar genannt worden sein. Der arabische Fernsehsender Al-Dschasira zitiert am Mittwoch einen Mann, der eigenen Angaben zufolge zu den schwer bewaffneten Seeräubern gehört. Er habe gesagt, komme es zu einer Geldübergabe für die "Sirius Star", werde das Geld "maschinell nachgezählt". "Wir haben die notwendige Ausrüstung, um Falschgeld zu erkennen." Zur Höhe der Forderung machte er jedoch keine Angaben.

Der saudi-arabische Außenminister Prinz Saud al-Feisal sprach von einer "abscheulichen Tat". Nach einem Treffen mit der griechischen Außenministerin Dora Bakogianni sagte er: "Die Piraterie ist wie der Terrorismus eine Plage, die uns alle bedroht und gegen die wir alle gemeinsam vorgehen müssen."

Derzeit befinden sich 17 Schiffe mit mehr als 300 Besatzungsmitgliedern in der Hand von Piraten, darunter auch ein ukrainisches Schiff mit Panzern und Waffen an Bord.

Deutsche Fregatte vereitelt Piratenangriff auf britisches Schiff

Mindestens acht Schnellboote sollen zudem in der Region den britischen Tanker "Trafalgar" angegriffen haben. Laut dem britischen "Telegraph" sendete es einen Notruf aus, der von einer Fregatte der deutschen Marine gehört wurde, die rund zwölf Seemeilen entfernt im Golf von Aden patrouillierte. Die Fregatte schickte einen Helikopter, woraufhin die Piraten die Flucht ergriffen hätten, hieß es.

Moderne Piraten - Gefahr am Horn von Afrika
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Maschinengewehre statt Enterhaken
Fernab aller Seeräuberromantik ist die moderne Piraterie eine Form der organisierten Kriminalität. Nach dem Seerechtsübereinkommen von 1982 gelten als Piraterie räuberische oder erpresserische Überfälle auf Schiffe auf hoher See. Angriffe innerhalb nationaler Hoheitsgewässer werden als Strandpiraterie bezeichnet.

Am gefährlichsten sind die Gewässer vor Afrika. Somalia, Nigeria und Tansania sind Schwerpunkte der Angriffe. Vor der Küste Somalias operieren Piraten oft von Mutterschiffen aus, von denen sie auf pfeilschnellen Booten mit Maschinenpistolen und Panzerfäusten bewaffnet zu Raubzügen aufbrechen. Die gekaperten Schiffe werden dann vor die Küste gebracht.
Piratennest Puntland
Puntland ist eine Region am Horn von Afrika, rund 212.000 Quadratkilometern groß, 2,4 Millionen Einwohner. Vor zehn Jahren erklärte sich der trockene Landstrich zum autonomen Teilstaat von Somalia. Tonangebend sind die Stammesstrukturen der Darod, die dort ihr Hauptsiedlungsgebiet haben. Zwei Drittel der Menschen hier sind Nomaden, nahezu alle sunnitische Muslime. Einst lebten sie vom Fischfang vor der 1300 Kilometer langen Küste am Indischen Ozean sowie der Zucht von Kamelen, Schafen und Ziegen.

Gemessen an somalischen Verhältnissen galt die Region bisher als stabil, nach Selbstmordanschlägen auf Regierungsgebäude im Oktober wird aber befürchtet, islamistische Terroristen könnten auch im Puntland Fuß fassen. Inzwischen herrscht auch hier weitgehende Gesetzlosigkeit. Kriminelle Banden verdienten viel Geld mit dem Schmuggel von Flüchtlingen aus Somalia und Äthiopien auf die arabische Halbinsel. Dazu kommen Piratenüberfälle. Die Machthaber von Puntland wurden wiederholt beschuldigt, die Piraten zu unterstützen und einen Teil des Lösegeldes für Schiffe und Besatzungsmitglieder selbst zu kassieren.
Stützpunkte
Das berüchtigtste Piratennest ist Eyl. Gegenwärtig haben Piraten laut Amnesty International nahe der Küstenstadt mehr als 130 Menschen als Geiseln genommen. Insgesamt befinden sich in der Region noch knapp 250 Seeleute und Dutzende Schiffe in der Gewalt der Piraten. Verhandlungen über Lösegeld laufen vielfach.
Lukratives Geschäft
Piraterie in somalischen Gewässern hat sich in den vergangenen Jahren zu einem lukrativen Geschäftszweig ausgeweitet: Erfolgreiche Entführungen bringen nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Lösegelder in Höhe von einer bis fünf Millionen US-Dollar. Der fast 20 Jahren tobende Bürgerkrieg und die damit einhergehende Verarmung und Militarisierung Somalias haben den Angriffen den Nährboden bereitet.
Zunehmende Entführungen
Somalischen Piraten gelingt es immer häufiger, Schiffe in ihre Gewalt zu bringen. Einem Anfang November veröffentlichten Uno-Bericht zufolge wurden trotz des Einsatzes der internationalen Flotte vor der Küste Somalias in den ersten neun Monaten 2011 37 Schiffe gekapert - im Vorjahreszeitraum waren es noch 33.

Es sei "erschreckend", dass die Piraten mittlerweile 438 Besatzungsmitglieder und Passagiere sowie 20 Schiffe in ihrer Gewalt hätten, sagte der Uno-Untergeneralsekretär B. Lynn Pascoe. Es müsse mehr getan werden, um die Ursachen von Raubüberfälle und Entführungen zu beseitigen.

Doch noch ist von einer Lösung keine Spur, im Gegenteil: Die Angriffe werden brutaler. Am 7. November 2011 erschossen somalische Piraten einen Mann, der die von ihnen gekaperte Yacht nicht verlassen wollte. Die anderen Geiseln - darunter eine Frau und ein Junge - wurden Augenzeugen zufolge an Land gebracht. Bislang kam die Tötung von Geiseln selten vor.
Folgen für Reedereien
Die zunehmenden Angriffe haben die Einfahrt ins Rote Meer bereits so unsicher gemacht, dass erste Reedereien Schiffe nicht mehr von dort durch den Suez-Kanal, sondern auf die weit längere Route um das Kap der Guten Hoffnung schicken. So sollen extrem hohe Versicherungsprämien wegen des Piraten-Risikos oder Kosten für eigene Sicherheitsmannschaften an Bord vermieden werden.

Britische Reedereien und Versicherer haben die Idee einer Privatarmee erneut in die öffentliche Diskussion gebracht.
Anti-Piraten-Missionen
Internationale Streitkräfte versuchen im Rahmen der NATO-Mission "Ocean Shield" und der EU-Mission "Atalanta", die Piraterie zu bekämpfen. Doch während die Kriegsschiffe im besonders gefährdeten Golf von Aden zwischen Somalia und Jemen patrouillieren, haben die Seeräuber ihren Aktionsradius zunehmend auf den Indischen Ozean verlagert. Manchmal gelingen allerdings auch Erfolge: Im April 2010 konnte die niederländische Fregatte "Tromp" den deutschen Frachter "Taipan" aus der Hand von Piraten befreien.

Die deutsche Fregatte "Karlsruhe" war bereits am Montag mit einem Marine-Hubschrauber dem äthiopischen Handelsschiff "Andinet" zur Hilfe geeilt, das von zwei Motorbooten attackiert wurde, teilte die Marine am Dienstag in Glücksburg mit.

Der britische Außenminister David Miliband äußerte sich besorgt zur Lage im Golf von Aden. Die Piraten stellten eine "erhebliche Gefahr für die Stabilität der Region" dar, sagte Miliband dem Sender BBC am Mittwoch. Die britische Marine habe eine führende Rolle im Kampf gegen die Piraterie. Miliband rief zudem dazu auf, die Crew des gekaperten saudischen Öltankers "Sirius Star" sofort freizulassen.

Bundesregierung angeblich einig über Marineeinsatz gegen Piraten

Laut Informationen der "Welt" hat sich die Bundesregierung nach langem Streit über den rechtlichen Rahmen einer Bundeswehrbeteiligung an einer EU-Militäraktion gegen die Piraten vor Somalias Küste verständigt. Die Ministerien sollen sich der Zeitung zufolge auf ein Verfahren geeinigt haben, wonach die Marine gegen Piraten vorgehen darf.

Die vier beteiligten Ressorts Verteidigung, Außen, Inneres und Justiz hätten sich auf Staatssekretärsebene geeinigt. Danach kann die Marine im Rahmen von "Atalanta", einer Mission im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) und unter Uno-Mandat, militärisch gegen Piraten vorgehen. Eine eventuelle Verhaftung von Piraten bliebe gleichwohl Polizeiaufgabe.

Wie die Zeitung weiter berichtet, will die Bundesregierung ein Vorgehen gegen Piraten vor Somalias Küste am 3. Dezember beschließen.

ala/AP/Reuters/dpa/ddp

Die Nato-Kriegsschiffe im Golf von Aden
Flaggschiff und Zerstörer "Durand de la Penne"
Der italienische Zerstörer ist ein 5000-Tonnen-Mehrzweckkriegsschiff. Es dient der Abwehr von Luft- und U-Boot-Angriffen - letztere werden im Golf natürlich keine Rolle spielen. Bei Landgang und Küstenbombardierungen kann der Zerstörer Schützenhilfe leisten. Dieses erste Schiff der De-la-Penne-Serie wurde 1993 in Betrieb genommen. Der italienische Admiral Giovanni Gumiero führte den Nato-Flottenverband, bevor das Schiff zur Anti-Piraterie-Mission geschickt wurde.
Fregatte "Themistokles"
Die Fregatte "Themistokles" ist ein Schiff aus der Elli-Klasse der griechischen Marine. Sie wurde 1979 in den Niederlanden gebaut und 2003 an Griechenland verkauft. Dort wurde das Schiff modernisiert und zur "HS Themistokles" umbenannt. An Bord der 3100 Tonnen schweren Fregatte befinden sich neben Torpedos und Missiles auch zwei Hubschrauber.
Fregatte "Cumberland"
Die "Cumberland" ist eine F85-Fregatte der britischen Royal Navy. Das in Schottland gebaute Kriegsschiff wurde 1989 in Betrieb genommen. Ursprünglich sollte die Cumberland gegen U-Boote eingesetzt werden, bekämpft jetzt aber auch feindliche Schiffe und Flugzeuge. Sie kann auf eine Maximalgeschwindigkeit von 30 Knoten beschleunigt werden.

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Robert B., 18.11.2008
1. Kriegsschiffe
Die gleichen Massnahmen wie seit 5 Jahrhunderten. Kriegsschiffe auf Piratenjagd schicken. Sehr viel sinnvoller als der Afganistaneinsatz der BW.
dcl 18.11.2008
2.
---Zitat--- Die US-Marine erklärte, die meisten Attacken der vergangenen Monate hätten durch "Sicherheitsteams an Bord" abgewehrt werden können. ---Zitatende--- Genau. Diese Sicherheitsteams werden natürlich von internationalen Sicherheitsunternehmen wie Blackwater o.ä. gestellt, in welchen die Spezialisten der US Navy nach ihrer militärischen Karriere ihr Brot verdienen. Handelsschiffe sind weder auf Verteidigung noch auf Angriff gebaut und bei zwei Millionen Barrel Öl möchte ich mir den Beschuss mit sog. reaktiven Panzerbüchsen (Panzerfaust) nicht vorstellen. Sicherheitsteams führen zur Eskalation auf den Handelsschiffen. Wozu gibt es bitte Kriegsschiffe? Die sind genau für solche Operationen gebaut worden und sind personell auf kriegerische Maßnahmen eingestellt. Dieses Rumgeeiere, auch von Seiten der Bundesmarine, ist zum heulen. Haben die Jungs Angst, dass ihre teuren Spielzeuge Kratzer bekommen könnten?
Interessierter0815 18.11.2008
3.
Zitat von sysopDie Kaperung des Super-Tankers weit vor der Küste Somalias zeigt: Das Problem der Piraterie wird für die internationale Seefahrt immer bedrohlicher. Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um den Seehandel wieder sicher zu machen?
Die Welt am techn. Fortschritt teilnehmen lassen? Erst klauen wir die Rohstoffe der Länder und dann flennen wir noch, das sie sich wehren.
yato, 18.11.2008
4. Da war die Realität wieder mal schneller als Hollywood
Zitat von Robert B.Die gleichen Massnahmen wie seit 5 Jahrhunderten. Kriegsschiffe auf Piratenjagd schicken. Sehr viel sinnvoller als der Afganistaneinsatz der BW.
scheint ja nicht sehr viel gebracht zu haben seit 5 jahrhunderten, oder hatten piraten in der weltgeschichte schon jemals so einen dicken fisch an der angel? mit der zivilisierung hat das übrigens wohl doch nicht so gut geklappt - sind wir jetzt eigentlich wieder im mittelalter? ...man mag sich gar nicht vorstellen was mit so einem riesentanker voll öl alles möglich wäre, wenn die piraten durchdrehen...
TranceData, 18.11.2008
5.
Piraten wurden früher von der Marine versenkt. Also: Back to the roots...
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