Somalia: Vergewaltigungsopfer zu Gefängnisstrafe verurteilt

Eine somalische Frau, die nach eigenen Angaben von Sicherheitskräften vergewaltigt wurde, muss ein Jahr lang ins Gefängnis. Mit ihren Vorwürfen habe die Frau "die staatlichen Institutionen beleidigt", begründete der Richter sein Urteil.

Mogadischu - Weil eine Somalierin Sicherheitskräfte beschuldigte, sie vergewaltigt zu haben, ist die Frau zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Das zuständige Gericht befand, dass sie die Geschichte erfunden habe. Mit ihren Vorwürfen habe die Frau "die staatlichen Institutionen beleidigt", begründete der Richter sein Urteil. Die Frau müsse die Strafe antreten, wenn sie ihr Baby abgestillt habe. Ihre Anwälte legten Berufung ein.

Auch ein Journalist, der die Frau interviewt hatte und über den Fall berichte, muss für ein Jahr ins Gefängnis. Abdiaziz Abdinuur, der für mehrere somalische Radiostationen und internationale Medien arbeitet, befindet sich bereits im Gefängnis. Er war am 10. Januar in Mogadischu bei der Recherche über die weit verbreitete sexuelle Gewalt in Somalia festgenommen worden. Auch er habe die staatlichen Institutionen beleidigt, weil er ein "falsches" Interview gemacht und das Haus der Familie betreten habe, obwohl der Ehemann nicht da gewesen sei. Das Interview mit der nun ebenfalls verurteilten Frau wurde nie gesendet.

Der Fall hatte in viel Aufsehen erregt. Zahlreiche Journalisten und Menschenrechtsaktivisten waren im Gerichtssaal, um den Prozess zu beobachten. "Das Urteil ist politisch motiviert", sagte einer der Verteidiger. "Die Entscheidung ist unfair und einseitig. Wir haben herausragende Beweise vorgelegt, die die Geschichte des Opfers stützen." Auch Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch verurteilten die Entscheidung des Richters als "politisch motiviert". Generalstaatsanwalt Abdikadir Mohamed betonte hingegen, sein Team habe die Ehre der somalischen Regierung und der Polizei verteidigt.

Drei weitere Angeklagte - der Ehemann sowie ein Mann und eine Frau, die das Vergewaltigungsopfer mit dem Journalisten bekannt gemacht hatten - wurden freigesprochen.

Die neue Regierung in Mogadischu, in die die Internationale Gemeinschaft viel Hoffnung setzt, erklärte, sie werde sich nicht in juristische Verfahren einmischen.

wit/dpa/AFP

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