Blutige Krawalle in US-Gefängnis "Im Gang stapelten sich die Leichen"

Sieben Tote, 17 Schwerverletzte - die Gefängniskämpfe in South Carolina gehören zu den brutalsten seit Jahren. Jetzt werden Details bekannt.


Mit selbst gefertigten Stichwaffen sind Häftlinge in einem Hochsicherheitsgefängnis im US-Bundesstaat South Carolina über sieben Stunden lang aufeinander losgegangen. Der Grund: Streit um Geld und Revierkämpfe. Das berichten Justizvollzugsbehörden einen Tag nach den blutigen Krawallen in der Anstalt Lee Correctional in Bishopville. Es sei der schlimmste Gewaltausbruch in einer US-Haftanstalt seit Jahren gewesen.

Sieben Häftlinge starben. Mindestens 17 weitere Insassen wurden schwer verletzt, wie der Leiter der Gefängnisbehörde in South Carolina, Bryan Stirling, sagte. Die meisten seien erstochen oder mit Messern verletzt worden, die übrigen wurden den Angaben zufolge zusammengeschlagen.

Ein Häftling, der die Kämpfe beobachtet hatte, teilte der Nachrichtenagentur AP via Handy mit, die Leichen hätten sich "in den Gängen übereinander gestapelt". Der Mann, der seinen Namen den Angaben zufolge nicht nennen will, weil er Repressionen von seinen Mithäftlingen fürchtet und außerdem kein Handy haben darf, will die Krawalle aus seiner Zelle heraus beobachtet haben.

Demnach griffen mehrere Männer ein Mitglied einer rivalisierenden Bande an und verletzten es schwer. "Der Mann lebte und atmete kaum noch", schrieb der Häftling per Messenger. Drei andere Männer hätten zu diesem Zeitpunkt schon tot im Gang gelegen.

"Die Wachleute haben nicht einmal versucht, Hilfe zu holen"

Von der Gefängnisbehörde hieß es: Der erste Kampf habe am Sonntag gegen 7 Uhr abends (Ortszeit) in einem Schlaftrakt begonnen. Er schien schon unter Kontrolle, als es plötzlich auch in zwei anderen Schlaftrakten zu Gewalt gekommen sei. Die Häftlinge hätten sich über ihre Mobiltelefone kontaktiert und den Streit befeuert.

Wachleute wurden den Angaben zufolge nicht verletzt. Man habe sich an die Vorschriften gehalten, zunächst zurückgezogen und auf Hilfe gewartet, sagte Stirling. Es dauerte demnach mehrere Stunden, bis man die Kämpfe wieder unter Kontrolle hatte. Als ein Spezialteam anrückte, hätten die Häftlinge aufgegeben.

Bryan Stirling, Direktor der Gefängnisbehörde von South Carolina
AP

Bryan Stirling, Direktor der Gefängnisbehörde von South Carolina

Der Häftling, der sich gegenüber AP äußerte, übte scharfe Kritik an dem Vorgehen: Das Personal ließ die Insassen demnach völlig im Stich. Auch Stunden nach dem heftigen Gewaltausbruch sei kein Wachmann oder Arzt gekommen. "Die Wachleute haben nicht einmal versucht, einzugreifen oder Hilfe zu holen. Sie blieben einfach auf ihren dicken Hintern im Kontrollraum sitzen."

Schon vor dem Aufstand seien etliche Zellentüren so kaputt gewesen, dass man sie nicht mehr habe schließen können, sagte der Häftling. Er selbst und andere Gefangene konnten sich demnach frei in dem Gebäude bewegen.

Die gewalttätigsten Straftäter des Bundesstaats

Stirling wies die Kritik zurück: "Wir haben so schnell wie möglich so viele Leute wie möglich zusammengerufen und dann sofort eingegriffen, als wir dachten, dass es für unser Personal sicher ist", sagte er.

In dem Hochsicherheitsgefängnis leben etwa 1500 Insassen, unter ihnen die gewalttätigsten Straftäter des Bundesstaats. Sie wurden unter anderem wegen Mordes, Raubüberfällen oder Drogenhandel verurteilt. Der jüngste ist 28, der älteste 44 Jahre alt. Als es zu dem Gewaltausbruch kam, waren nach Angaben der Behörden 44 Wachmänner im Dienst.

2015 wurden in der Anstalt zwei Angestellte erstochen, erst im vergangenen Februar hatte ein Insasse einen anderen Häftling getötet. Der "New York Times" zufolge gibt es nach mehreren blutigen Zwischenfällen in dem Gefängnis seit Längerem die Bitte, die Einrichtung sicherer zu machen. "Dies ist ein absolut schrecklicher Tag in South Carolina", sagte der zuständige Senator Gerald Malloy. "Wir haben versagt. So ist es einfach."

Im US-Strafvollzug kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Zu den Gründen gehören die Haftbedingungen, Überfüllung, rigide Strafen, mangelnde Aussichten auf Resozialisierung und schlechtes Essen. Das Gefängnissystem ist streng auf Profit getrimmt. Etwa 25 Prozent aller Gefangenen weltweit sitzen in den USA ein. 1993 waren im US-Bundesstaat Ohio neun Häftlinge und ein Wachmann bei Kämpfen in einem Gefängnis getötet worden.

fok/Meg Kinnard, AP



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