Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Spanien: In Marokko begnadigter Pädophiler festgenommen

Festnahme von Sexualstraftäter: "Die Mächtigen haben Angst" Fotos
DPA

König Mohammed VI. von Marokko begnadigte einen verurteilten Kindervergewaltiger - dann nahm er seine Entscheidung zurück, weil die Empörung im Land zu groß war. Jetzt wurde der Pädophile in Spanien festgenommen. Und soll erneut vor Gericht.

Murcia - König Mohammed VI. gilt seit einer Verfassungsreform von 2011 in Marokko nicht mehr als Heiliger, wohl aber als "unantastbar". Die Affäre um den "vorübergehend" begnadigten Pädophilen Daniel Galván hat dem 49-Jährigen aber schon jetzt veritablen politischen Schaden zugefügt.

Der Spanier Galván war 2011 in Rabat wegen Vergewaltigung von elf Minderjährigen zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Mohammed VI. begnadigte den Kinderschänder, woraufhin dieser am vergangenen Dienstag auf freien Fuß gesetzt wurde.

Nur wenige Tage später entschied sich der Monarch aufgrund des öffentlichen Drucks um und nahm die Begnadigung zurück - "wegen der Schwere der Verbrechen und aus Rücksicht auf die Opferfamilien" wie es in einer Palasterklärung hieß. Der König sei nicht über die "monströsen Verbrechen" des Pädophilen unterrichtet gewesen. In den sozialen Netzwerken allerdings wird genau das offen bezweifelt.

Stunden nach dem Widerruf der Begnadigung wurde Daniel Galván am Montag im spanischen Murcia festgenommen, wo er von 1996 bis 2002 an der Universität gearbeitet haben soll. Er werde in Kürze in die Hauptstadt Madrid gebracht, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums. Dort soll er erneut vor Gericht gestellt werden. Laut Angaben des spanischen Botschafters in Marokko ist denkbar, dass der Verurteilte den Rest seiner Strafe in Spanien absitzt.

Der 63-jährige Spanier hatte mehrere Jahre lang in Kenitra, rund 30 Kilometer nördlich der marokkanischen Hauptstadt Rabat, gelebt und dort Kinder missbraucht. Trotz des Widerrufs der Begnadigung gingen die Einwohner der Stadt am späten Sonntagabend aus Protest auf die Straße. Zuvor hatte es in mehreren marokkanischen Städten bereits über Tage Demonstrationen gegeben.

"Die Mächtigen haben Angst"

Für Dienstag und Mittwoch wurden neue Protestaktionen in Casablanca und Rabat angekündigt. Spaniens Opposition und die Demonstranten in Marokko verlangen eine vollständige Aufklärung des Falls.

"Die Marokkaner haben keine Angst mehr, ihren Herrscher zur Rechenschaft zu ziehen", schrieb die bekannte Journalistin Hanane Harrath auf dem Portal des Radiosenders "Yabiladi". Die Affäre, das tagelange Schweigen des Königs und die brutale Unterdrückung der Proteste hätten den Graben zwischen dem Volk und den Führern weiter vertieft. Die Mächtigen hätten Angst, so Harrath.

Viele befürchten, die Freilassung Galváns könne eine Initialzündung für weitergehende Proteste sein. Das Nachrichtenportal "Afrik" spricht von "einem der größten Skandale in der Geschichte des Landes".

Rabat will nun offenbar die Auslieferung des früheren Uni-Professors beantragen. Rechtsexperten in Madrid sagten aber übereinstimmend, dieser Antrag habe kaum Chancen auf Erfolg, da es sich um einen spanischen Staatsbürger handele.

Der ursprünglich aus dem Irak stammende Galván hatte auf einer Liste mit 48 Häftlingen gestanden, die "im Namen der exzellenten bilateralen Beziehungen" zwischen Marokko und Spanien begnadigt wurden.

Der spanische Königspalast erklärte jedoch, König Juan Carlos habe bei einem Besuch in Marokko im Juli keine Begnadigungen erbeten, sondern lediglich darum gebeten, dass ein wegen Drogenschmuggels verurteilter, herzkranker und an Diabetes leidender Spanier den Rest seiner Strafe in seinem Heimatland absitzen könne. Mit der Zusammenstellung der Liste der 48 Häftlinge "hatten wir nichts zu tun", erklärte ein Palastsprecher.

Ein mit den Vorgängen vertrauter Informant erklärte hingegen, auf einer Liste der spanischen Regierung mit Häftlingen in Marokko, die ihre Reststrafen in Spanien verbüßen sollten, hätten der Pädophile sowie 29 andere Häftlinge gestanden.

ala/AFP/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 458.730 km²

Bevölkerung: 33,493 Mio.

Hauptstadt: Rabat

Staatsoberhaupt:
König Mohammed VI.

Regierungschef: Abdelilah Benkirane

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Marokko-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: