Verbrechen der Franco-Diktatur in Spanien Arzt stahl Baby - und entgeht Haftstrafe

In Spanien haben Ärzte und Krankenschwestern offenbar jahrelang Tausende Babys gestohlen. Nun wurde ein 85-Jähriger freigesprochen, obwohl das Gericht von seiner Schuld überzeugt war.

Protest in Madrid (Archivbild vom Juni 2018)
AFP

Protest in Madrid (Archivbild vom Juni 2018)


Im ersten Prozess um einen jahrzehntelangen organisierten Babyraub während der spanischen Franco-Diktatur ist der Angeklagte freigesprochen worden. Zwar sah es das Gericht in Madrid als erwiesen an, dass der 85 Jahre alte Ex-Frauenarzt Eduardo V. die ihm vorgeworfenen Taten im Jahr 1969 begangen habe. Diese seien aber mittlerweile verjährt, hieß es in einer Mitteilung des Obersten Gerichts. Die Staatsanwaltschaft hatte elf Jahre Haft für den Angeklagten gefordert.

Eduardo V. war angeklagt, im Jahr 1969 die heute 49-jährige Klägerin Inés Madrigal ihrer leiblichen Mutter weggenommen zu haben. Er soll sie einer anderen Frau gegeben haben, die keine Kinder bekommen konnte.

Während des Prozesses bestritt V. den Vorwurf, die Geburtsurkunde gefälscht und die andere Frau fälschlich als leibliche Mutter des neugeborenen Kindes eingetragen zu haben. An der mittlerweile nicht mehr existierenden Klinik San Ramón in Madrid soll es nach Angaben von Insidern Tausende solcher Fälle gegeben haben.

Historiker und Aktivisten vermuten, dass unter der rechten Militärdiktatur von General Francisco Franco Zehntausende Babys ihren leiblichen Eltern weggenommen wurden. Nach dem Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) traf dies vor allem regierungskritische Eltern.

Häufig waren auch Einrichtungen der katholischen Kirche verwickelt. Die Babys wurden den Müttern gleich nach der Geburt weggenommen. Häufig hieß es, sie seien gestorben. In Wirklichkeit wurden die Babys jedoch kinderlosen Paaren gegeben oder an diese verkauft, die sie dann als ihre eigenen aufzogen.

Später wurde die Praxis auch auf uneheliche Kinder und Kinder von Armen ausgeweitet. Das lukrative Geschäft soll bis in die 1990er Jahre in kleinerem Rahmen fortgesetzt worden sein. Der spanischen Justiz liegen mehr als 2000 Anzeigen vor.

jpz/AFP/dpa/Reuters

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