Prozessauftakt in Spanien Infantin Cristina wegen Beihilfe zum Steuerbetrug vor Gericht

Die Infantin Cristina, Schwester des spanischen Königs Felipe, soll Beihilfe zum Steuerbetrug geleistet haben. Jetzt erschien sie erstmals vor Gericht - ihr Anwälte forderten die Einstellung des Verfahrens.

Infantin Cristina:  Anwälte forderten Einstellung des Verfahrens
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Infantin Cristina: Anwälte forderten Einstellung des Verfahrens


Es ist das erste Mal in der spanischen Geschichte, dass einer nahen Verwandten des Monarchen der Prozess gemacht wird: Die Schwester von König Felipe VI., die spanische Infantin Cristina, muss sich wegen Beihilfe zum Steuerbetrug verantworten. Seit Montag steht die 50-Jährige in Palma de Mallorca vor Gericht.

Vor den Augen zahlreicher Journalisten und Fotografen erschien die Prinzessin mit ihrem Ehemann Iñaki Urdangarin zum Prozessauftakt. Urdangarin ist ebenfalls angeklagt, außerdem 16 weitere Beschuldigte. Der Prozess findet aus Platzgründen nicht in einem Gerichtssaal statt, sondern in einem schmucklosen Klassenzimmer der Verwaltungsschule auf Mallorca. Die Schule liegt in unmittelbarer Nähe der Haftanstalt der Ferieninsel. Wenn Cristina von ihrem Sitz auf die drei Richterinnen der Strafkammer schaut, fällt ihr Blick auf das Porträt ihres Bruders Felipe, das an der Wand hängt.

Gleich zu Beginn des Prozesses forderte die Verteidigung, das Verfahren einzustellen. Weder die Staatsanwaltschaft noch die Finanzverwaltung hätten Anklage erhoben, so das Argument. Dem widersprach die Anwältin von Manos Limpias, Virginia López Negrete. Nach der spanischen Verfassung seien alle Bürger vor Gericht gleich, und Cristina von Spanien dürfe als Tochter des einstigen Königs Juan Carlos keine Privilegien genießen.

Die Ermittlungen in dem Fall laufen seit dem Jahr 2010. Die Staatsanwaltschaft hatte von der Infantin die Zahlung von Schadensersatz gefordert, wollte aber kein Verfahren gegen sie eröffnen. Der Ermittlungsrichter José Castro ließ aber eine Klage der Anti-Korruptionsgruppe Manos Limpias (Saubere Hände) zu.

Inaki Urdangarin soll über eine Stiftung Gelder veruntreut haben
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Inaki Urdangarin soll über eine Stiftung Gelder veruntreut haben

Die Infantin soll Gelder aus illegalen Geschäften ihres Ehemanns nicht deklariert haben. Urdangarin soll zusammen mit einem ehemaligen Geschäftspartner sechs Millionen Euro der Wohltätigkeitsorganisation Nóos veruntreut haben, deren Vorsitzender er war. Die Gelder sollen die Angeklagten über Strohfirmen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Die bekannteste der Firmen, Aizoon, gehörten Cristina und ihrem Mann gemeinsam. Die vierfache Mutter beteuert jedoch, nichts von den mutmaßlichen Machenschaften gewusst und in finanziellen Dingen vollkommen ihrem Mann vertraut zu haben.

Der Ex-Handballnationalspieler muss sich in dem Prozess unter anderem wegen Untreue, Steuerhinterziehung, Betrugs und Geldwäsche verantworten. Cristina droht im Fall ihrer Verurteilung eine Haftstrafe von acht Jahren, ihr 47-jähriger Ehemann riskiert bis zu 19 Jahre Gefängnis. Der Prozess ist auf sechs Monate angesetzt.

Seitdem der Skandal öffentlich wurde, verloren Cristina und ihr Mann ihre Titel als Herzog und Herzogin von Palma, sie leben nicht mehr in Spanien und blieben sogar der Krönung Felipes im Jahr 2014 fern.

Für die spanische Monarchie war es die schwerste Krise seit Jahrzehnten. Einige vermuten, dass Felipes Vater Juan Carlos im Juni 2014 vor allem wegen der Betrugsvorwürfe gegen Cristina abtrat.

Das Königshaus äußerte sich nicht zu dem Prozess und wird wohl auch in Zukunft keine Erklärungen abgeben. Der Prozess soll bis Juni dauern, könnte aber früher zu Ende gehen, wenn einzelne Angeklagte mit der Staatsanwaltschaft Übereinkommen schließen. Solche Vereinbarungen bedeuten erhebliche Strafnachlässe, setzen aber voraus, dass die Angeklagten Geständnisse ablegen und die veruntreuten Gelder zurückzahlen.

Ex-Minister Jaume Matas zeigt sich verhandlungsbereit
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Ex-Minister Jaume Matas zeigt sich verhandlungsbereit

Der frühere Chef der Balearen-Regierung, Jaume Matas, für den die Staatsanwaltschaft elf Jahre Haft forderte, startete einen entsprechenden Vorstoß. Andere Angeklagte könnten folgen. Urdangarin hat bisher die Vorwürfe der Anklage bestritten.

ala/dpa/AFP

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insgesamt 9 Beiträge
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andreu66 11.01.2016
1. Stand by your man, das ist die wahre Liebe!
Angeblich weiß sie nichts von den betrügerischen Machenschaften ihres Mannes in der gemeinsamen Firma Aizon, deren Kreditkarte sie eifrig benutzt und für die er sie mit ihrem guten Namen unterschreiben ließ. Sie selber wird zur öffentlichen Unperson, ihr kranker Vater verliert seinen Job und das ganze Jahrhunderte alte väterliche Familienunternehmen kommt in eine schwere Krise, aber sie bleibt bei ihm. Ist das nun Romanze oder Tragödie?
larry_lustig 11.01.2016
2. und Laetita?
Sie hat so viele Ihrer Verwandtschaft in lukrativen Posten untergebracht, dass auch das untersucht werden müsste.
mtroeller 11.01.2016
3. Krisen über Krisen in Spanien
Immobilien, Arbeitslosigkeit, Adliger Steuerbetrug und demnächst die Abspaltung Catalunyas. Das spanische Volk wird es leider letztendlich ausbaden und bezahlen müssen.
hugahuga 11.01.2016
4. Endlich
ein echtes Gesicht und keines aus den bunten Blättern. So sieht also die Realität aus. Sicher für so manchen ernüchternd.
wibo2 11.01.2016
5. Entzug ihres Herzoginnen-Titels ist Strafe genug!
"Die Infantin Cristina, Schwester des spanischen Königs Felipe, soll Beihilfe zum Steuerbetrug geleistet haben." (SPON) Einen Royal-Bonus in Spanien hat die Infantin Cristina de Borbón verdient. Ab wann sind Steuertricksereien eine Straftat? Die Beschuldigungen halte ich für ungerechtfertigt, da sie auf einer "absurden, erniedrigenden Verschwörungstheorie" basieren. Die hohe Frau ist studierte Politikwissenschaftlerin mit einem Master in Internationale Beziehungen. Ich habe keinen Zweifel, dass sie völlig unschuldig ist. Das wird man im weiteren Verlauf des Prozesses wohl sehen.
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