Spektakuläre Gefängnisausbrüche Mit Panzer, Bettlaken und Essbesteck

Eine filmreife Flucht gelang Häftlingen der JVA Plötzensee in Berlin. Nicht die ersten Gefängnisinsassen, die auf spektakuläre Weise entkamen. Acht Beispiele aus der deutschen Vergangenheit.

dpa

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Mit einem schweren Hammer zerschlugen sie in einem Heizungsraum zunächst den Pfosten einer 70 mal 30 Zentimeter großen Lüftungsöffnung an der Außenmauer. Anschließend durchtrennten sie den vom Beton freigelegten Stahl mit einer Flex. Schließlich zwängten sie sich durch die enge Öffnung hinaus und krochen unter dem Außenzaun der Justizvollzugsanstalt hindurch in die Freiheit.

Obwohl der Ausbruch von vier Häftlingen aus dem Gefängnis Plötzensee in Berlin derart spektakulär verlief, blieb er 40 Minuten lang unbemerkt. Immer wieder gelingt Gefangenen in Deutschland auf abenteuerliche Weise die Flucht, wie diese Auswahl an kuriosen Ausbrüchen aus den vergangenen 25 Jahren zeigt:

  • September 2017: Drei verurteilten Straftätern gelingt die Flucht aus der Forensischen Psychiatrie im baden-württembergischen Zwiefalten. Sie bauen aus Bettkastenholz einen Rammbock und durchbrechen damit die etwa 40 Zentimeter dicke Außenmauer aus Ziegelsteinen. Danach seilen sie sich mit verknoteten Bettlaken aus dem zweiten Stock ab. Eine Woche später sind alle drei wieder gefasst. Die Männer waren zusammen in einem Raum untergebracht. Sie hatten sich zur Behandlung ihrer Drogen- und Alkoholabhängigkeit in der Klinik aufgehalten.
  • Januar 2016: Ein Mann, der unter anderem wegen Vergewaltigung in der JVA Aachen in Sicherungsverwahrung sitzt, nutzt einen Brauhaus-Besuch in der Kölner Innenstadt zur Flucht. Zwei Beamte begleiten ihn bei dem genehmigten Ausflug - und lassen ihn in dem Brauhaus allein zur Toilette gehen. Er flüchtet, wird drei Tage später aber wieder gefasst.
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Spektakuläre Gefängnisausbrüche: Filmreife Flucht

  • Mai 2014: Zwei Insassen des Gefängnisses Berlin Moabit zersägen die Gitterstäbe in ihren Zellen. Anschließend seilen sie sich mit Hilfe von Bettlaken und Handtüchern ab, überwinden eine meterhohe Mauer und einen Stacheldrahtzaun. Es dauert mehr als zwei Monate, ehe beide Ausbrecher gefasst werden.
  • Mai 2013: Mit einem einfachen Trick täuscht ein 32-Jähriger das Wachpersonal im Dresdner Gefängnis. Er gibt sich als ähnlich aussehender Zellennachbar aus, der aus der Haft entlassen werden soll. Der 32-Jährige bekommt die persönlichen Sachen des Mithäftlings ausgehändigt und spaziert schließlich durch das Tor der JVA in die Freiheit. Drei Wochen später wird er wieder festgenommen.
  • August 2009: Zwei Nürnberger Untersuchungshäftlinge durchbrechen mit einem Schraubenzieher die hölzerne Decke in der Toilette ihrer Zelle und gelangen so auf den Dachboden. Vom Dach klettern sie auf die Anstaltsmauer und seilen sich an zusammengeknoteter Bettwäsche 15 Meter tief ab.
  • Oktober 2004: Schwerverbrecher Christian B. ist bereits mehrfach aus Gefängnissen entkommen. Nun benutzt er einen Gabelstapler und eine in der Schlosserei der JVA Lübeck selbstgebaute Metallleiter, um die fünfeinhalb Meter hohe Knastmauer zu überwinden. Auf seiner Flucht tötet der 48-Jährige einen Gärtner in Eutin, um dessen Identität anzunehmen. Wenige Tage später wird er festgenommen.
  • August 2004: Obwohl er unter besonders strengen Sicherheitsvorkehrungen untergebracht ist, kann ein Insasse der JVA Mannheim erneut ausbrechen. Der wegen Bandendiebstahls einsitzende Häftling kratzt mit seinem Essbesteck den Mörtel von der Zellenwand und stemmt einen Steinquader aus der Mauer. Durch das Loch gelangt der Mann in den Innenhof des Gefängnisses, der von einer Mauer umgeben ist. Auch auf dieses Hindernis ist er vorbereitet: Aus seinem Bettgestell hatte er sich eine Steigleiter gebastelt, mit der er auf die Mauerkrone klettert. Es ist der dritte Ausbruch des Mannes nach 1997 und 2000.
  • April 1993: Im hessischen Schwalmstadt wird der wegen dreifachen Mordes verurteilte Lothar L. von Komplizen auf spektakuläre Weise befreit - mit einem gestohlenen Schützenpanzer der Bundeswehr vom Typ "Fuchs". Das 18 Tonnen schwere Fahrzeug durchbricht vier Tore des Gefängnisses, rollt in den Innenhof, der Ausbrecher steigt ein und der Panzer braust davon. L. wird erst drei Monate später im Elsass wieder gefasst.
  • Auch ein Blick ins Ausland zeigt: Es gibt kaum eine Methode, die sich Häftlinge noch nicht ausgedacht haben, um aus dem Knast zu fliehen.

    Da ist zum Beispiel der britische Betrüger, der sich 2014 ein Mobiltelefon in seine Zelle in Wandsworth südwestlich von London schmuggeln lässt. Mit dem Smartphone erstellt er eine Website, die der offiziellen der Justizbehörden ähnelt. Von dieser Domain aus sendet er eine Mail an das Gefängnis und ordnet seine eigene Freilassung an - mit Erfolg. Wenige Tage später stellt er sich jedoch wieder den Behörden.

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    Flucht von Drogenboss Guzmán: Motorrad im Tunnel

    Oder Joaquín "El Chapo" Guzmán, der wohl berüchtigtste Drogenboss Mexikos: Zweimal gelingt ihm der Ausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis, zuletzt 2015 in der Stadt Almoloya de Juárez. 1,5 Kilometer lang ist der Tunnel, durch den er aus der Duschkabine seiner Zelle flieht. Unter Tage ist ein Motorrad auf Schienen installiert, an dem zwei Anhänger befestigt sind. Ein halbes Jahr später wird "El Chapo" erneut gefasst.

    In Griechenland gilt Vassilis Paleokostas als bekanntester Häftling des Landes. 2009 entkommt er mit einem weiteren Insassen per Hubschrauber aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Athen. Den beiden Häftlingen wird aus einem Helikopter eine Strickleiter zugeworfen, über die sie vom Gefängnishof an Bord klettern.

    Mit brachialer Gewalt wird 2013 ein Mitglied der Juwelenräuberbande "Pink Panther" aus der Haftanstalt in Orbe im Schweizer Kanton Waadt befreit. Zwei Komplizen durchbrechen mit Autos ein Tor der Gefängnismauer und ermöglichen mit Leitern die Flucht über den Sicherheitszaun. Die Fluchthelfer feuern mit Kalaschnikows und halten so das Sicherheitspersonal in Schach. Ein derartig brutaler Ausbruch sei in der Schweiz noch nie vorgekommen, sagte Béatrice Métraux, Mitglied der Kantonsregierung. "Es handelt sich eher um einen Einmarsch als um einen Ausbruch."

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    US-Gefängnis: Ein Ort für die schlimmsten Verbrecher

    Im US-Bundesstaat Colorado wäre eine solche Befreiungsaktion vermutlich nicht so erfolgreich verlaufen. Das Gefängnis ADX Florence gilt als härtester Knast der USA. Seit der Inbetriebnahme 1994 hat es keinen Ausbruch gegeben.

    mit Material von dpa

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