"Pulver-Kurt": Sprengstoff-Sammler drohen vier Jahre Haft

Er soll bewusst riskiert haben, sein ganzes Dorf in die Luft zu sprengen: Die Staatsanwaltschaft fordert nun vier Jahre Haft für den Waffen-Sammler, der als "Pulver-Kurt" bekannt wurde. Für das Urteil könnte ein neues medizinisches Gutachten den Ausschlag geben.

Waffensammler "Pulver-Kurt" mit seinem Verteidiger: 40 Kilo Sprengstoff gelagert Zur Großansicht
dapd

Waffensammler "Pulver-Kurt" mit seinem Verteidiger: 40 Kilo Sprengstoff gelagert

Bad Kreuznach - Im Prozess gegen den als "Pulver-Kurt" bekannt gewordenen Waffensammler aus dem rheinland-pfälzischen Becherbach fordert die Staatsanwaltschaft eine Gefängnisstrafe von vier Jahren. Der 64-Jährige habe bewusst eine riesige illegale Waffensammlung angehäuft und andere Menschen mit der unsachgemäßen Lagerung von Sprengstoff gefährdet, sagte die Staatsanwältin. Zudem habe er in mindestens 38 Fällen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen.

Der Rentner soll in seinem Wohnhaus und einem gemieteten Schuppen zahlreiche Gewehre und Waffen sowie 40 Kilo Sprengstoff gelagert haben. Anfang 2011 hatte die Polizei nach einer Anzeige das teilweise ungesicherte Waffenarsenal sichergestellt. Es war das größte illegale Waffen- und Sprengstoffdepot, das je bei einem Privatmann in der Bundesrepublik entdeckt wurde. Teile des Fundes wurden kontrolliert gesprengt. Die Gemeinde musste dafür vorübergehend evakuiert werden.

Der Verteidiger plädierte auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Sein Mandant habe die Waffen lediglich gelagert und nicht die Absicht gehabt, sie zu benutzen, sagte der Anwalt. Ansonsten führe er ein unbescholtenes Leben. "Ich möchte aber noch mal sagen, dass es mir sehr leid tut und ich mich bei allen Beteiligten entschuldigen möchte", sagte der Angeklagte mit tränenerstickter Stimme in seinem Schlusswort.

Ursprünglich hätte am Mittwoch das Urteil verkündet werden sollen. Dies wurde jedoch überraschend verschoben: Der Angeklagte habe gesundheitliche Probleme und sei nicht in der Lage, den Richterspruch entgegenzunehmen, teilte das Landgericht Bad Kreuznach nach den Plädoyers mit.

"Pulver-Kurt" sei "hochintelligent"

Eine Nervenärztin hatte vor der Verlesung der Anklageschrift ein neues Gutachten über den Geisteszustand des Angeklagten vorgestellt. Sie hält den Mann demnach für "hochintelligent" und konnte bei ihm kein Verhalten festgestellen, das eine verminderte Schuldfähigkeit rechtfertigen würde. Zudem habe der Beschuldigte weder einen "emotionalen Bezug" zu Waffen noch eine krankhafte Sammelleidenschaft, sagte die Medizinerin.

Der Angeklagte schätzte seine explosive Sammlung eher harmlos ein: Nach Aussagen eines Experten des Landeskriminalamts habe er angezweifelt, ob die Räumung des Dorfes überhaupt notwendig gewesen sei. Der Rentner habe es im Nachhinein zwar als sinnvoll erachtet, Teile der Waffen und des Sprengstoffes abbrennen zu lassen. Eine Evakuierung habe er jedoch für übertrieben gehalten, sagte der Kriminalbeamte.

Auch als Bauarbeiten an der Scheune durchgeführt wurden, soll der Beschuldigte über das Gefahrenpotential seines Waffenarsenals geschwiegen haben. Er habe sich "schon Gedanken darüber gemacht", aber kein Aufsehen erregen wollen, sagte der Angeklagte.

fhu/dpa/ddp/dapd

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