Die Staatsanwältin Angela Corey wird noch am Mittwoch Anklage gegen George Zimmerman im Fall Trayvon Martin erheben - das berichten die "Washington Post" und mehrere US-Fernsehsender. Welcher Vorwurf genau in der Anklageschrift stehen wird, war jedoch zunächst nicht bekannt. Die Staatsanwältin hat für 18 Uhr (US-Ortszeit) eine Pressekonferenz angekündigt. Weil die Staatsanwältin auf eine "Grand Jury" aus Geschworenen verzichtet, kann der Todesschütze George Zimmerman in erster Instanz nicht wegen Mordes angeklagt werden.
Zimmerman hatte zugegeben, den schwarzen US-Teenager Martin aus nächster Nähe erschossen zu haben. Er sagte aber, es sei Notwehr gewesen, als er in seinem Wohngebiet freiwillig eine Sicherheitspatrouille durchgeführt habe. Allerdings soll er Martin in einem Anruf bei der Polizei kurz vor der Tat mit einem rassistischen Schimpfwort bedacht haben. Der Anwalt von Martins Familie wirft ihm dagegen vor, den Jugendlichen "kaltblütig" ermordet zu haben. Der Teenager war unbewaffnet.
Der Fall hat landesweit Empörung ausgelöst. Bei Protestaktionen demonstrierten mehrere tausend Menschen gegen Rassismus. Auch US-Präsident Barack Obama hat sich in die Debatte eingeschaltet. Bei einer Ansprache in Washington vor knapp drei Wochen sprach er von einer "Tragödie". Er äußerte sich sehr persönlich: "Wenn ich an diesen Jungen denke, denke ich an meine eigenen Kinder." Er könne nachempfinden, was dessen Eltern nun durchmachten, sagte Obama. "Wenn ich einen Sohn hätte, würde er aussehen wie Trayvon."
Todesschütze Zimmerman selbst ist verschollen. "Ich bin mir nicht sicher, was er macht oder mit wem er spricht", sagte sein Rechtsanwalt, Craig Sonner. "Ich habe den Kontakt zu ihm verloren." Ob er wenigstens wisse, wo er sei? Sicher nicht mehr in seinem Heimatstaat: "Sie können aufhören, ihn in Florida zu suchen. Suchen Sie viel weiter weg."
Die Anwälte Zimmermans hatten wegen des eigenmächtigen Verhaltens ihres 28-jährigen Mandanten ihr Mandat niedergelegt. Zimmerman habe ohne ihr Wissen die mit dem Fall betrauten Sonderstaatsanwälte kontaktiert und mit einem Moderator des Senders Fox News telefoniert, kritisierte sein zweiter Anwalt Hal Uhrig.
usp/Reuters/AP
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