Fast sieben Wochen nach dem gewaltsamen Tod des schwarzen US-Teenagers Trayvon Martin hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den mutmaßlichen Täter erhoben. Sonderstaatsanwältin Angela Corey klagte den 28-jährigen George Zimmerman des Mordes mit bedingtem Vorsatz an. Zimmerman, der sich auf Floridas Notwehrgesetz berufen hat und untergetaucht war, habe sich gestellt und sei in Haft, sagte Corey am Mittwochabend vor Journalisten in Jacksonville.
"Wir haben diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen", versicherte die vor drei Wochen von Floridas Gouverneur Rick Scott eingesetzte Sonderstaatsanwältin. "Es ist die Suche nach Gerechtigkeit für Trayvon, die uns zu diesem Moment gebracht hat."
Der Fall hatte in den USA zu wochenlangen Demonstrationen und einer neuen Debatte über Rassismus geführt, nachdem die Polizei Zimmerman nach der Tat zunächst auf freien Fuß gesetzt hatte. Corey stritt ab, sich den Protesten gebeugt zu haben. "Wir ermitteln nicht aufgrund von öffentlichem Druck", sagte die Repulikanerin. Sie habe den Eltern Martins aber versprochen, "dass wir ihnen Antworten geben". Hier gehe es allein "um die Wahrheit".
Corey widersprach der von Zimmermans Familie kolportierten Behauptung, der 28-Jährige sei in der Tatnacht Ende Februar von dem unbewaffneten, 17-jährigen Martin angegriffen worden und habe sich nur selbst verteidigt. Sie nannte den "süßen Trayvon" das Opfer und Zimmerman "die Person, die für seinen Tod verantwortlich" sei. Sie sei sicher, dass sie dafür hinreichende Beweise habe.
Die Anklage gegen Zimmerman ist die schwerste, die Staatsanwältin Corey aussprechen kann. Im amerikanischen Rechtssystem gibt es die Unterscheidung zwischen vorsätzlichem Mord ("1st-degree murder") und Mord mit bedingtem Vorsatz ("2nd-degree murder"). Für eine Anklage wegen vorsätzlichen Mordes hätte Corey erst eine sogenannte "Grand Jury" aus Geschworenen einberufen müssen. Diese hatte die Staatsanwältin abgelehnt. Die Höchststrafe für Mord mit bedingtem Vorsatz ist lebenslange Haft.
Auch kritisierte die Staatsanwältin den Medienrummel um den Fall, der Hunderte von Journalisten in den Ort Sanford in Florida gebracht hat, wo die Todesschüsse fielen. "Nicht ohne Grund werden Fälle vor Gericht verhandelt, nicht in der Öffentlichkeit und in den Medien", sagte sie. Wo sich Zimmerman in Haft befinde, wollte sie nicht sagen, "zu seiner Sicherheit und der Sicherheit aller anderen". Zimmerman, der seit der Tat abgetaucht war und zuletzt auch den Kontakt zu seinen eigenen Anwälten abgebrochen hatte, habe sich jedenfalls freiwillig gestellt. Er werde derzeit ohne Kaution festgehalten.
Das US-Justizministerium führt zurzeit parallel eigene Ermittlungen zu dem Fall. Hier könnte es ebenfalls noch zu einer separaten Anklage auf Bundesebene kommen.
Dass Zimmerman die tödlichen Schüsse auf den US-Teenager Martin abgegeben hat, gab er bereits bei einer früheren Vernehmung zu. Er sagte jedoch, er habe aus Notwehr gehandelt. Martin war in der Halbzeitpause eines Basketballspiels auf dem Weg zum Kiosk, als er auf Zimmerman traf. Dieser erschoss ihn laut Zeugenaussagen aus nächster Nähe.
Kurz vor der Tat soll Zimmerman den Teenager in einem Anruf bei der Polizei mit einem rassistischen Schimpfwort bedacht haben. Der Anwalt von Martins Familie wirft ihm vor, den Jugendlichen "kaltblütig" ermordet zu haben. Martin war unbewaffnet.
Auch US-Präsident Barack Obama hatte sich in die Debatte eingeschaltet. Bei einer Ansprache in Washington vor knapp drei Wochen sprach er von einer "Tragödie". Er äußerte sich sehr persönlich: "Wenn ich an diesen Jungen denke, denke ich an meine eigenen Kinder." Er könne nachempfinden, was dessen Eltern nun durchmachten, sagte Obama. "Wenn ich einen Sohn hätte, würde er aussehen wie Trayvon."
pit/usp/AP/Reuters
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