Massenrausch bei Seminar Psychotherapeut zu Bewährungsstrafe verurteilt

Krämpfe und Wahnvorstellungen: Ein Massenrausch bei einem Seminar löste einen Großeinsatz von Rettungskräften in Niedersachsen aus. Nun ist der Seminarleiter zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Der Angeklagte Stefan S. im Landgericht Stade (Archiv)
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Der Angeklagte Stefan S. im Landgericht Stade (Archiv)


Der wegen des Massenrausches in Handeloh angeklagte Psychotherapeut erhält eine Bewährungsstrafe. Das Landgericht Stade verurteilte den 53-Jährigen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten zur Bewährung.

Er sei des Besitzes und der Abgabe von Drogen in nicht geringer Menge schuldig, sagte der Vorsitzende Richter. Ein Berufsverbot, wie von der Anklage gefordert, verhängte die Kammer nicht.

Psychotherapeut Stefan S. hatte im September 2015 ein Seminar zur Bewusstseinserweiterung veranstaltet und dabei Drogen eingesetzt. Die 27 Teilnehmer kamen mit Krämpfen, Atemnot und Wahnvorstellungen ins Krankenhaus. Manche waren in Lebensgefahr. Mehr als 160 Rettungskräfte waren im Einsatz.

Der Angeklagte hatte gleich zu Beginn des Verfahrens eingeräumt, bei dem Seminar Drogen eingesetzt zu haben. "Ich bestätige, dass die Anklagevorwürfe zu Recht erhoben wurden", sagte S. am ersten Prozesstag. Er habe den Seminarteilnehmern Kapseln mit dem Halluzinogen 2C-E angeboten, in denen ohne sein Wissen auch die psychoaktive Substanz DragonFly enthalten gewesen sei.

Laut Anklage sollte bei dem Seminar im Rahmen einer äußerst umstrittenen Therapieform, der sogenannten Psycholyse, eine Bewusstseinserweiterung erreicht werden. Das bestritt der Angeklagte, auch wenn er die Therapieform begrüße. Dafür sei 2C-E in der verabreichten Dosis unbrauchbar. Er selbst und seine Frau hätten die Substanz unwissentlich eingenommen, wohl beim Trinken, sagte er.

Das Verfahren gegen seine Frau, die das Treffen mitorganisiert hatte, wurde bereits gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

wit/dpa

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