Stadt Corby Geburtsfehler vieler Kinder kommen von Umweltverschmutzung

Ihre Kinder kamen in der englischen Stadt Corby mit deformierten Händen und Füßen zur Welt: Nun gab ein Gericht den Familien dieser Kinder recht. Die Geburtsfehler stammen demnach von der Umweltverschmutzung während des Abrisses einer früheren Stahlhütte.


London - Die Anwälte der Kläger argumentierten, die Mütter der heute zwischen neun und 22 Jahre alten Kinder seien in der Schwangerschaft einer "atmosphärischen Suppe giftiger Stoffe" ausgesetzt gewesen. In 16 der insgesamt 18 Fälle sah das Gericht in London einen Zusammenhang als erwiesen an und sprach die Verantwortung für die Missbildungen der Bezirksverwaltung von Corby zu.

1980 war in der Stadt ein Stahlwerk geschlossen worden. Von 1985 bis 1999 wurde das 275 Hektar große Gelände von den Behörden saniert, wobei nach Ansicht des Gerichts gefährliche Gase freigesetzt wurden. In den folgenden Jahren kamen in Corby, 140 Kilometer nördlich von London, immer wieder Kinder mit deformierten Händen und Füßen und fehlenden Fingern zu Welt

Die Häufung von angeborenen Missbildungen zwischen 1989 und 1999 sei "statistisch signifikant", erklärte Richter Robert Akenhead. Die Frage, ob die Geburtsfehler tatsächlich durch die Luftverschmutzung verursacht worden seien, solle zu einem späteren Zeitpunkt geklärt werden.

Audrey Barfield, deren 13-jähriger Sohn Dylan zu den Klägern gehörte, äußerte sich glücklich über das Urteil. "Wir wussten, dass wir recht hatten", sagte Barfield, deren Sohn mit einen missgebildeten Fuß zur Welt kam. Der Anwalt der Kläger, Des Collins, rief die Bezirksverwaltung auf, die Betroffenen möglichst rasch zu entschädigen. Stadtratschef Chris Mallender zeigte sich hingegen enttäuscht über die Gerichtsentscheidung und schloss eine Berufung nicht aus. Die Bezirksverwaltung vertrete nach wie vor die Auffassung, dass zwischen dem Abriss des Stahlwerks und den Missbildungen kein Zusammenhang bestehe.

jjc/AP/dpa



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