Stammesfehden Erneut westliche Touristen im Jemen entführt

Nur einen Tag nach der Freilassung der Familie Chrobog wird aus dem Jemen eine erneute Entführung gemeldet. Fünf italienische Urlauber sind in der ostjemenitischen Provinz Marib gekidnappt worden - die Frauen unter ihnen wurden nach wenigen Stunden wieder freigelassen.


Aden/Berlin - Die Entführer ließen nach Angaben aus Sicherheitskreisen drei weibliche Geiseln frei. Zwei Italiener befänden sich weiterhin in der Hand der Entführer, hieß es in den Kreisen weiter. Verhandlungen über deren Freilassung seien im Gange.

Mitglieder des Al-Saidi-Stammes hatten die italienischen Urlauber heute entführt. Die Touristen seien in der Provinzhauptstadt Mrib als Geiseln genommen und in die Bergregion von Serwah gebracht worden. Die Kidnapper verlangten die Freilassung von acht inhaftierten Stammesangehörigen.

Erst am Samstag waren der deutsche Ex-Staatssekretär Jürgen Chrobog und seine Familie nach dreitägiger Entführung im Jemen wieder freigekommen. Er und seine Familie hätten zu keinem Zeitpunkt ihr Leben bedroht gefühlt, sagte der 65-Jährige im südjemenitischen Aden vor Journalisten. Ihnen sei klar gewesen, dass es sich bei den Entführern nicht um Terroristen gehandelt habe.

Die Familie verbrachte die Silvesternacht in Aden in einem Hotel. Heute kehrt sie nach Deutschland zurück. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums soll das Ehepaar Chrobog mit seinen drei Söhnen auf dem Flughafen Köln-Wahn ankommen.

Zuvor habe sich der ehemalige Krisenmanager im Auswärtigen Amt noch mit dem jemenitischen Staatspräsidenten Ali Abdullah Salih getroffen, der sich für die Freilassung eingesetzt hatte.

In Berlin wurde die Freilassung der Familie mit Erleichterung aufgenommen. "Nach unserem ersten Eindruck hat die Familie die Geiselnahme, die mehrere Tage andauerte, ohne Schäden an Leib und Seele gesund überstanden", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Die Bundesregierung sei "sehr glücklich über den guten Ausgang". Der Außenminister dankte besonders Staatspräsident Salih für ein "engagiertes und umsichtiges Vorgehen".

Der jemenitische Vize-Außenminister Mohy al-Dhabbi entschuldigte sich im Namen seines Landes für die Entführung. Das wertete Steinmeier "mit großem Respekt". Die Geiselnahme habe keinen terroristischen Hintergrund gehabt, sondern gehe auf Stammesstreitigkeiten zurück. Die Chrobogs seien zufällig Opfer geworden.

Einige Entführer wurden noch gestern festgenommen. Die vier Männer würden vor Gericht gestellt, sagte der Sprecher des jemenitischen Botschafters in Berlin. Die Führer des Abdallahstammes hätten die Vereinbarung mit der Regierung, die zur Freilassung der Chrobogs führte, unterzeichnet. Danach hat sich die Regierung in Sanaa verpflichtet, fünf Mitglieder eines rivalisierenden Stammes festzusetzen. Die Übergabe der Geiseln fand in der bergigen Schabwa-Region statt, rund 450 Kilometer östlich der Hauptstadt Sanaa. Mit den Chrobogs ließen die Kidnapper zwei jemenitische Fahrer und einen Reiseleiter frei.

Die Verhandlungen über die Freilassung hatten sich zur Nervenprobe entwickelt. Steinmeier hatte die Regierung in Sanaa dringend um eine schnelle und gewaltfreie Lösung gebeten. Er hatte seit Donnerstag mit einer Freilassung noch vor dem Jahreswechsel gerechnet.



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