Falscher Stasi-Verdacht gegen Thüringer V-Mann Bundesarchiv entschuldigt sich für Recherche-Panne

"In der Zeile vertan": Der frühere NPD-Funktionär und V-Mann Kai-Uwe Trinkaus hat offenbar doch keine Stasi-Vergangenheit. Wie das Bundesarchiv nun einräumen musste, handelte es sich bei dem Verdacht um eine Verwechslung.

Von und Steffen Winter

Vorwürfe gegen Kai-Uwe Trinkaus: "Bedauerlicherweise in der Zeile vertan"
WAZ FotoPool/ Thüringer Allgemeine

Vorwürfe gegen Kai-Uwe Trinkaus: "Bedauerlicherweise in der Zeile vertan"


Erfurt/Freiburg - Der Verdacht, wonach der frühere Erfurter NPD-Funktionär und Verfassungsschutz-Informant Kai-Uwe Trinkaus zu DDR-Zeiten der Stasi zu Diensten gewesen sein könnte, beruht offenbar auf einer peinlichen Verwechslung im Militärarchiv des Bundesarchivs in Freiburg.

Mit Schreiben vom 30. April hatte die Behörde einem Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags mitgeteilt, dass Trinkaus in den Achtzigerjahren "Offiziersschüler des Ministeriums für Staatssicherheit" (MfS) gewesen sei.

Nun musste das Archiv einräumen, dass diese Auskunft an das Parlament "fehlerhaft" war. Eine "nochmalige Überprüfung des Archivguts", so schrieb die Behörde am Montag an den Landtag, habe ergeben, dass aus den aufgefundenen Akten doch nicht hervorgehe, "dass Herr Kai-Uwe Trinkaus Offiziersschüler des Ministeriums für Staatssicherheit gewesen" sei.

"Die zuständige Sachbearbeiterin", so das Bundesarchiv, habe sich bei der Auswertung der entsprechenden Unterlagen "bedauerlicherweise in der Zeile vertan". Dies hätte "trotz des überformatigen, zweifach einklappbaren Nachweisdokuments mit insgesamt 74 Spalten nicht geschehen dürfen". Tatsächlich sei der Vermerk "MfS" in Spalte 74, aus dem das Archiv eine Stasi-Verbindung von Trinkhaus ableitete, "einer anderen Person zugeordnet" gewesen.

Am Ende des Schreibens, dass SPIEGEL ONLINE vorliegt, bat der Leiter des Freiburger Militärarchivs den Landtag in Erfurt, "diesen Fehler und die daraus entstehenden Unannehmlichkeiten zu entschuldigen".

Trinkaus selbst hatte nach Bekanntwerden des Verdachts eine Zusammenarbeit mit der Stasi abgestritten. Gegenüber dem MDR Thüringen hatte er gesagt, dass er sich das Dokument nicht erklären könne.



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