Kriminalstatistik: Zahl der Verurteilungen in Deutschland rückläufig

Deutsche Gericht haben 2011 knapp 808.000 Personen rechtskräftig verurteilt. Das sind zehn Prozent weniger als vor fünf Jahren. Am größten ist der Rückgang bei Jugendlichen und Heranwachsenden.

Wiesbaden - 2011 haben deutsche Gerichte so wenige Menschen rechtskräftig verurteilt wie nie zuvor seit Beginn dieser Erhebung im Jahr 2007. Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im vergangenen Jahr rund 807.800 Menschen schuldig gesprochen. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Verurteilten um knapp ein Prozent zurück, im Vergleich zu 2007 sogar um etwa zehn Prozent.

Besonders stark war der Rückgang bei Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) und Heranwachsenden (18 bis 20 Jahre): Der Statistik zufolge wurden 2011 rund 127.750 Personen dieser Altersgruppen rechtskräftig verurteilt, 18 Prozent weniger als 2007. Dennoch wurden Jugendliche und vor allem Heranwachsende bezogen auf ihren Anteil an der Bevölkerung viel häufiger verurteilt als Erwachsene ab 21 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, verurteilt zu werden, ist bei Männern deutlich höher als bei Frauen und in der Altersgruppe von 20 bis 25 Jahren am höchsten.

Mehr als jeder Fünfte (21 Prozent) wurde 2011 wegen Straftaten im Straßenverkehr belangt, teilte das Statistische Bundesamt mit. Wegen Mord, Totschlag, Körperverletzung und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden 16 Prozent verurteilt.

Fast drei Viertel (72 Prozent) aller verurteilten Angeklagten kamen mit einer Geldstrafe davon. Zu einer Freiheits- oder Jugendstrafe wurde fast jeder Fünfte (18 Prozent) verurteilt. Bei sieben von zehn dieser Angeklagten wurde die Gefängnisstrafe aber zur Bewährung ausgesetzt. So kamen nur rund 44.000 Jugendliche, Heranwachsende und Erwachsene ins Gefängnis. Etwa jeder zehnte Angeklagte musste nach dem Jugendstrafrecht in den Arrest oder Arbeitslauflagen und Weisungen erfüllen.

Die Richter wendeten bei 87 Prozent der Verurteilten das Strafrecht und bei 13 Prozent das Jugendstrafrecht an. Darunter waren zahlreiche Heranwachsende im Alter von 18 bis 20 Jahren. Das am Erziehungsgedanken ausgerichtete Jugendstrafrecht kann auch für Heranwachende angewendet werden, wenn das Gericht eine verzögerte Reife feststellt. Dies war 2011 bei zwei von drei verurteilten Heranwachsenden der Fall.

ulz/dpa

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