Staufener Missbrauchsfall Ministerpräsident verspricht Aufarbeitung

Jahrelang bot eine Mutter gemeinsam mit ihrem Partner ihren Sohn bei Freiburg zum Missbrauch an - trotz der Kontrolle durch Gerichte und Ämter. Jetzt hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann reagiert.

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg
DPA

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg


Im Staufener Missbrauchsfall hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann eine umfassende Aufarbeitung angekündigt. "Wir müssen genau schauen, ob und welche Fehler in diesem konkreten Fall gemacht wurden", sagte der Grünen-Politiker. Mögliche Verbesserungen beim Kinder- und Jugendschutz müssten geprüft werden.

Ein Paar aus dem badischen Staufen hatte einen heute Zehnjährigen mehr als zwei Jahre missbraucht und im Darknet für Vergewaltigungen angeboten. Die Mutter war am Dienstag vom Landgericht Freiburg zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden, ihr 39 Jahre alter Lebensgefährte zu zwölf Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Fotostrecke

16  Bilder
Missbrauchsfall Staufen: Chronologie des Grauens

Kretschmann äußerte sich erstmals zu dem Missbrauchsfall. "Diese schrecklichen Taten sind unfassbar und für jeden normal denkenden Menschen unvorstellbar, mir geht das auch persönlich tief unter die Haut", sagte er.

Bei den Ermittlungen zu dem Missbrauchskomplex kamen nicht nur grausame Verbrechen ans Licht. Sondern auch Versäumnisse seitens Familiengerichten und Behörden: So war das Kind zwar einige Monate vor der Verhaftung des Paares aus der Familie genommen worden.

Kurz darauf kam der Junge auf Veranlassung des Familiengerichts aber wieder zurück zur Mutter. Die Richterin am Freiburger Amtsgericht hatte dabei das Kind nicht befragt und ihm auch keinen Verfahrensbeistand zur Seite gestellt. Die Vorgeschichte von Christian L. kannte sie nur unzureichend.

Kretschmann zufolge hat die Landesregierung bereits eine Arbeitsgruppe aus Sozial-, Justiz- und Innenministerium eingerichtet. "Diese Arbeitsgruppe wird nun nach Abschluss des Gerichtsverfahrens und der Auswertung des Berichts der Behörden vor Ort zeitnah Ergebnisse liefern", sagte er.

jpz/dpa

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.