Belgien Sexualstraftäter wird Recht auf Sterbehilfe gewährt

In Belgien hat sich ein Sexualstraftäter das Recht auf assistierten Suizid erstritten: Frank Van Den Bleeken machte geltend, dass er psychisch unheilbar krank und eine Gefahr für die Gesellschaft sei. Er leide im Gefängnis "unerträgliche Qualen".


Brüssel - Der Sexualstraftäter Frank Van Den Bleeken sitzt seit mehr als 30 Jahren im Gefängnis, wegen mehrfacher Vergewaltigung und Mordes. Er selbst hält sich für psychisch unheilbar krank - und hat sich das Recht auf ärztlich assistierten Suizid erstritten.

Der Häftling erfülle dafür die rechtlichen Voraussetzungen, sagte sein Anwalt Jos Vander Velpen am Montag im belgischen Fernsehen. "Seit mehreren Jahren wird er von mehreren Ärzten und Psychologen behandelt und ihr Fazit ist, dass er unerträglich leidet." Van Den Bleeken macht "unerträgliche psychische Qualen" geltend, die er im Gefängnis erleiden müsse.

Eine Sprecherin des Justizministeriums bestätigte, dass der Mann in einem Krankenhaus seinem Leben ein Ende setzen dürfe. Van Den Bleekens Anwalt sagte, dies werde "bald" geschehen, einen genaueren Zeitpunkt könne er jedoch nicht nennen.

Der verurteilte Straftäter betrachtet sich selbst als Gefahr für die Gesellschaft und will daher nicht freigelassen werden. "Wenn Menschen eine Sexualstraftat begehen, dann muss man ihnen helfen, damit umzugehen", sagte er in einer TV-Dokumentation. "Sie nur einzusperren hilft niemandem - nicht der Person, nicht der Gesellschaft und nicht den Opfern."

Der Häftling beantragte bereits vor drei Jahren gemäß einem Gesetz von 2002 das Recht, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, wie auch die BBC berichtet.

Im vergangenen Jahr nahmen in Belgien 1807 Menschen Sterbehilfe in Anspruch. Das waren 27 Prozent mehr als 2012.

Im Februar 2014 hatte das Parlament des Landes einer umstrittenen Gesetzesänderung zugestimmt - die Altersgrenze bei Sterbehilfe wurde abgeschafft, auch bei Kindern und Jugendlichen ist sie seitdem erlaubt.

kha/AFP/Reuters

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