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Tote bei Massensterilisierung in Indien: Medikamente offenbar mit Rattengift verunreinigt

Frauen, die die Massensterilisierung in Bilaspur überlebt haben: Verunreinigte Medikamente? Zur Großansicht
REUTERS

Frauen, die die Massensterilisierung in Bilaspur überlebt haben: Verunreinigte Medikamente?

Die indische Polizei hat den Besitzer einer Arzneimittelfabrik festgenommen. Medikamente aus seiner Produktion sollen Rattengift enthalten haben - und für den Tod von 13 Frauen nach einer Massensterilisierung verantwortlich sein.

Neu-Delhi - Verunreinigte Medikamente haben vermutlich den Tod von 13 Inderinnen nach einer Massensterilisierung ausgelöst. Der Besitzer der Arzneimittelfabrik Mahawar Pharma im Bundesstaat Chhattisgarh und sein Sohn seien festgenommen worden, teilten die Behörden mit. Die Medikamente - ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel - waren zuvor zur chemischen Analyse in staatliche Labore geschickt worden.

Das vorläufige Ergebnis der Tests: In den Tabletten wurde Zinkphosphid gefunden - ein Stoff, der normalerweise als Rattengift eingesetzt wird. Das teilten der Gesundheitsminister von Chhattisgarh, Amar Agawal, und der Verwaltungschef der Stadt Bilaspur, Siddhartha Pardeshi, mit. Den beiden festgenommen Pharmaproduzenten werde zudem vorgeworfen, Beweismittel in dem Fall vernichtet zu haben, sagte ein Polizeisprecher.

Nach einer Massensterilisierung am vergangenen Wochenende waren 13 Frauen gestorben. Ein Arzt und ein Assistent hatten im Vier-Minuten-Takt 83 Frauen die Eileiter durchtrennt. Kurz nach den Operationen klagten die Frauen über Schmerzen, Übelkeit und Fieber, fast alle wurden in Krankenhäuser eingeliefert.

Arzt bleibt ebenfalls in Haft

Die Arzneimittelfabrik Mahawar Pharma war bereits 2012 negativ aufgefallen. Damals durfte sie 90 Tage lang keine Medikamente produzieren, weil minderwertige Substanzen verarbeitet worden waren. Die Produktionslizenz verlor das Unternehmen jedoch nicht. Trotzdem werde nun untersucht, warum bei der tödlichen Massensterilisierung Mahawar-Pharma-Tabletten verwendet wurden - und nicht die Medikamente aus dem staatlichen Bestand, sagte Minister Agawal.

Proben der verunreinigten Tabletten sollen nun noch in Neu-Delhi und Kalkutta analysiert werden. So solle überprüft werden, ob die Medikamente tatsächlich für den Tod der Frauen verantwortlich seien, sagte Pardeshi. Er erwarte, dass das vorläufige Ergebnis bestätigt werde. "Die Symptome der Patientinnen waren identisch mit denen einer Zinkphosphid-Vergiftung."

Die Obduktion der Leichen hat den Angaben zufolge keine Hinweise auf Operationsfehler geliefert. Der verantwortliche Arzt bleibt trotzdem weiter in Haft, ihm wird vorgeworfen, zu viele Operationen an einem Tag durchgeführt zu haben. Der Mediziner beteuert seine Unschuld am Tod der Frauen und macht ebenfalls die Medikamente, die während des Eingriffs verabreicht wurden, für den Skandal verantwortlich.

Sterilisierungen sind ein wichtiger Teil des Familienplanungsprogramms der indischen Regierung, mit der sie die Zahl der Geburten kontrollieren will. Wie üblich erhielten die Frauen umgerechnet knapp 20 Euro für den Eingriff. Obwohl dieser offiziell freiwillig ist, werden Frauen immer wieder zu Sterilisierungen genötigt. Ein Grund dafür ist nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen, dass die Bundesstaaten den örtlichen Behörden und den Ärzten zumindest inoffiziell Quoten vorgeben, die sie erfüllen müssen.

wit/Reuters/AFP/AP

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insgesamt 4 Beiträge
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1.
humpalumpa 15.11.2014
Wie kann sowas passieren? Das ist mir völlig unverständlich. Nebenbei finde ich die Massensterilisierungen als normale Maßnahme zur Bevölkerungsregulierung in Indien ziemlich daneben. Das Problem sind ja offensichtlich dort eher die Herren die Ihre Männlichkeit offensichtlich nicht beherrschen können. Sollten die dann nicht eher kastriert werden und mal in der Erziehung generell dort umgedacht werden?
2.
kumi-ori 16.11.2014
Sterilisierungen gibt es ja nicht nur in Indien sondern sogar in Deutschland und sie können je nach persönlicher Situation das Mittel der Wahl sein. Systematische Sterilisierungen geht eigentlich gar nicht. Möglicherweise sind aber manche Menschen anderen Verhütungsmethoden nicht zugänglich. Ihren generellen Angriff auf die Männer finde ich hingegen reichlich plump. Abgesehen davon, dass vielleicht auch manche Damen ihre Weiblichkeit nicht beherrschen könnten, ist es doch keine schlechte Idee, den Sex bei Bedarf von der Fortpflanzung zu entkoppeln. Lebenslange Keuschheit nach dem zweiten Kind ist nicht nur für die meisten Männer sondern auch für die Frauen schwer vorstellbar.
3.
wolfgang.eisele 21.11.2014
Nur mal zur Erinnerung: ein sehr großer Teil der in D verkauften Medikamente kommt aus Indien. Einige der größten Generikafirmen (z.B. Betapharm, Basics und einige andere) sind komplett im Besitz indischer Pharmakonzerne. Noch Fragen? Geiz ist geil und no risk no fun.
4. Frauen sterilisieren?
noatron 02.12.2014
bei Männern wäre diese Massnahme DEUTLICH effektiver und unproblematischer...
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