Vergewaltigung in Ohio: Minderjährige Football-Spieler müssen in Haft

Vergewaltigung einer 16-Jährigen: Urteil in Steubenville Fotos
REUTERS

Das Football-Team war der Stolz von Steubenville, bis Spieler der Schulmannschaft eine 16-Jährige vergewaltigten. Zwei von ihnen müssen nun ins Gefängnis. Ermittlungen laufen auch noch gegen weitere Personen - wollten sie durch ihr Schweigen den Ruf des Teams und der Kleinstadt schützen?

Steubenville - Zwei Football-Spieler einer Schulmannschaft in den USA müssen für mindestens ein Jahr ins Gefängnis, weil sie eine betrunkene Mitschülerin vergewaltigt haben. Ein Gericht in Steubenville im US-Bundesstaat Ohio verurteilte die 16- und 17-Jährigen. Beide könnten bis zu ihrem 21. Geburtstag im Gefängnis bleiben. Die Jugendlichen weinten nach dem Urteilsspruch. "Mein Leben ist vorbei", sagte einer von ihnen und fiel seinem Anwalt in die Arme.

Die beiden Jugendlichen hatten sich an dem Mädchen erst in einem Auto und dann erneut im Keller eines Hauses vergangen. "Sie haben sie wie ein Spielzeug behandelt", sagte Staatsanwältin Marianne Hemmeter. Das Opfer sei so betrunken gewesen, dass es unmöglich seine Einwilligung zum Sex habe geben können. Die Verteidigung argumentierte, das Mädchen habe gewusst, was es tue und sei als Lügnerin bekannt. Es hatte in dem Prozess ausgesagt, an den Abend keine Erinnerung zu haben.

Drei weitere Jugendliche, zwei davon Mitglieder der Footballmannschaft, sahen die Ereignisse an dem Abend. Sie griffen nicht ein, sondern fotografierten mit ihren Handys. Im Gegenzug für ihre Aussagen wurde ihnen Straffreiheit zugesichert. Sie bestätigten die sexuellen Übergriffe und sagten, das Mädchen sei so betrunken gewesen, dass es nicht mehr erkannt habe, was mit ihm geschah.

Der Fall ist mit dem Urteil noch nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft kündigte weitere Ermittlungen an. Es soll überprüft werden, ob weitere Schüler, Trainer oder Eltern sich etwas zu Schulden haben kommen lassen. 16 befragte Personen hätten sich nicht geäußert, sagte Staatsanwalt Mike DeWine. Sie hätten sich möglicherweise strafbar gemacht, weil sie die Vergewaltigung nicht angezeigt hätten.

Vergewaltigung fotografiert, gefilmt und Aufnahmen veröffentlicht

Zu den Befragten gehören die Besitzer der Häuser, in denen die Jugendlichen feierten, der Schuldirektor und die 27 Trainer des Teams. In dem Verfahren wurden etwa SMS präsentiert, die nahelegen, dass auch der Cheftrainer des Teams von den Vergewaltigungsvorwürfen wusste. Der Mann und der Schulbezirk verweigern jeden Kommentar.

Nach dem Urteil sagte die Mutter des Mädchens, die beiden Jugendlichen hätten "keinerlei Moral". "Ihr wart durch die sozialen Medien, auf denen ihr euer kriminelles Verhalten veröffentlicht habt, eure eigenen Ankläger."

Die Vergewaltigung nach einer Party am 11. August 2012 hatte weit über die Grenzen von Steubenville für Empörung gesorgt, weil Jugendliche - darunter auch die beiden Verurteilten - die Vergewaltigung der betrunkenen Mitschülerin im August 2012 filmten und fotografierten. Dann verbreiteten sie die Aufnahmen im Internet und per Handy.

Es tauchten weitere Videos auf, in denen andere Jugendliche sich die Tat ansehen und darüber lachen oder das Opfer beleidigen. Die Aufnahmen wurden von der Hacker-Gruppe Anonymous ins Netz gestellt. Die Aktivisten wollten damit beweisen, dass sich mehr als nur zwei Menschen eines Verbrechens schuldig gemacht haben.

Hinzu kamen Vertuschungsvorwürfe. Das Team aus Steubenville, einer Kleinstadt mit 18.000 Einwohnern, ist eines der besten im Bundesstaat Ohio, hat neun Landesmeisterschaften gewonnen. Man habe die Vergewaltigung vertuschen wollen, um den Ruf der Mannschaft und der Stadt nicht zu gefährden, hieß es.

Aktivisten, die eine Vertuschung befürchteten, sammelten auf einer Webseite Informationen zu dem Fall. Die Stadtverwaltung reagierte auf die öffentlichen Reaktionen, indem sie sich um Transparenz bemühte und auf steubenvillefacts.com Daten zu dem Verfahren und Beteiligten veröffentlichte. So sollte der Anschein vermieden werden, Personen mit eigenen Interessen seien an Ermittlungen oder Prozess beteiligt. So hieß es zum Polizeichef, er stamme weder aus Steubenville, noch besuche sein Kind eine Schule in dem Bezirk.

ulz/AFP/AP

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