Steuerbetrug Wesley Snipes muss für drei Jahre in Haft

Hollywood-Star in Haft: Der wegen Steuerbetrugs verurteilte Wesley Snipes versuchte, einer drohenden Gefängnisstrafe zu entgehen - vergeblich. Denn der Richter blieb hart. Der Action-Star soll nun tatsächlich die Höchststrafe für sein Vergehen verbüßen - drei Jahre im Bau.

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Los Angeles/Hamburg - Zwei Jahre Kampf - und am Ende eine bittere Niederlage. Wesley Snipes, 48, und seine Anwälte müssen sich geschlagen geben. Der Action-Star und verurteilte Steuersünder hatte vergeblich versucht, einer drohenden Haftstrafe zu entgehen. Am Freitag wies ein Richter in Florida jetzt einen weiteren Einspruch des Schauspielers ab.

Snipes habe einen fairen Prozess gehabt, führte Richter William Terrell Hodges auf 17 Seiten aus. "Die Zeit ist gekommen, dass das Urteil vollstreckt wird." 2008 war Snipes wegen Steuerbetrugs zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Während der Fall durch die Instanzen wanderte, war der Schauspieler auf freiem Fuß.

"Es ist einfach schockierend", sagte Snipes' Anwalt Daniel Meachum nach dem Richterspruch am Freitag der Zeitung "Orlando Sentinel". "Wesley ist sehr enttäuscht, aber er bleibt weiterhin stark und positiv."

Der Schauspieler gehört zur ersten Liga amerikanischer Action-Stars, konnte aber auch in anderen Genres reüssieren. 1986 debütierte er in dem Footballfilm "American Wildcats", 1991 drehte er mit Spike Lee das Drama "Jungle Fever", ein Jahr später glänzte er als großmäuliger Straßen-Basketballspieler in "Weiße Jungs bringen's nicht". Einem Massenpublikum bekannt wurde er schließlich mit Action-Blockbustern wie den "Blade"-Filmen oder "Demolition Man".

Snipes entschuldigte sich - vergeblich

Die Staatsanwaltschaft hatte Snipes vorgeworfen, von 1999 bis 2004 eine viel zu niedrige Einkommenssteuer gezahlt zu haben. Danach soll der Schauspieler dem Staat mehrere Millionen Dollar schulden. Die Verteidigung räumte Steuerversäumnisse ein, bezifferte den Schaden aber auf 228.000 Dollar. Snipes wies die Vorwürfe zurück und gab an, er sei falsch beraten worden.

In den Neunzigern hatte der Schauspieler vorschriftsmäßig seine Steuern gezahlt. Dann lernte er Eddie Ray Kahn kennen, Gründer einer Steuerprotestgruppe. Von 1999 bis 2004 hatte Snipes es daraufhin abgelehnt, Steuererklärungen einzureichen. In dieser Zeit unterzeichnete er den Angaben zufolge zwei Verträge über mehr als zehn Millionen Dollar (6,7 Millionen Euro) für Folgeepisoden des Kinofilms "Blade". Der ebenfalls angeklagte Kahn wurde des Steuerbetrugs und der Verschwörung schuldig gesprochen.

Snipes entschuldigte sich damals vor Gericht für seine "Fehler und Irrtümer". Das half dem Star aber nicht - ebenso wenig wie Briefe von prominenten Freunden des Stars, darunter Bittgesuche von Denzel Washington und Woody Harrelson, die sich für den Kollegen stark machten.

Richter Hodges verhängte 2008 die härteste mögliche Strafe. Es dürfe in der Öffentlichkeit nicht der Eindruck entstehen, "dass der reiche und berühmte Wesley Snipes davonkommen kann", hatte die Anklage gemahnt.

Snipes, seit 2003 mit der koreanischen Künstlerin Nikki Park verheiratet, mit der er vier kleine Kinder hat, ging in Berufung. Die Strafe sei unangemessen hart, argumentierten seine Anwälte vergeblich. Auch der Einwand, die Juroren seien voreingenommen gewesen, wurde abgewiesen.

Snipes könnte nun noch vor das Oberste US- Gericht ziehen - aber nicht mehr als freier Mann. An dem Antritt der Haftstrafe geht kein Weg vorbei.

tdo/dpa

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Seite 1
Klo, 25.04.2008
1.
Zitat von sysopHöchststrafe für Action-Star Wesley Snipes: Ein Richter in Florida hat den US-Schauspieler zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er jahrelang keine Einkommensteuer gezahlt hat. Ein hartes Urteil - sollte das ein Vorbild für deutsche Rechtsprechung sein?
Unbedingt. Steuerverbrechen sind Kapitalverbrechen gegen die Gesellschaft. Unsere Steuern sind nicht auch deshalb so hoch, weil sich sehr viele - vor allem Gutverdiener - mittlerweile davon verabschiedet haben. Hier wäre knallharte Justiz nun wirklich mal angebracht, anstatt z. B. Pendlern auf dem Weg zu ihrem 1000-Euro-Job auch noch die Kilometerpauschale zu neiden.
acitapple 25.04.2008
2. also bitte
3 ganze jahre ins gefängnis ? das halte ich einfach für maßlos übertrieben in diesem fall. er ist steuersünder, kein gewalttäter. die verhältnismäßigkeit stimmt hier überhaupt nicht. nachzahlung, geldstrafe, bewährungsstrafe wäre alles ok. @klo: wenn die reichen so wenig steuern zahlen liegt das vor allem auch daran, daß es so viele "legale" schlupflöcher gibt !
tomkey 25.04.2008
3.
von den usa lernen heißt siegen lernen! in diesem fall sicher etwas übertrieben - aber für deutsche gerichte mal ein beispiel, was bei konsequenter auslegung der jeweiligen landesgesetze möglich wäre.
Frank Wagner, 25.04.2008
4.
Zitat von sysopHöchststrafe für Action-Star Wesley Snipes: Ein Richter in Florida hat den US-Schauspieler zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er jahrelang keine Einkommensteuer gezahlt hat. Ein hartes Urteil - sollte das ein Vorbild für deutsche Rechtsprechung sein?
Moment mal, steh nich irgendwo in der US Verfassung das die Regierung gar keine Steuern erheben darf ?
matthias schwalbe, 25.04.2008
5.
Zitat von sysopHöchststrafe für Action-Star Wesley Snipes: Ein Richter in Florida hat den US-Schauspieler zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er jahrelang keine Einkommensteuer gezahlt hat. Ein hartes Urteil - sollte das ein Vorbild für deutsche Rechtsprechung sein?
Das Rechtssystem insbesondere der Strafvollzug in den USA ist mit dem in Deutschland nicht zu vergleichen. In den USA steht der Suehnegedanke an erster Stelle. Im Paragraph 1 des deutschen Strafvollzugsgesetz steht:...soll der Gefangene befaehigt werden ein Leben ohne Straftaten zu fuehren...." Das sind "2 paar Schuhe"
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