Verdacht der Steuerhinterziehung Der Prinz und sein Porsche-Problem

U-Haft statt Rotlicht: Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung sitzt der Pforzheimer Bordellbetreiber Prinz Marcus von Anhalt hinter Gittern. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen geht es in dem Verfahren um Luxuskarossen des Millionärs.

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Hamburg - Zurückhaltung und Bescheidenheit sind nicht unbedingt die Stärken von Prinz Marcus von Anhalt, der einmal Eberhardt mit Nachnamen hieß und aus Pforzheim stammt. Der frühere Metzger, aufgestiegen vom Zuhälter zu einem der erfolgreichsten Bordellbetreiber Deutschlands, zeigt gern her, was er hat: seine Frauen, seine Villen, seine Sportwagen. Doch gerade diese gelebte Liebe zum Automobil beschert dem Adoptivsohn Zsa Zsa Gabors derzeit gehörigen Ärger mit den Behörden.

Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung sitzt der 47-Jährige seit fast zwei Wochen in Untersuchungshaft. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen wirft die Staatsanwaltschaft Augsburg der Rotlichtgröße vor, in Steuererklärungen der Eberhardt Entertainment Enterprises (EEE) GmbH zu Unrecht Betriebsausgaben geltend gemacht zu haben. Es geht um viele hunderttausend Euro.

Konkret soll Prinz Marcus über Jahre hinweg Leasing- und Reparaturkosten von zwölf Luxuskarossen von der Steuer abgesetzt haben, obwohl er die Autos wohl vor allem privat nutzte. Bei den Wagen handelt es sich unter anderem um einen Mercedes SL 55 AMG, einen Porsche 911, einen Maybach, einen Rolls-Royce Ghost und um einen Ferrari F430. Offenbar war dem Finanzamt im bayerischen Neu-Ulm aufgefallen, dass auf die Betreiberfirma dreier Bordelle erstaunlich viele hochwertige Fahrzeuge zugelassen waren. Daraufhin leiteten die Beamten ein Strafverfahren ein.

"Ich habe 41 Autos"

Als Beleg dafür, dass die vermeintlichen Dienstwagen womöglich vor allem dem persönlichen Fahrspaß des Prinzen dienten, könnten den Ermittlern auch entsprechende Interviewäußerungen des Millionärs dienen. So sagte der Rotlichtunternehmer im Dezember 2012 dem Ulmer Stadtmagazin "SpaZz" in seiner gewohnt unbescheidenen Art: "Ich habe 41 Autos." Die Finanzbeamten nahmen diese Erklärung sogleich zu den Akten.

Prinz Marcus' Verteidiger, der Mainzer Rechtsanwalt Olaf Langhanki, wollte die Vorwürfe auf Anfrage nicht kommentieren. "Wir werden den Ermittlungsbehörden gegenüber noch ausführlich Stellung dazu nehmen", so Langhanki. Seinem Mandanten gehe es in der Untersuchungshaft "den Umständen entsprechend gut".

Doch "Prinz Protz", wie ihn die Boulevardzeitungen gern nennen, wird sich erst einmal einschränken müssen. Vor sechs Jahren hatte der Unternehmer dem SPIEGEL gesagt, er sei Millionär "im dreistelligen Bereich". Schon damals prahlte er mit seinem Reichtum: Er besitze Häuser und Wohnungen auf der ganzen Welt. 1000 Quadratmeter Wohnfläche in Los Angeles, 1000 in Pforzheim, 300 in Fort Lauderdale und 180 in Dubai, am Yachthafen. Sein Geld verdiente er seinerzeit nach eigenen Angaben mit 19 Geschäften, in denen mehr als tausend Prostituierte arbeiteten. Eros-Center, Tabledance-Bars, FKK-Clubs, überwiegend in Südwestdeutschland.

Festnahme nach Fehlalarm

Vor allem aber machte Prinz Marcus von sich reden, weil er einmal für 50.000 Dollar Pamela Anderson als Stargast des "Royal Race" buchte, einer Art Schnitzeljagd für Menschen mit teuren Autos, viel Geld und noch mehr Langeweile. "Das Mädel isch der Wahnsinn", pries der Ex-Lude seinen Gast hinterher.

Damals bekannte der Adoptiv-Prinz auch, er habe insgesamt vier Jahre im Gefängnis gesessen. So hatte etwa das Landgericht Karlsruhe Marcus Eberhardt im Sommer 2003 unter anderem wegen versuchter räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung, Zuhälterei und Menschenhandel zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Geschäftlich ist der Bordellbetreiber nach Erkenntnissen von Ermittlern seit einiger Zeit eng mit Frankfurter Hells Angels verbunden.

Die Festnahme des Unternehmers vor knapp zwei Wochen verlief nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen dennoch eher ungewöhnlich und alles andere als lehrbuchmäßig ab. Offenbar hatte der im Schweizer Ort Staad lebende Prinz durch eine Ungeschicklichkeit die deutsche Polizei auf sich aufmerksam gemacht: Zu Besuch in seiner Villa in der Nähe von Pforzheim löste er versehentlich die Alarmanlage aus. Daraufhin rückte eine Streife an, vergewisserte sich, dass nicht eingebrochen worden war, und fuhr wieder davon. Nach einer halben Stunde kamen die Beamten etwas zerknirscht zurück. Auf dem Revier hatten sie bei der Schreibarbeit festgestellt: Es gab einen Haftbefehl gegen Prinz Marcus.

Er müsse, so eröffneten die Beamten ihrem Gegenüber, jetzt bitte mitkommen.



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Seite 1
S0PN 26.04.2014
1. unglaublich
..wieviel Geld mit dem Elend der Prostituierten verdient werden kann. Wenigstens das Betreiben von Bordellen muß unbedingt verboten werden. In einem Land, in dem Bürger wegen Besitz von Kinder- Nacktbildern öffentlich "hingerichtet" darf das Rotlicht kein legales Gewerbe sein!
tsaag 26.04.2014
2. bezeichnend für die deutsche Polizei
die Polizisten fahren zum Haus des per Haftbefehl gesuchten, ohne zu wissen dass er auf der Fandungsliste steht. Da können ja viele gesuchte hoffen ....
B2theING 26.04.2014
3. Wertarmutsprinz
Viel schlimmer ist, dass diesem sog. Armutsprinzen immer wieder eine Plattform in einschlägigen Boulevardmedien gegeben wird. Das einzige , was er sich nicht kaufen kann, ist Medienpräsenz und die damit verbundene Bekanntheit. Aber dafür ist es mittlerweile ja zu spät, TAFF und Co. haben ihm auch diesen Traum erfüllt.
Thunder79 26.04.2014
4. ab in den Knast
neben Hoeneß ist noch ein Plätzchen frei. Für Menschen, die in Saus und Braus auf Kosten Anderer leben, ohne Rücksicht auf Verluste oder Ressoucen, habe ich nichts übrig.
ephlang 26.04.2014
5. das ist doch clever....
...solange Prosituierte für und mit ihm arbeiten und solange reiche (andere) Steuerhinterzieher seinen Service in Anspruch nehmen.Nur sollte der Staat ihm ordentlich Nachzahlungen aufbrummen,gleiches Recht für Alle,und auch noch ein Paar Jahre Knast siehe Hoeness. Keinen Unterschied machen und beim gleicher Gelegenheit eventuelle prominente Freunde auf ihre Steuerehrlichkeit überprüfen.Da der ehrewerte "Herr" auch noch Besitztuemer ausserhalb Deutschlands besitzt hat er dort vielleicht auch Steuern hinterzogen.
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