Holocaust-Leugner Erneuter Strafbefehl gegen Bischof Williamson

Im Fall des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson wird es voraussichtlich zu einer neuen Gerichtsverhandlung kommen. Das Amtsgericht Regensburg hat erneut Strafbefehl gegen den Piusbruder erlassen. Dessen Verteidigung kündigte Widerspruch an.

Bischof Williamson (2007): Verfahren zieht sich seit vier Jahren hin
ddp

Bischof Williamson (2007): Verfahren zieht sich seit vier Jahren hin


Regensburg - Das Amtsgericht Regensburg hat gegen den Holocaust-Leugner und erzkonservativen Bischof Richard Williamson erneut einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung erlassen. Der Bischof der Piusbruderschaft habe den Mord an Juden während der NS-Diktatur verharmlost, teilte ein Gerichtssprecher mit. Der Strafbefehl sieht eine Geldstrafe in Höhe von 100 Tagessätzen vor. Die Höhe der Strafe wollte der Sprecher nicht bekanntgeben.

Der Anwalt Williamsons kündigte an, fristgerecht Widerspruch gegen den Strafbefehl einzulegen. Damit müsste der Prozess gegen den 72-jährigen Bischof neu aufgerollt werden. Es habe keine neuen Ermittlungsergebnisse gegeben, so dass die Verteidigung von einem Freispruch ausgehe, heißt es in einer Mitteilung.

Williamson, Bischof der erzkonservativen Piusbruderschaft, hatte im Oktober 2008 im Priesterseminar der Vereinigung bei Regensburg einem schwedischen Fernsehteam ein Interview gegeben. Darin bestritt er die Existenz von Gaskammern und die millionenfache Tötung von Juden durch die Nazis. Das in Schweden ausgestrahlte Interview war auch im Internet veröffentlicht worden.

Das Amtsgericht in Regensburg hatte Williamson wegen seiner Äußerungen 2009 per Strafbefehl zur Zahlung von 10.000 Euro Strafe aufgefordert. Der Bischof lehnte ab, es kam zum ersten Prozess. Darin bestätigte das Amtsgericht 2010 die Geldstrafe, 2011 wurde diese in zweiter Instanz vom Landgericht auf 6500 Euro gesenkt. Dagegen legte Williamson erneut Revision ein. Im Februar kassierte das OLG Nürnberg das Urteil wegen Verfahrensmängeln. Die Richter hatten kritisiert, dass die Verbreitungswege des Interviews nicht dargelegt worden waren.

Der Fall Williamson hatte die katholische Kirche in eine schwere Krise gestürzt. Denn genau zu der Zeit, als das Interview öffentlich wurde, hatte der Vatikan die Aufhebung der Exkommunikation Williamsons und dreier weiterer Bischöfe der Piusbruderschaft bekanntgegeben. Papst Benedikt XVI. erklärte damals, er habe von dem Interview nichts gewusst.

hut/dpa/dapd



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