Tod wegen verweigerter Abtreibung Irisches Krankenhauspersonal bekommt milde Strafen

Weil Ärzte ihr eine Abtreibung verweigert hatten, starb die Inderin Savita Halappanawar in einem irischen Krankenhaus. Nun hat das Hospital die Konsequenzen gezogen. Neun verantwortliche Mitarbeiter wurden bestraft - allerdings ziemlich milde.

  Protest in Dublin: Abtreibungsbefürworter demonstrierten im November 2012 nach dem Tod einer jungen Inderin
AP

Protest in Dublin: Abtreibungsbefürworter demonstrierten im November 2012 nach dem Tod einer jungen Inderin


Galway - Ein Krankenhaus in Irland hat die Konsequenzen aus dem Tod der schwangeren Savita Halappanawar gezogen. Fast zwei Jahre, nachdem die 31-Jährige im University Hospital Galway starb, weil ihr eine Abtreibung verweigert wurde, hat die Klinik nun neun Mitarbeiter bestraft. Sie waren Teil des Teams, das Halappanawar betreute, bevor sie 2012 an einer Blutvergiftung starb, meldet "The Guardian".

Das Disziplinarverfahren sei bereits größtenteils abgeschlossen, teilte ein Sprecher des Krankenhauses mit, das Verhalten einzelner Mitarbeiter werde jedoch noch weiter geprüft. Die Strafen für die Mediziner fallen milde aus: Es seien spezielle Trainings und Beratungen angeordnet, in anderen Fällen seien schriftliche Warnungen ausgeteilt worden, sagte der Klinik-Sprecher. Das gesamte medizinische Team umfasse 30 Personen, 21 mit dem Fall befasste Mitarbeiter müssten nicht mit weiteren Konsequenzen rechnen.

Der Tod der jungen Inderin hatte eine emotionale Debatte in Irland ausgelöst und den Streit zwischen Abtreibungsgegnern und Befürwortern der Abtreibung im Land befeuert. Der Fall hatte bereits politische Folgen: Im Juli 2013 verabschiedete Irlands Parlament ein Gesetz, das einen Schwangerschaftsabbruch zulässt, wenn das Leben der Mutter gefährdet ist. Abtreibungen sind im katholisch geprägten Irland verboten.

Die in Irland lebende Halappanawar war in der 18. Woche schwanger, als sie das University Hospital Galway aufsuchte. Dort wurde sie in die Intensivstation eingewiesen, ihr Zustand verschlechterte sich täglich. Ärzte teilten der Frau mit, dass sie wahrscheinlich eine Fehlgeburt erleiden würde.

Als sie jedoch um eine Abtreibung bat, lehnten die Mediziner ab. Die Begründung: Das Herz des Kindes müsse aufhören zu schlagen, erst dann könne der Fötus entfernt werden. Drei Tage nach der Einlieferung der Schwangeren wurde die Abtreibung schließlich durchgeführt - zu spät: Halappanawar erkrankte an einer Blutvergiftung und starb vier Tage später.

Der Ehemann der Verstorbenen wird sich mit diesem Urteil vermutlich nicht zufrieden geben: Praveen Halappanavar strebt eine Klage gegen die die Geburtshelferin seiner Frau und das Irische Gesundheitsamt an.

las



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