Kindswohl wichtiger Ex-Liebhaber darf Recht auf Vaterschaftstest verweigert werden

Ein Mann wollte einen Vaterschaftstest durchsetzen. Seine Ex-Geliebte lehnte ab. Zu Recht, hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden. Das Kindeswohl wiege höher.

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
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Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte


Eine mögliche Vaterschaft begründet nicht immer ein Recht auf einen Vaterschaftstest - etwa wenn dadurch das Kindeswohl gefährdet werden könnte. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg entschieden.

Der Ex-Liebhaber einer verheirateten Frau wollte erfahren, ob er der Vater eines ihrer Kinder ist. Der Kläger hatte im Jahr 2004 eine Beziehung mit der verheirateten sechsfachen Mutter begonnen. Die Liebschaft endete, kurz nachdem die Frau im Oktober 2006 ein weiteres Kind geboren hatte.

Die Frau und ihr Ehemann verweigerten dem Beschwerdeführer den Kontakt zu dem Mädchen. Der Ex-Liebhaber wehrte sich vor deutschen Gerichten dagegen, scheiterte aber und konnte keinen Vaterschaftstest durchsetzen. Deshalb sah er sein Recht auf Achtung des Familienlebens verletzt und beschwerte sich in Straßburg gegen Deutschland.

Straßburg folgt Argumentation deutscher Gerichte

Doch der Gerichtshof folgte seiner Sichtweise nicht. Den deutschen Richtern sei es bei ihren Entscheidungen um das Wohl des Kindes gegangen, heißt es. Wäre die Vaterschaft des Mannes festgestellt worden, wäre womöglich die Familie des Mädchens zerbrochen.

Diese Argumentation der deutschen Gerichte überzeugte in Straßburg. Der Mann erhält deshalb auch keine Entschädigung von Deutschland. Er kann das Urteil innerhalb von drei Monaten anfechten.

tin/dpa



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