Innenstadt von Straßburg Schütze tötet mehrere Menschen - Regierung ruft höchste Terrorwarnstufe aus

Durch Schüsse auf einem Weihnachtsmarkt in Straßburg sind mindestens drei Menschen getötet worden, etwa ein Dutzend wurden verletzt, sechs von ihnen schwer. Der mutmaßliche Täter ist auf der Flucht.

PATRICK SEEGER/EPA-EFE/REX

Frankreich ist erneut von einem mutmaßlichen Terroranschlag erschüttert worden. Ein bewaffneter Angreifer hat nahe des Weihnachtsmarkts im elsässischen Straßburg am Dienstagabend mindestens drei Menschen erschossen und gut ein Dutzend Personen verletzt, sechs von ihnen sehr schwer. Die Polizei ging von einem terroristischen Hintergrund aus. Der Täter war am frühen Mittwochmorgen noch auf der Flucht (Lesen Sie hier alle Entwicklungen im Liveblog).

Frankreichs Regierung ließ nach dem Anschlag die höchste nationale Sicherheitswarnstufe ausrufen. Das bedeute verstärkte Kontrollen an den Grenzen des Landes, erläuterte Innenminister Christophe Castaner. Auch Weihnachtsmärkte würden stärker kontrolliert.

Der Verdächtige war nach Angaben von Innenminister Christophe Castaner polizeibekannt. Laut mehreren Quellen handelt es sich um einen 29-Jährigen, dessen Wohnung am Dienstag in Zusammenhang mit einem Raub durchsucht worden war.

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Frankreich: Tödliche Schüsse in Straßburg

Die Straßburger Polizeipräfektur erklärte, der Täter sei vom Inlandsgeheimdienst als Sicherheitsrisiko eingestuft gewesen. Über ihn sei ein sogenanntes "Fiche S" geführt worden. In dieser Kategorie werden rund 26.000 Personen geführt, von denen 10.000 als stark radikalisiert gelten, etwa durch salafistische Moscheen.

Der Mann sollte nach einem Medienbericht eigentlich am Dienstagmorgen verhaftet werden. Wie der Sender France Info unter Berufung auf Polizeiquellen berichtet, war er jedoch nicht zu Hause. Demnach wird ihm versuchter Mord vorgeworfen.

Straßburg war am Dienstagabend weiträumig abgesperrt. Auch das Europaparlament wurde abgeriegelt, ebenso der Weihnachtsmarkt.

Innenminister Christophe Castaner
AP

Innenminister Christophe Castaner

Motiv unklar

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron berief in Paris eine Krisensitzung ein. Er beriet sich am frühen Mittwochmorgen unter anderem mit Premierminister Édouard Philippe und Verteidigungsministerin Florence Parly. "Solidarität der gesamten Nation für Straßburg, unsere Opfern und ihre Familien", schrieb Macron auf Twitter.

Emmanuel Macron im Pariser Innenministerium, kurz vor Mitternacht
REUTERS

Emmanuel Macron im Pariser Innenministerium, kurz vor Mitternacht

Nach zwei Stunden stellte die Polizei Insidern zufolge den Angreifer. Bei dem Einsatz der Sicherheitskräfte waren Schüsse zu hören. Schon vor seiner Flucht sei der Mann von patrouillierenden Soldaten verletzt worden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Polizei. Nach Informationen des Senders France Info entkam er mit einem Taxi, das er gestohlen hatte. Etwa 350 Einsatzkräfte und mehrere Hubschrauber seien an der Fahndung beteiligt, hieß es aus dem Innenministerium.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker verurteilte die Tat. "Straßburg ist ein ausgezeichnetes Symbol des Friedens und der europäischen Demokratie. Werte, die wir immer verteidigen werden."

Das Motiv der Tat ist nach Angaben der Ermittler derzeit unklar. Eine US-Beobachtungsstelle erklärte, im Internet feierten Unterstützer der Terrormiliz "Islamischer Staat" den Angriff.

Augenzeugen schilderten die Lage am Weihnachtsmarkt im Sender BFM TV: "Es gab Schüsse, und dann rannten überall die Menschen", sagte ein Ladeninhaber. "Es dauerte ungefähr zehn Minuten."

Frankreich ist in der Vergangenheit von einer Welle islamistischen Terrors überzogen worden. Dort gilt seit Längerem eine stark erhöhte Alarmbereitschaft. Seit Anfang 2015 starben rund 240 Menschen bei Anschlägen.

Am deutsch-französischen Grenzübergang kontrollierte die Polizei am Dienstagabend Autos, die von Deutschland nach Frankreich fuhren. "Wir verstärken aktuell die Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze in diesem Bereich", teilte die Bundespolizei Baden-Württemberg auf Twitter mit. Später twitterte sie, dass der Verkehr einer grenzüberschreitenden Straßenbahn eingestellt worden sei. "Sofern möglich vermeiden Sie bitte aktuell den Grenzübertritt im Bereich Kehl", hieß es weiter. Kehl liegt gegenüber von Straßburg auf der deutschen Seite des Rheins.

wal/Reuters/dpa



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