Skandalbuch: Strauss-Kahn erringt Teilsieg gegen Ex-Geliebte

Juristin über Dominique Strauss-Kahn: Halb Mensch, halb Schwein Fotos
AP

Das Skandalbuch einer ehemaligen Liebhaberin von Dominique Strauss-Kahn wird nicht verboten. Dem Werk, das den Ex-IWF-Chef als "Mischwesen zwischen Mensch und Schwein" bezeichnet, muss der Verlag jedoch eine Erklärung beilegen - und er muss "DSK" 50.000 Euro Entschädigung zahlen.

Paris - Das Skandalbuch einer früheren Geliebten von Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn darf in Frankreich mit Einschränkungen erscheinen. Ein Pariser Gericht ordnete am Dienstagabend an, dass dem 128-seitigen Buch "Belle et Bête" (etwa: "Schöne und Biest") der Essayistin Marcela Iacub ein Zettel mit Hinweis auf Verstöße gegen das Persönlichkeitsrecht beigefügt werden muss.

Ein Anwalt des Verlags bot an, einer neuen Auflage einen Flyer mit einer Stellungnahme Strauss-Kahns beizulegen. Bei den 40.000 Exemplaren, die bereits an Buchläden ausgeliefert worden seien, sei dies aber unmöglich.

Der Verlag Stock und Iacub müssen Strauss-Kahn zudem 50.000 Euro Entschädigung wegen Verletzung der Privatsphäre zahlen.

Auch das Magazin "Le Nouvel Observateur", das am vergangenen Donnerstag Auszüge aus dem Buch sowie ein Interview mit der Autorin veröffentlicht hatte, wurde zur Zahlung von 25.000 Euro verurteilt. Es muss zudem auf seiner Titelseite die Gerichtsanordnung veröffentlichen. Einen Antrag Strauss-Kahns auf Beschlagnahme des Werks lehnte das Gericht hingegen ab.

"Vulgäres und unsensibles Mischwesen aus Mensch und Schwein"

"Belle et Bête" schlägt seit vergangenen Donnerstag in Frankreich hohe Wellen. Iacub gibt an, mit Strauss-Kahn von Januar bis August 2012 eine Affäre gehabt zu haben, was dieser nicht dementiert. In dem Buch kommt Strauss-Kahns Name zwar nicht vor, Iacub hat aber bestätigt, dass der einstige Hoffnungsträger der französischen Sozialisten die Hauptfigur ihres Buches ist. Sie beschreibt ihn als chauvinistisches, vulgäres und unsensibles Mischwesen aus Mensch und Schwein.

Vor Gericht hatte sich Strauss-Kahn zuvor schockiert gezeigt. Er nannte das Buch "verachtenswert und verlogen" und warf der Autorin vor, mit ihrem Angriff auf "einen Mann, der bereits am Boden liegt", nur Geld machen zu wollen. Offensichtlich habe sie sich keinerlei Gedanken gemacht, was dieses Buch für sein Leben, das seiner Familie und seiner Kinder bedeuten könne.

In einer ersten Reaktion sprach sein Anwalt Richard Malka von einer "ausgezeichneten Entscheidung" des Gerichts. Sie stärke den Schutz der Privatsphäre sowie "einige Prinzipien, auf denen unsere Demokratie basiert", sagte er auf iTélé. Es dürfe nicht angehen, dass immer mehr und größerer "Schund" veröffentlicht werde unter dem "Vorwand, dass es sich um Literatur und Journalismus handelt".

"Strauss-Kahn ist ein Schwein aber kein Vergewaltiger"

Strauss-Kahn war im Mai 2011 als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgetreten, nachdem er in New York wegen Vergewaltigungsvorwürfen festgenommen worden war. Ihm wurde vorgeworfen, in einem New Yorker Luxushotel ein Zimmermädchen zum Oralsex gezwungen zu haben. Ein Strafprozess wurde wegen mangelnder Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens später eingestellt, im Dezember setzte Strauss-Kahn mit einer außergerichtlichen Einigung mit dem Zimmermädchen auch einen Schlussstrich unter das Zivilverfahren.

In Frankreich wird gegen "DSK" in einer Callgirl-Affäre wegen "bandenmäßiger Zuhälterei" ermittelt. Dabei geht es um Sex-Partys mit Prostituierten in Paris, Brüssel und Washington, an denen neben Strauss-Kahn auch ranghohe Polizisten und Geschäftsmänner teilnahmen. Auch dazu äußerte sich die Buchautorin: Strauss-Kahn sei ein Schwein, ihrer Meinung nach jedoch kein Vergewaltiger und nicht einmal böse, meinte sie in einem Interview des "Nouvel Observateur" zu den Vorwürfen.

mia/afp/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Ich betätige mich jetzt mal als VTler:
laolu 27.02.2013
Zitat von sysopDas Skandalbuch einer ehemaligen Liebhaberin von Dominique Strauss-Kahn wird nicht verboten. Dem Werk, das den Ex-IWF-Chef als "Mischwesen zwischen Mensch und Schwein" bezeichnet, muss der Verlag jedoch eine Erklärung beilegen - und er muss "DSK" 50.000 Euro Entschädigung zahlen. Strauss-Kahn erringt Teilsieg gegen Buch von Ex-Geliebter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/strauss-kahn-erringt-teilsieg-gegen-buch-von-ex-geliebter-a-885768.html)
Irgendwann werden wir erfahren, wer hinter der konzertierten Aktion gegen den ehemaligen, für einige sehr unbequemen IWF-Chef gesteckt hat. Moralisch zweifelhafter Lebenswandel ist ein hervorragendes Instrument, wenn man eine öffentliche Person diskreditieren will.
2. Nix mit Tier
Psycha 27.02.2013
Bête heisst in diesem Zusammenhang wohl nicht "Tier" sondern "dumm", und zwar auf eine weibliche Person bezogen, also müsste es ungefähr so heissen: "(die) Schöne und (die) Dumme".
3. DSK muß seine Kasse aufbessern
spon-4bq-bici 27.02.2013
Da er (bzw. seine Frau) wohl eine Million an Schweigegeld für die Amerikanerin bezahlt hat, und der rührige Lustgreis wohl auch ein bischen klamm ist, ist er vielleicht gar nicht so abgeneigt, ab und zu mal vor Gericht zu kassieren.
4.
ChiefGonzo 27.02.2013
Zitat von bruxIch glaube, Sie machen sich keine richtige Vorstellung von der moralischen Verkommenheit DSKs. Der Mann ist ein Vergewaltiger ohne jeden Skrupel. Der Kompromiss zu dem Buch zeigt, dass er auch noch ziemlich blöd ist. Als Verleger würde ich jetzt auf den Umschlag drucken: "Verbesserte Auflage: Jetzt mit authentischem Kommentar vom Schwein selbst".
Na sicherlich. Und das muss so sein weil er ein Mann ist. Oder woher wissen sie dass er ein Vergewaltiger ist?
5. Diese zutiefst verletzte und empörte
freundlich100 27.02.2013
Autorin des Buches hatte ja offensichtlich eine sechsmonatie Affäre mit DSK nach dem ihm vorgeworfen wurde, ein Zimmermädchen vergewaltigt zu haben und zu einem Zeitpunkt zu dem er noch verheiratet war. Dass sie sich trotzdem auf eine Affäre mit DSK eingelassen hat, sagt doch wohl viel mehr über ihre eigene moralische Verkommenheit aus. Es ist schon lustig, all diese armen Frauen ... die immer wieder auf's Neue dem gemeinen DSK zum Opfer fallen. Eine nach der anderen ... immer wieder ... völlig ahnungslos. An diesem DSK muss echt was dran sein. Trotz seines katastrophalem Leumunds braucht er nur in seine Hände zu klatschen und attraktive gebildete Frauen mit Klasse werden weich ... und hinterher ist er das gemeine Schwein. Seltsam!!!
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Der IWF
Die Institution
Gegründet wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) zusammen mit seiner Schwesterinstitution Weltbank im Juli 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods. Der in Washington ansässige Fonds wacht als Sonderorganisation der Vereinten Nationen über die Währungspolitik seiner 186 Mitgliedsländer. Jedes Land muss entsprechend seinem Anteil an der Weltwirtschaft eine Einlage leisten und verfügt über entsprechende Stimmrechte. Die reichsten Länder haben damit den größten Einfluss.

Die Arbeit des IWF
Der IWF tritt vor allem bei Finanz- und Wirtschaftskrisen öffentlich in Erscheinung. Indem er einzelne Staaten unterstützt, soll er vor allem verhindern, dass sich Krisen ausbreiten und ganze Regionen oder gar das gesamte internationale Finanzsystem treffen. Der Fonds kann mit kurzfristigen Krediten die Defizite in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgleichen. Zudem leistet er Mitgliedstaaten technischen Beistand für den Umbau von Institutionen und bei der Gestaltung von Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Häufige Kritik
Die Bedingungen, die an die Vergabe der Gelder geknüpft werden, stoßen in den betroffenen Ländern und bei Globalisierungskritikern allerdings oft auf Unmut. Verordnet werden von der Institution aus Washington meist radikale Einschnitte in die Staatshaushalte, die Öffnung der Märkte und Privatisierungen. Diese jedoch verschärfen die Krisen nach Ansicht der Kritiker oft noch weiter. Nach Reformen ist inzwischen vorgesehen, dass der IWF verstärkt die sozialen Auswirkungen von Krisen und Hilfsmaßnahmen beachtet.

Die Direktorin
Seit Ende Juni 2011 steht die frühere französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde an der IWF-Spitze. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.
Wer wählt den Direktor?
Das Exekutivdirektorium des IWF besteht aus 24 Direktoren. Fünf von ihnen werden von den Mitgliedstaaten mit den größten Quoten ernannt, die verbleibenden vertreten jeweils mehrere Mitgliedsländer. Je mehr ein Land einzahlt, desto höher ist seine Quote. Deshalb haben die USA einen Stimmanteil von fast 17 Prozent, Japan von etwas mehr als sechs und Deutschland knapp unter sechs Prozent. Die USA verfügen über eine Sperrminorität. Denn zentrale Beschlüsse im IWF - wie auch die Wahl des kommenden Geschäftsführenden Direktors - müssen mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden.

Die Direktoren wählen den Geschäftsführenden Direktor. Er ist für das Tagesgeschäft, die Organisation und die Personalpolitik des Fonds zuständig. Der Direktor wird vom Exekutivdirektorium kontrolliert, dieses kann ihm die Amtsführung entziehen. Grundsatzentscheidungen werden vom Gouverneursrat des IWF und vom International Monetary and Financial Committee getroffen, die bei den Herbst- und Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank zusammenkommen.
Informelle Vereinbarung
Die USA und Europa haben sich informell darauf verständigt, wichtige Posten untereinander aufzuteilen. So stellen die USA traditionell den Direktor der Weltbank, während der Geschäftsführende Direktor des IWF von einem EU-Mitgliedsland gestellt wird. In den Statuten ist diese Regelung nicht verankert. Besonders die Schwellenländer dringen seit Jahren darauf, dass das informelle Abkommen gekippt und der Posten des Direktors ausgeschrieben wird.
Bedingungen für Hilfe
Der IWF arbeitet mit dem Land ein Programm aus, das konkrete Vorgaben zur Überwindung der Krise umfasst, zum Beispiel Vorgaben zur Haushaltspolitik. Die Kreditlinien werden üblicherweise in mehrere Tranchen gestückelt, deren Auszahlung an das Erreichen von Zwischenzielen gebunden ist. Üblich sind Kreditlaufzeiten von bis zu drei Jahren, die bei schweren Krisen aber verlängert werden können. Das angeschlagene Land legt seinen Sparplan im Detail offen. Bei Bedarf sind nachträgliche Änderungen möglich.