Strauss-Kahn im Gefängnis IWF-Chef hat Einzelzelle in "Neu-Alcatraz"

Eine Insel voller Schwerverbrecher, mit gewaltigen Mauern, mitten im East River: Dominique Strauss-Kahn sitzt im berüchtigten New Yorker Gefängnis auf Rikers Island. Streng wird der Top-Banker von den anderen Häftlingen getrennt - aus Angst vor Angriffen.

AP

Hamburg - Es gibt nur eine einzige Zufahrt nach Rikers Island, vom New Yorker Stadtteil Queens aus. Am Ende der unscheinbaren zweispurigen Straße würde kaum jemand den Beginn einer anderen Welt vermuten. Doch der Eindruck täuscht: Am Ende einer 1,28 Kilometer langen Brücke erreicht man die Tore von Rikers Island - New Yorks Hauptgefängnis, umspült vom East River, gesichert durch gewaltige Mauern und meterhohe Stacheldrahtzäune.

Dorthin sperrt man in der Acht-Millionen-Metropole die gefährlichsten Verbrecher, rund 14.000 Insassen sollen sich ständig auf dem Areal befinden. In Anlehnung an die berühmte Knastinsel der Welt in der Bucht von San Francisco, wird der Komplex auch "Das neue Alcatraz" genannt.

Die Liste der ehemaligen Gefangenen ist lang, auch Prominente haben hier schon eingesessen: Rapper Tupac Shakur wegen sexueller Belästigung, Sex-Pistols-Bassist Sid Vicious wegen Mordes oder David Chapman, der den Beatles-Musiker John Lennon erschossen hatte.

Seit Montagabend (Ortszeit) hat der Hightech-Knast einen neuen namhaften Insassen, auch wenn dessen Schuld noch nicht belegt ist. Mindestens bis zum kommenden Freitag wird Dominique Strauss-Kahn eine Einzelzelle auf Rikers Island beziehen, dann steht der nächste Termin mit dem Haftrichter an.

14.000 Insassen sind in zehn separaten Gefängnissen

Der Franzose soll am Samstag versucht haben, in einem New Yorker Luxushotel ein Zimmermädchen zu vergewaltigen. Eine Haftrichterin lehnte es am Montag ab, den Banker gegen eine Kaution aus der Untersuchungshaft freizulassen und begründete dies mit Fluchtgefahr. Strauss-Kahns Anwälte hatten zuvor eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar (rund 700.000 Euro) angeboten. Anwalt Benjamin Brafman betonte nach der Verhandlung erneut, Strauss-Kahn weise die Vorwürfe zurück und wolle seinen Namen und seinen Ruf wiederherstellen. Ein DNA-Test soll Klarheit in den Fall bringen.

Statt der Suite im Luxushotel muss sich der Top-Banker nun vorerst mit einer Zelle auf Rikers Island begnügen. Er sitzt in einem der bekanntesten Gefängnisse des Landes ein, in vielen Filmen und TV-Serien wird der legendäre Knast erwähnt. Die Eckdaten des Gebäudekomplexes erinnern eher an eine Kleinstadt als an ein Gefängnis:

  • 7000 Wachleute kümmern sich um die Insassen.

  • 1500 zivile Angestellte organisieren die Infrastruktur.

  • Die 14.000 Insassen sind in zehn separaten Gefängnissen untergebracht.

  • 860 Millionen Dollar umfasst das Jahresbudget.

  • Das Gelände beherbergt Schulen, Kliniken und Geschäfte.

  • Das einzige US-Gefängnisschiff ist Teil des Komplexes.

Laut der britischen "Daily Mail" erhält der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) im westlichen Teil der Insel eine Einzelzelle. Dreieinhalb mal vier Meter misst der Raum, normalerweise ist dieser Abschnitt von Rikers Island für erkrankte, drogenabhängige oder psychisch labile Gefangene reserviert - oder eben für solche, die zu ihrem eigenen Schutz vom Rest der Insassen getrennt werden sollen.

"Diese Maßnahme soll keineswegs jeden menschlichen Kontakt verhindern. Die Unterbringung soll vielmehr garantieren, dass Personen wegen ihrer Prominenz nicht durch andere Gefangene Schaden nehmen", sagte ein Gefängnissprecher der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Sorge scheint berechtigt, trotz der massiven Bewachung kommt es auf Rikers Island immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen. Mitte der neunziger Jahre geriet die Anstalt wegen brutaler Unruhen in die Schlagzeilen, mehrere Insassen wurden damals laut "New York Times" getötet. Heute sind die Sicherheitsvorkehrungen zwar besser, für prominente Gefangene gelten trotzdem eigene Regeln.

Drei Besucher pro Woche sind erlaubt

So wird Strauss-Kahn laut dem Gefängnissprecher auch auf den Fluren keinen Kontakt zu Mithäftlingen bekommen. Gleiches gilt für Telefongespräche oder Besuche im Gefängnisladen. Ein Trinkbecher, Seife, Shampoo und Zahnpasta gehören zu den wenigen Gegenständen, die der Top-Banker in seiner Zelle aufbewahren darf.

Auch der Tagesablauf auf Rikers Island ist streng geregelt: Eine Stunde pro Tag bekommt der Finanzmanager für Freizeitaktivitäten, um 23 Uhr wird das Licht in der Einzelzelle gelöscht. Ein "eingeschränkter" Zugang zu Büchern und Zeitschriften soll Strauss-Kahn garantiert werden - Fernsehen und Internet sind dagegen tabu. Die drei Mahlzeiten pro Tag nimmt der 62-Jährige in seiner Zelle ein.

Auch in Sachen Besuchszeiten gelten strikte Regeln in dem Areal: Mehr als drei Besucher pro Woche sind nicht erlaubt - diese Regelung nimmt Anwälte allerdings aus. Der Zugang zu einem Telefon wird Strauss-Kahn eingeräumt, die Gespräche muss er aus eigener Tasche bezahlen.

Immerhin bleibt Strauss-Kahn laut "Daily Mail" die einheitliche Gefängniskleidung der Insel erspart, erst nach einer möglichen Verurteilung müsste er den Maßanzug gegen die khakifarbene Kluft tauschen.

jok

insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
Kalaharry 17.05.2011
1. Nun mal nicht übertreiben :)
Zitat von sysopEine Insel voller Schwerverbrecher, mit*gewaltigen*Mauern, mitten im East River: Dominique Strauss-Kahn sitzt im berüchtigten New Yorker Gefängnis*auf Rikers Island. Streng wird der Top-Banker von den anderen Häftlingen getrennt - aus Angst vor Angriffen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,763089,00.html
Ich denke nicht, dass die anderen Häftlinge wirklich von Strauss-Dschingis-Kahn geschützt werden müssen. Der ist doch ganz harmlos, wenn es nicht gerade Frauen sind. Wer keinen Rock trägt, ist sicher.
A_Friend, 17.05.2011
2. Banker hinter Gittern? Passt scho...
Zitat von sysopEine Insel voller Schwerverbrecher, mit*gewaltigen*Mauern, mitten im East River: Dominique Strauss-Kahn sitzt im berüchtigten New Yorker Gefängnis*auf Rikers Island. Streng wird der Top-Banker von den anderen Häftlingen getrennt - aus Angst vor Angriffen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,763089,00.html
Ich vermute mal, der Herr hat sich eine Dame des ältesten Gewerbes im Dienstmädchen-Outfit aufs Zimmer bestellt. Dummerweise kam das echte Zimmermädchen zuerst. Wie dem auch sei: Ein Banker hinter Gittern. Mögen die Gründe vielleicht die falschen sein, der Ort ist schon mal genau richtig.
Meckerliese 17.05.2011
3. es reicht
Mann macht ihr ein Theater um den alten geilen Bock. Der kriegt jetzt die Strafe für die Fälle wo er nicht erwischt bzw. durch Geld glattgebügelt bekam.
ratxi 17.05.2011
4. Titel im Angriff
Zitat von sysopEine Insel voller Schwerverbrecher, mit*gewaltigen*Mauern, mitten im East River: Dominique Strauss-Kahn sitzt im berüchtigten New Yorker Gefängnis*auf Rikers Island. Streng wird der Top-Banker von den anderen Häftlingen getrennt - aus Angst vor Angriffen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,763089,00.html
Meinen Sie, der greift die Insaßen an? Naja, wenn so´n Bonze mal richtig sauer wird...
tutnet 17.05.2011
5. Neues Banker-Outfit
Zitat von KalaharryIch denke nicht, dass die anderen Häftlinge wirklich von Strauss-Dschingis-Kahn geschützt werden müssen. Der ist doch ganz harmlos, wenn es nicht gerade Frauen sind. Wer keinen Rock trägt, ist sicher.
Hehe, wohl eher andersherum. Die rot/weißgeringelten Anzüge würden etlichen Bankern allerdings hervorragend stehen.
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