Ex-IWF-Chef: Strauss-Kahn soll Prozess wegen Zuhälterei gemacht werden

Dominique Strauss-Kahn: Ihm wird "schwere gemeinschaftliche Zuhälterei" vorgeworfen Zur Großansicht
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Dominique Strauss-Kahn: Ihm wird "schwere gemeinschaftliche Zuhälterei" vorgeworfen

Gegen Dominique Strauss-Kahn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen "schwerer gemeinschaftlicher Zuhälterei". Jetzt hat die Staatsanwaltschaft mitgeteilt: Der ehemalige IWF-Chef soll vor ein Strafgericht gestellt werden.

Paris - In der Affäre um einen Callgirl-Ring wird Dominique Strauss-Kahn vermutlich der Prozess gemacht. Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) solle wegen "schwerer gemeinschaftlicher Zuhälterei" vor ein Strafgericht gestellt werden, teilte die Staatsanwaltschaft im nordfranzösischen Lille mit. Bei den Vorwürfen geht es um die Organisation von illegalen Sex-Partys mit Prostituierten, an denen neben Strauss-Kahn auch ranghohe Polizisten und Geschäftsmänner teilgenommen haben sollen.

Der 64-Jährige bestreitet nicht, an den Sex-Partys in Luxushotels in den Jahren 2009, 2010 und 2011 teilgenommen zu haben. Strauss-Kahn will aber nicht gewusst haben, dass es sich bei den Frauen um Prostituierte handelte. In diesem Fall dürfte der Franzose nicht verurteilt werden.

Mitte Juni hatte die Staatsanwaltschaft von Lille noch eine Einstellung des Verfahrens gegen den Ex-IWF-Chef und einstigen Hoffnungsträger von Frankreichs Sozialisten beantragt. Gegen Strauss-Kahn liege nicht genug belastendes Material vor, hieß es damals.

Die ermittelnden Untersuchungsrichter sahen dies aber offenbar anders und haben Anklage erhoben, sie müssen der Empfehlung der Staatsanwaltschaft nicht folgen. Die Staatsanwaltschaft könnte gegen die Entscheidung nun allerdings Rechtsmittel einlegen. Bislang teilte die Behörde nicht mit, ob sie das plant.

Ermittler wollen weitere Verdächtige vor Gericht sehen

Strauss-Kahns Anwalt Richard Malka sagte in einer ersten Reaktion, er und sein Mandat sähen einem Strafprozess gelassen entgegen. Dieser werde zeigen, dass die Zuhälterei-Vorwürfe "absurd und widersinnig" seien.

Neben Strauss-Kahn sind in der nach einem Luxushotel benannten "Carlton"-Affäre etliche weitere Personen im Visier der Ermittler. Die Untersuchungsrichter sprachen sich nun dafür aus, zwölf weiteren Verdächtigen den Prozess wegen "schwerer gemeinschaftlicher Zuhälterei" zu machen. Ein weiterer Beschuldigter soll sich wegen Beihilfe zum Betrug und Vertrauensmissbrauchs verantworten.

Ursprünglich lief das Ermittlungsverfahren gegen Strauss-Kahn und andere Beschuldigte wegen "bandenmäßiger Zuhälterei", was als Straftatbestand schwerer wiegt als die "schwere gemeinschaftliche Zuhälterei". Die Untersuchungsrichter schwächten die Vorwürfe aber ab.

Anfang vergangener Woche war bekannt geworden, dass der 64-Jährige einen Posten als Aufsichtsrat bei einer Tochterbank des russischen Staatskonzerns und weltgrößten Ölproduzenten Rosneft annimmt. Im Mai 2011 hatte ein Skandal die Reputation Strauss-Kahns erschüttert. Wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung eines Zimmermädchens wurde er in New York festgenommen, wenig später trat er von der Spitze des IWF zurück.

Strauss-Kahn beteuerte, der Sex mit dem Zimmermädchen sei einvernehmlich gewesen. Ein Strafverfahren in New York wurde bereits im Jahr 2011 nach erheblichen Zweifeln an den Aussagen der Frau eingestellt. Allerdings hielt sie ihre Zivilklage zunächst aufrecht, bis sie sie im Dezember 2012 im Gegenzug gegen eine Geldzahlung fallen ließ.

wit/AFP/Reuters/dpa

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