Ottfried-Fischer-Prozess: Gericht hebt Freispruch für Ex-"Bild"-Reporter auf

Der Prozess um ein Interview von Ottfried Fischer wird neu aufgerollt. Das Oberlandesgericht München hob den Freispruch für einen Journalisten auf, der den Schauspieler mit einem Sexvideo zu dem Exklusiv-Gespräch genötigt haben soll.

Schauspieler Ottfried Fischer: Prozess um ein Interview muss neu verhandelt werden Zur Großansicht
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Schauspieler Ottfried Fischer: Prozess um ein Interview muss neu verhandelt werden

München - Es ist ein Erfolg für die Staatsanwaltschaft: Der Prozess um ein Sexvideo von Schauspieler Ottfried Fischer muss neu verhandelt werden. Das Oberlandesgericht München hob am Dienstag den Freispruch für einen Journalisten auf. Die Urteilsbegründung des Landgerichts sei lückenhaft und widersprüchlich, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl. Er folgte damit in der Revisionsverhandlung dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Fischers Anwälten als Nebenklagevertretern.

Die Anwälte des Journalisten hatten dagegen beantragt, das Urteil nicht aufzuheben. Es gebe keinen Grund, den Freispruch anzuzweifeln. "Ich halte das für inhaltlich falsch", sagte Anwalt Ulrich Ziegert nach dem Urteilsspruch. Der Ex-"Bild"-Reporter war angeklagt, weil er den Schauspieler mit einem Sexvideo zu einem Exklusiv-Interview genötigt haben soll. Der Reporter hatte das Video, das Fischer beim Sex mit zwei Prostituierten zeigt, für ein sogenanntes Info-Honorar bekommen.

Das Oberlandesgericht sei zu dem Schluss gekommen, dass "der Freispruch der sachlich-rechtlichen Prüfung nicht standhält", sagte der Vorsitzende Richter Götzl. Er ging mit der Vorinstanz hart ins Gericht. "In der Urteilsbegründung fehlt bereits die zusammenhängende Wiedergabe der Einlassung des Angeklagten." Auch enthalte das Urteil beispielsweise keine Angaben, wie bestimmte Zeugen auf bestimmte Nachfragen reagiert hätten. "Wie waren die Angaben, wo decken sie sich, wo decken sie sich nicht, welche Angaben sind zu welchem Zeitpunkt glaubhaft?", fasst Götzl die aus seiner Sicht offenen Fragen aus dem vorangehenden Urteil zusammen.

"Massiver kann man das Persönlichkeitsrecht nicht verletzen"

Die Anwälte des Schauspielers, Steffen Ufer und Christoph Knauer, äußerten sich zufrieden. Das Landgerichtsurteil sei fachlich mangelhaft gewesen. "Entscheidend ist für uns die Aufhebung des Freispruchs", sagte Knauer. In jedem Fall sei hier die "innerste Intimsphäre" seines Mandanten verletzt. "Massiver kann man das Persönlichkeitsrecht nicht verletzen." Er sieht einen besonders schweren Fall der Nötigung. Es gehe nicht um ein hohe Strafe, sagte Ufer. "Es ist weiter auch das Hauptziel der Nebenklage, hier einfach mal einen Präzedenzfall zu schaffen. Es gibt eine klare Grenze für die Pressefreiheit."

Die Verteidigung des Journalisten sieht hingegen kein strafrechtliches Verschulden. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass das in einer neuen Runde nicht anders ausgeht", sagte Anwalt Ziegert. Der Journalist selbst habe sogar gesagt, das Video sei ihm "zu heiß". "Das ist keine Nötigung", unterstrich Ziegert. "Es ist völlig klar, dass der Ankauf von Informationsmaterial eine berufstypische Handlung von Journalisten ist." Vielmehr sei es sogar Pflicht des Journalisten gewesen, angesichts des brisanten Materials nachzufragen. "Dazu war der Angeklagte geradezu verpflichtet", sagte Verteidiger Spyros Aroukatos.

Das Landgericht München hatte den Journalisten im Mai 2011 vom Vorwurf der Nötigung freigesprochen. Es habe keine Beweise dafür gegeben, dass er den Fernsehstar unter Druck gesetzt habe, hieß es damals in der Urteilsbegründung. In der zweiten Instanz ging es erneut um den Vorwurf, der Reporter habe Fischer genötigt und dessen "höchstpersönlichen Lebensbereich" verletzt. Fischer fühlte sich erpresst. Ohne den Hinweis des Reporters auf das Video in seinem Besitz hätte er der "Bild"-Zeitung kein Interview gegeben, sagte er aus. Der Journalist hingegen beteuerte, er habe niemals mit der Veröffentlichung des Films gedroht.

Fischer sei mit Sicherheit das Opfer, aber wohl eher der Umstände und vielleicht auch seiner Agentin, hatte das Landgericht bei der Urteilsverkündung im vergangenen Mai befunden. Die Agentin hatte das Interview zwischen Fischer und dem Reporter vermittelt. Vor Gericht bestritt sie, dass der Journalist Druck ausgeübt habe - Fischer entließ die Frau daraufhin.

Das Amtsgericht München hatte den Reporter in erster Instanz wegen Nötigung und "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch unbefugte Bildaufnahmen" zu einer Geldstrafe von 14.400 Euro verurteilt. Der Journalist und die Staatsanwaltschaft waren dagegen in Berufung gegangen.

wit/dpa

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