In Zelle vergessen US-Student berichtet von Todesangst

Er schrie um Hilfe, trank seinen eigenen Urin - und hoffte am Ende nur noch auf einen schnellen Tod: Fünf Tage saß Daniel Chong ohne Wasser, Nahrung und Licht in einer fensterlosen Zelle, vergessen von der US-Drogenbehörde. Der Student will sie nun wegen Folter verklagen.

Student Chong: "Ein schrecklicher Weg, aus dem Leben zu scheiden"
picture alliance/ ZUMAPRESS.com

Student Chong: "Ein schrecklicher Weg, aus dem Leben zu scheiden"


San Diego - Nach zwei Tagen in einer kleinen Zelle, gefesselt mit Handschellen und ohne Nahrung und Wasser, schaltete Daniel Chong auf Überlebensmodus um, wie er sagt. Der Durst wurde so groß, dass er seinen eigenen Urin trank und versuchte, eine Sprinkleranlage auszulösen, um an Wasser zu kommen.

Chong war bei einer Drogenrazzia aufgegriffen und in die Zelle gesteckt worden; er wurde aber nie angeklagt. Die Behörden vergaßen ihn einfach für fünf Tage.

Er habe sich darauf eingestellt, in der Zelle zu sterben. "Ich dachte, 'Wow, das ist ein schrecklicher Weg, aus dem Leben zu scheiden'", sagte er nach seiner Rettung. "Ich wollte einfach ein wenig Würde." Er habe im Dunkeln gesessen und geschrien, man solle ihn wenigstens nicht langsam verenden lassen. "Dann ging das Licht an, sehr verwundert aussehende Mitarbeiter der US-Drogenbehörde DEA öffneten die Tür. Sie sagten: 'Wer bist du? Woher kommst du her?'"

Fünf Tage musste er im Krankenhaus verbringen, um sich von der Strapaze zu erholen. Er nahm während seiner Zeit in der Zelle fast sieben Kilogramm ab und musste wegen Dehydration, Nierenversagens und Krämpfen behandelt werden.

Klage auf 20 Millionen Dollar

Chong wurde am Morgen des 21. April nach einer Party gefasst worden. Bei der Durchsuchung des Hauses fanden DEA-Mitarbeiter 18.000 Ecstasy-Pillen, andere Drogen und Waffen. Zusammen mit acht weiteren Personen wurde Chong in Gewahrsam genommen. DEA-Mitarbeiter sagten ihm, er sei kein Verdächtiger und werde in Kürze freikommen. Er habe dann Formulare unterschrieben und sei dann zurück in die Zelle gebracht worden.

Als aus Stunden des Wartens Tage wurden, schrie Chong nach eigenen Angaben um Hilfe und trat gegen die Tür. Er habe mit seinen Zähnen ein Stück seiner Jacke abgerissen und unter der Tür durchgeschoben, um auf sich aufmerksam zu machen - alles vergeblich.

Chongs Anwälte wollen nun die Drogenbehörde auf 20 Millionen Dollar verklagen. "Ich kann einfach nicht glauben, dass das legal war", sagte Chong. Nach ihrer Ansicht stellt die Behandlung des Studenten Folter dar. Ein entsprechender Schriftsatz, Vorläufer zu einer offiziellen Klageschrift, wurde dem DEA-Büro in Washington übermittelt. Bislang hat sich laut Chong niemand persönlich entschuldigt.

Die Nachrichtenagentur Associated Press zitiert einen DEA-Kenner. Demnach sehen die Regeln der Behörde vor, dass jede Zelle jeden Abend kontrolliert werden müsse. Zudem sei Chongs Zelle nicht für einen Aufenthalt über Nacht geeignet gewesen, weil sie keine Toilette habe.

ulz/AP



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