Stuttgart Prozess gegen Osmanen-Mitglieder beginnt mit Verzögerungen

Straßenkontrollen, Hubschrauber und viel Polizei: Der Prozessauftakt gegen die Führungsriege der Rockergruppe Osmanen Germania stand unter dem Eindruck einer Bedrohungslage.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen vor dem Gerichtsgebäude
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Hohe Sicherheitsvorkehrungen vor dem Gerichtsgebäude


Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen hat in Stuttgart der Prozess gegen Anführer der türkisch-nationalistischen Gang Osmanen Germania begonnen. Vor dem Landgericht müssen sich fünf Türken und drei Deutsche im Alter von 19 bis 46 Jahren verantworten, darunter der vormalige "Weltpräsident" der rockerähnlichen Gang und sein Vize.

Den Männern wird eine Vielzahl von Gewalt- und anderen Delikten vorgeworfen, mit denen vor allem die innere Ordnung der Osmanen aufrechterhalten werden sollte. Laut Anklage wurde ein Abtrünniger fast getötet.

Rund um das Gefängnis in Stammheim waren Straßenkontrollen aufgebaut, etliche Polizisten waren im Einsatz, Hubschrauber kreisten über dem Justizgebäude. Strenge Kontrollen der gut 120 Zuschauer verzögerten den Prozessstart um zwei Stunden.

Es gebe eine Bedrohungslage, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart, ohne Details zu nennen. Aus Sicherheitsgründen wurde darauf verzichtet, die Adresse des vormaligen Osmanen-"Weltpräsidenten" zu verlesen. Die Angeklagten sitzen in acht verschiedenen Gefängnissen in Untersuchungshaft.

In dem Prozess geht es zum Teil um Strafaktionen gegen eigene Leute, etwa weil sie die Gruppe verlassen wollten. Konkret geht es um einen Fall aus Herrenberg nahe Stuttgart: Dort soll ein Teil der Angeklagten - im Wissen der Anführer - ein abtrünniges Mitglied gefoltert haben.

Lange Liste von Straftaten

Die Liste der Straftaten, die den Männern in unterschiedlicher Konstellation vorgehalten wird, ist lang: versuchter Mord, versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung, Zuhälterei, räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, diverse Waffen- und Drogendelikte. In wechselnden Besetzungen sollen sie diese Taten an verschiedenen Orten in Baden-Württemberg begangen haben. Man könne bei Verurteilungen von mehrjährigen Freiheitsstrafen für jeden Einzelnen ausgehen, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Der Prozess dürfte auch deshalb ein großes Echo erfahren, weil die Rocker offenkundig nicht allein mit szenetypischer Gewalt auffielen. Ermittler sind überzeugt davon, dass die Osmanen beste Kontakte bis in die Spitze der türkischen Regierung pflegten. Die meisten Mitglieder seien Nationalisten - und würden in Deutschland auch Bestrafungsaktionen gegen Gegner des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ausführen, hieß es in Sicherheitskreisen. (Lesen Sie mehr dazu bei SPIEGEL Plus.) Die Rocker bestreiten das.

bbr/apr/jdl/sms/dpa

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