Fahndung nach Doppelmord: Entführer DiMaggio flüchtet in die Wildnis von Idaho

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James Lee DiMaggio soll in Kalifornien sein Haus in Brand gesetzt haben, in den Überresten fand man die Leiche einer Frau. Deren zwei Kinder galten seither als vermisst, doch nun steht fest: Der achtjährige Sohn ist ebenfalls tot. Offenbar ist DiMaggio mit der Tochter in die Wildnis von Idaho geflüchtet.

San Diego - Die Polizei hatte es bereits vermutet, nun ist es gewiss: Ethan Anderson ist tot. Seine Leiche war in den Überresten eines Hauses in der Nähe von San Diego gefunden worden, ebenso wie die Leiche seiner Mutter, Christina Anderson. Woran die 44-Jährige und der Junge starben, ist noch unklar.

Das Haus gehörte James Lee DiMaggio, ein 40-jähriger IT-Techniker und enger Freund der Familie. Er soll es am Sonntag in Brand gesetzt haben. Daraufhin flüchtete er, offenbar hat er das zweite Kind von Christina Anderson in seiner Gewalt: Hannah, 16 Jahre alt.

"Er hatte nicht das Gefühl, eingreifen zu müssen"

Nun ist DiMaggio möglicherweise in der Wildnis von Idaho gesehen worden. Eine Gruppe von Reitern berichtete der Polizei, sie habe am Mittwoch einen Mann und ein Mädchen im Nordwesten der Stadt Boise getroffen und kurz mit ihnen gesprochen. Erst nach ihrer Rückkehr von dem Ausritt hätten sie aus den Nachrichten mitbekommen und realisiert, dass es wohl DiMaggio und Hannah Anderson gewesen seien. In der Gegend, am Beginn eines Wanderwegs, war auch das Auto von DiMaggio gefunden worden. Es war von Büschen verdeckt, die Kennzeichen fehlten.

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Den Reitern war aufgefallen, dass der Mann und das Mädchen nur wenig Camping-Ausrüstung dabei hatten, was für dieses abgelegene Gebiet ungewöhnlich sei. Ein Mitglied der Gruppe sagte der Polizei zufolge, das Mädchen habe nicht den Anschein gemacht, als sei es gegen seinen Willen mit dem Mann unterwegs. "Er hatte nicht das Gefühl, eingreifen zu müssen", so eine Polizeisprecherin. Sie betonte jedoch, dass man dies nicht zum Anlass nehme, davon auszugehen, Hannah sei freiwillig mit DiMaggio unterwegs.

Die Polizei hatte ihre Suche auf die gesamte US-Westküste, Mexiko und den kanadischen Bundesstaat British Columbia ausgeweitet. Sie nimmt an, dass DiMaggio bewaffnet ist und "Sprengfallen oder Brandsätze" einsetzen könnte. Die Fahnder konzentrieren sich vor allem auf Idaho: Dutzende Beamte durchkämmen das Hinterland.

Wieso DiMaggio das Haus in Brand setzte und das Mädchen entführte, ist weiterhin unklar. Die Polizei geht davon aus, dass er die Tat im Vorfeld geplant hatte. Demnach erwarb er die Camping-Ausrüstung mehrere Wochen zuvor.

"Er ist offensichtlich durchgedreht"

Chris Grove, für das Gebiet zuständiger Ranger, äußerte die Sorge, dass man mit einer derart schlechten Ausrüstung in der schroffen Wildnis Probleme bekommen könnte. "Der gewählte Weg kann zu einem Abhang führen oder einem Fluss, der nur schwer zu überqueren ist", so Grove.

Der Vater von Hannah und Ethan, Brett Anderson, hatte sich mit einer Fernsehbotschaft an DiMaggio gewandt und ihn aufgefordert, seine Tochter freizulassen. Auf die Frage nach DiMaggio, der ein enges Verhältnis zu den Kindern gehabt haben soll, erwiderte Anderson, er könne sich nicht ausmalen, was in dem Mann vorgegangen sei. "Er ist offensichtlich durchgedreht."

bim/Reuters

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